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Sorgerecht : Der entsorgte Vater

Prinz sagt auch die weiteren Umgangstermine jedes Mal ganz kurzfristig ab, so dass die Caritas ihre Bemühungen nach vielen erfolglosen Versuchen, Vater und Kind zusammenzubringen, abbricht. In einem Bericht ans Jugendamt schreibt die Leiterin der Einrichtung, Prinz' „unverbindliche Art, die Umgangstermine zu handhaben“, stelle eine „Kindeswohlgefährdung“ dar. Es sei unmöglich gewesen, mit ihr „zu kooperieren“. Bode beschließt, die letzte ihm zur Verfügung stehende Möglichkeit auszuschöpfen und ein Zwangsgeldverfahren gegen Prinz anzustrengen. Mit Erfolg: Der Richter verhängt ein Zwangsgeld von tausend Euro gegen Prinz, mit der Begründung, sie habe das vom Oberlandesgericht festgelegte Umgangsrecht „blockiert“. Wenn sie ihr Verhalten nicht ändere, komme „eine Entziehung des Sorgerechts insgesamt in Betracht“. Deutlicher kann ein Beschluss nicht ausfallen.

Nach zwei Jahren Pause kommt der nächste begleitete Umgang mit seinem inzwischen fast vier Jahre alten Sohn zustande - diesmal in einer Familienbildungsstätte. Bode sieht Dominik an, hört ihm zu und ist überglücklich. Sein Sohn hat leuchtend blaue Augen und eine hellblonde, lockige Mähne. Sie spielen knappe zwei Stunden lang, und als die Mitarbeiterin ihnen erklärt, die Spielzeit sei gleich zu Ende, wird Dominik sehr barsch. Er sieht sie mit bitterernster Miene an und ruft immer wieder: „Ich geh' jetzt aber nicht!“ Auch die folgenden Begegnungen zwischen Vater und Sohn laufen wunderbar, so dass die Betreuerin der Familienbildungsstätte ankündigt, Bode könne Dominik bald auch alleine, das heißt im Rahmen unbegleiteter Umgänge, sehen. Dies teilt sie auch Prinz mit, die daraufhin ankündigt: „Dann muss ich mir etwas einfallen lassen.“

Den eigenen Sohn schon zwei Jahre nicht mehr gesehen

Beim nächsten Umgang macht Dominik einen verstörten Eindruck auf Bode. Er ist verheult und ruft die ganze Zeit: „Ich will nicht mit Volker spielen! Ich will nur noch mit Mama spielen!“ Beim darauffolgenden Treffen ist es genau das Gleiche, und deswegen bricht Prinz die Umgänge ab. Bode stellt also abermals einen Antrag auf Umgang bei Gericht, denn der Beschluss des Oberlandesgerichts hat ja weiterhin Gültigkeit. Im Vorfeld dieser Verhandlung erreicht ihn ein Schreiben von Prinz' neuer Anwältin - es ist inzwischen ihre fünfte -, in dem sie behauptet, er habe bei einem Toilettengang während eines begleiteten Umgangs an Dominiks Popo herumgefummelt. Der Richter nimmt das jedoch in der Verhandlung kaum zur Kenntnis, sondern sucht Dominik wenig später im Kindergarten auf, um ihn anzuhören. Das Ergebnis: Er hält es durchaus für möglich, dass Dominik seinen Vater in Wirklichkeit ganz gern wieder sehen würde.

Seit mehr als zwei Jahren hat Bode seinen Sohn nun nicht mehr gesehen. Im Sommer vergangenen Jahres hat das Gericht eine Psychologin mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Sie soll herausfinden, ob es Dominik guttut, den Vater zu treffen. Sollte das nicht der Fall sein, wird das Gericht Bode sehr wahrscheinlich verbieten, seinen Sohn weiterhin zu sehen.

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