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Scheidung nach Gentest : Mein unbekannter Halbbruder

  • -Aktualisiert am

Verrät viel: die menschliche DNA. Bild: dpa

Ein Gentest bringt nicht nur Gewissheit über etwaige Krankheiten, sondern kann auch Familien zusammenführen - oder sie für immer auseinander bringen.

          Er schenkte seinen Eltern einen Gentest für eine Online-Gendatenbank und schickte selbst eine Probe ins Labor. George Doe, wie er sich in einem Artikel nennt, wollte seiner Familie erklären, was er als Stammzellforscher und Biologe untersucht.

          Er schickte eine Speichelprobe für 99 Dollar dem Unternehmen „23andMe“, um sein Genom zu entschlüsseln. Die Firma mit Sitz im Silicon Valley gehört mit mehr als einer Million Kunden zu den Marktführern im Sammeln und Auswerten von Gendaten. Doe wollte wissen, wie gefährdet er sei im Alter an Dickdarmkrebs zu erkranken, da bereits einige Fälle in seiner Familie bekannt waren. Bei der Genotypisierung wird nur nach bestimmten Abschnitten im Genom gesucht. Doe war demnach zwar nicht gefährdet, an Krebs zu erkranken. Doch das Unternehmen ermittelte so nebenbei auch „Thomas“, einen ebenfalls in der Datenbank registrierten Mann, mit dem er zu 22 Prozent genetisch verwandt sein sollte, als „Großvater“.

          Der Gentest zerrüttete die Familie

          Der Wissenschaftler wusste, dass es sich bei einer Überschneidung von rund 25 Prozent nur um einen Halbbruder oder einen Onkel handeln konnte, weil „Thomas“ zu jung war, um sein Großvater sein zu können. „Thomas“ war, wie sich herausstellen sollte, sein Halbbruder, der nach der Geburt zur Adoption freigegeben wurde und auf der Suche nach seinen leiblichen Eltern war. Nachdem der  Vater des Forschers eine Probe abgegeben hatte, stand das zweifelsfrei fest.

          Der Gentest zerrütte die Familie. Die Eltern ließen sich scheiden, mit dem Vater spricht auch der Sohn nicht mehr. Über die genauen Umstände gibt Doe keine Auskunft. Seinen Halbbruder hat er auch noch nicht getroffen. George Doe schrieb an das Unternehmen: „Ich weiß nicht, ob ihre Kunden ahnen, dass sie an einem fortgeschrittenen Elternschaftstest teilnehmen.“ Die Antwort kam rasch und war karg: „Das ist interessant.“ Bislang können Gentest-Plattformen für mögliche familiäre Folgen strafrechtlich nicht belangt werden.

          Der Stammzellforscher fordert nun einen eindeutigen Warnhinweis auf der Seite, der über die emotionalen und psychologischen Folgen aufklärt, die eine solche Suche haben kann. „Trotz meiner Kenntnisse habe ich die Auswirkungen dieses Tests nicht vorhersehen können“, sagt der Biologe. „Mit dem Gentest habe ich meinen Eltern das Geschenk der Scheidung gemacht.“

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