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Privatdetektiv im Jugendzimmer : Wo kommen die Pillen her?

  • Aktualisiert am

Zutritt ab 18 verboten: Was im Jugendzimmer passiert, wissen die Eltern oft nicht. Bild: Eva Haeberle/laif

Marco Pandera ist Privatdetektiv. Eltern bezahlen ihn dafür, dass er ihre Kinder ausspioniert. Mal findet er Drogen, mal auch nur einen Kleinmädchentraum.

          Herr Pandera, Sie sind Privatdetektiv und spionieren Kinder aus – im Auftrag der Eltern.

          Na, ich will da jetzt keine Nummer draus machen, von wegen NSA im Kinderzimmer. Das Problem ist: Die Eltern müssen immer mehr arbeiten, auch wegen der idiotischen Öffnungszeiten, sogar am Wochenende bis Mitternacht. In meiner Generation waren viele Mütter in Teilzeit beschäftigt oder Hausfrauen. Die wussten, was die Kinder tun. Heute veranstaltet ein Kind viel größeren Blödsinn: am Computer nämlich. Und die Eltern wissen nicht, was los ist. Handeln die Kinder mit Gewaltvideos? Ziehen sie Handys ab, verticken sie Hehlerware, Drogen?

          Sie könnten ihre Kinder fragen.

          Die antworten nur: Was wisst ihr schon von unserer Zeit und wie wir so ticken? Unsere Eltern wussten das damals ja auch nicht. Aber wir hatten nicht so viele Möglichkeiten. Wir konnten rausgehen und mit dem Hammer einen Porsche zerschlagen. War eher unwahrscheinlich. Aber mit ein paar Mausklicks am Computer kann ich immensen Schaden anrichten.

          Zum Beispiel?

          Mit den Daten vom Nachbarn einen Handyvertrag abschließen oder einen Flachbildschirm bestellen.

          Und wie können Sie helfen?

          Wenn die Eltern anrufen und sagen: Unsere Tochter sieht immer so komisch um die Augen aus, dann besorgen wir einen Drogenschnelltest, für leichtere Drogen wie Cannabis. Oft reicht es schon, wenn die Eltern den nur als Warnung einsetzen: Eines Tages, wenn du nicht damit rechnest, machen wir den Test mit dir. Oder die Eltern finden Pillen beim Aufräumen und wissen nicht, was sie damit machen sollen.

          Bei Verdacht auf Drogenhandel: Treten Sie auch als interessierter Käufer auf?

          Nein, die verkaufen nicht an Erwachsene. Wir gucken uns die Rechner der Kinder an, wenn sie in der Schule sind. Die Rechner gehören den Eltern, solange die Kinder noch nicht volljährig sind, damit wir die rechtliche Seite mal geklärt haben. Wir kopieren die Festplatte. Und sehen uns auch die Spiele an, die Egoshooter. Die können viel anrichten. Zum Beispiel war ein Junge aus dem Sportverein ausgetreten und saß plötzlich nur noch in seinem Zimmer. Die Eltern können sich ja nicht danebensetzen. Da macht er ja nichts. Sie könnten sein Zimmer mit Kameras versehen und ihn vom Schlafzimmer aus bespitzeln. Auch nicht so prickelnd. Dann gibt es nur die Auswertung von Daten.

          Sie installieren Spionageprogramme auf den Computern.

          Wir gucken uns die Verläufe an, von Chats, E-Mails und Bildern, die sie hochladen. Alle zehn Sekunden wird ein Bildschirmfoto gemacht und gespeichert.

          Sie müssen sich den privaten Kram der Kinder reinziehen.

          Da hat man nicht unbedingt Spaß dran. Wie früher im Kaufhaus, da mussten Sie zwölf Stunden lang zusehen, wie die Leute vor der Kamera hin und her laufen. Das war vergleichbar interessant. Da sind ja riesige Datenmengen. Wie viel ein Jugendlicher allein auf dem Nachhauseweg an SMS und Whats-App-Nachrichten verschickt.

          Kommen Sie an die Handys?

          Das ist natürlich ein Problem. Das Handy lassen die nicht aus den Augen. Und dann haben die alle einen Pincode. Wenn Sie den dreimal falsch eingeben, müssen Sie technologisch tief in die Trickkiste greifen. Aber man kann die Handykarte auslesen, wenn die nicht geschützt ist.

          Was für Familien wenden sich an Sie?

          Mittelständische Familien. Eine Hartz-IV-Familie kann sich das nicht leisten.

          Wenn Sie feststellen, dass Drogen vertickt werden, müssen Sie das anzeigen?

          Müssen ist so eine Sache. Wir sind ja keine Strafverfolgungsbehörde. Stellen Sie sich mal vor, Sie finden dreihundert Gramm Gras im Kinderzimmer.

          Dreihundert Gramm Gras!

          So viel vertickt man in Kreuzberg locker an einem Nachmittag. Was würden Sie denn machen?

          Keine Ahnung. Ich rufe wahrscheinlich nicht als allererstes die Polizei.

          Sehen Sie. Als Präventivmaßnahme ist das natürlich eine schöne Sache. Da erlebt das Kind mal was: im Sammeltransport in die Gefangenensammelstelle. Das ist pädagogisch wertvoll.

          Hm.

          Wir raten den Eltern natürlich, die Sache zu melden oder die Drogen wenigstens als Fundsache abzugeben.

          Klingt gut.

          Wir hatten mal ein Mädel, dreizehn Jahre alt, aus Bayern. Sie wollte unbedingt nach Berlin, sagte aber nicht, warum. Die Eltern haben uns die Festplatte der Tochter rübergeschickt, wir haben sie in der Forensik ausgewertet. Und dann wussten wir, wo die Reise hingehen sollte: Sie war ein großer Fan von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Und da hatte sich im Chat so ein Hans gemeldet, er würde die Schauspieler kennen und könnte sie backstage mitnehmen.

          Was haben Sie dann getan?

          Die Tochter wollte sich das nicht ausreden lassen. Da haben wir ermittelt, wo er wohnt. Der war so um die 23. Die Eltern schickten ihre Tochter dann zu uns nach Berlin. Und wir sind mit ihr dorthin gefahren, wo ihr vermeintlicher Kontakt zu den Reichen und Schönen wohnte: Marzahn, Plattenbausiedlung. Wir sprachen dort mit den Nachbarn, mit seiner Mutter. Da hat es dem Mädel gedämmert.

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