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Präimplantationsdiagnostik : Die Babymacher aus Belgien

  • -Aktualisiert am

Im Wartesaal: Bis das Wunschkind da ist, kann es dauern Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Eine Klinik in Brüssel zeugt seit 1983 Babys in der Petrischale - und lockt Kunden aus aller Welt an. Auch aus Deutschland. Denn in Belgien ist erlaubt, was hierzulande umstritten ist: Die Präimplantationsdiagnostik. Ein Besuch.

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          Eine Uniklinik ist eine Uniklinik. In Brüssel sieht sie aus wie überall: Ein unspektakulärer roter Backsteinklotz. Innen wuseln Alltagsmenschen über dunkelblauen Teppich. Neonlicht bescheint Hinweistafeln, die durch ein Labyrinth von Gängen und Gebäuden zu weisen versuchen. Wer zum „Centrum voor Reproductieve Geneeskunde“ will, folgt der Farbe Blau in den zweiten Stock.

          Erst dort, im großen Wartesaal, zeigen ein paar Schwarzweiß-Fotografien an den Wänden, worum es hier trotz aller Nüchternheit geht: um Babys. Hierhin, ins Zentrum für Reproduktionsmedizin, kommen Paare, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Kind. Tausende Patienten schleust das Zentrum im Jahr durch seine Behandlungsräume. 4500 Mal künstliche Befruchtung. 4500 Mal Hoffnung, dass es dieses Mal endlich klappt.

          Jede Menge Frauen aller Art

          Nur jede dritte Frau, der hier ein Embryo eingesetzt wird, wird tatsächlich schwanger; jede vierte bringt am Ende das Baby zur Welt. Die sogenannte „Baby Take Home Rate“ liegt je nach Alter der Patientin zwischen 40 und weniger als zehn Prozent. Das ist mehr als anderswo, eine Erfolgsgarantie ist es aber nicht.

          Im Labor: Unter dem Mikroskop kann der Embryo beobachtet werden
          Im Labor: Unter dem Mikroskop kann der Embryo beobachtet werden : Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

          Trotzdem ist der Wartesaal voll. In einer Ecke starrt eine blonde hochgewachsene Frau im Business-Kostüm auf ihre Stiefelspitzen. Ihr gegenüber spricht eine winzige Burka-Trägerin, deren Alter man aufgrund der völligen Verschleierung nicht erraten kann, auf ihre westlich aufgebrezelte Begleiterin ein. Rundherum jede Menge Frauen aller Art - und ein paar Männer, die Händchen halten. Man wartet.

          30 Prozent der Patienten stammen aus dem Ausland

          Die Schilder sind auf Flämisch, Französisch und Englisch; an der Information wechselt man ganz selbstverständlich zwischen den Sprachen. Die Mitarbeiter sind daran gewöhnt, dass ihr Zentrum Ziel Hunderter Paare aus der ganzen Welt ist. 30 Prozent der Patienten stammen aus dem Ausland: Frankreich, Amerika, Niederlande, immer mehr aus den arabischen Ländern, rund 200 pro Jahr aus Deutschland.

          Der Mann, der für diesen Babytourismus gesorgt hat, sitzt wenige Meter vom Wartesaal entfernt in einem schmalen Büro, dessen Wände mit Regalen voller wissenschaftlicher Werke zugestellt sind. Paul Devroey ist ein sanfter Mann mit einer runden Hornbrille - und einer der bekanntesten Reproduktionsmediziner Europas. Sein guter Ruf und seine Kontakte zu Medizinern in aller Welt sorgen für den steten Strom ausländischer Patienten und damit auch für die guten Zahlen.

          Das Geschäft mit dem Kinderwunsch ist profitabel

          16 Millionen Euro Umsatz hat sein Zentrum im vergangenen Jahr gemacht, davon zehn Prozent Gewinn. Nicht enthalten sind darin die Umsätze, die es für andere Abteilungen der Uniklinik generiert, insbesondere für Labor und Anästhesie. Dass das Geschäft mit dem Kinderwunsch profitabel ist, liegt auch daran, dass das belgische Gesundheitssystem die künstliche Befruchtung besonders großzügig entlohnt. Doch auch die Baby-Touristen aus aller Welt, die die Kosten in der Regel selbst tragen, spielen eine wichtige Rolle.

          Devroey weiß, wieso sie sich gerade Brüssel aussuchen. „Die Amerikaner kommen, weil künstliche Befruchtung in Belgien billiger ist als bei ihnen, die Franzosen, weil man hier kürzer warten muss, die Araber, weil in ihren Ländern die Technik nicht so weit ist“, sagt er.

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