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Polygamie : Ehe hoch zwei

  • -Aktualisiert am

„Polyamor” statt polygam - es soll auch um Liebe gehen Bild: AP

Nicht nur Mormonen pflegen Vielweiberei: In Amerika kämpfen Interessengruppen für eine „polyamore“ Lebensweise mit mehreren Partnern. Dabei geht's nicht nur um Sex - sondern um die „wahre Liebe“ zu mehreren Leuten gleichzeitig.

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          Robyn Trask hat derzeit drei Partner: Einer lebt in Hongkong, einer in New York, und einer wohnt seit kurzem bei ihr, in der Nähe von Boulder im amerikanischen Bundesstaat Colorado. Der Mann in Hongkong, den sie vor 22 Jahren auf dem College traf, ist verheiratet. Womöglich ist auch der New Yorker, den die 41 Jahre alte Amerikanerin vor dreieinhalb Jahren kennenlernte, verheiratet.

          Robyn Trask ist sich da „nicht ganz sicher“. Jedenfalls habe er „zahlreiche andere Partnerinnen“. Die Amerikanerin selbst ist auch verheiratet und hat drei Kinder mit ihrem Mann. Allerdings lebt das Ehepaar seit zwei Jahren getrennt. Aber nicht wegen der vielen außerehelichen Partnerschaften. „Als wir vor 17 Jahren heirateten, war uns beiden klar, dass wir nicht monogam leben können“, sagt sie. Robyn Trask ist polyamor. „Polyamory bedeutet, dass man langfristig intime, innige Beziehungen zu mehr als nur einem Menschen hat“, definiert sie und fügt mit Nachdruck hinzu: „Es geht um Liebe, nicht nur um Sex.“

          „Ganz normale Menschen

          Die Zahl der bekennenden polyamoren Amerikaner schätzt Robyn Trask auf ungefähr 20.000. So viele Namen sind in der Datenbank der polyamoren Non-Profit-Organisation „Loving More“ gespeichert; die Vereinigung gibt eine Zeitschrift heraus, deren geschäftsführende Redakteurin Robyn Trask ist. Außerdem betreibt sie das „New Visions Center for Personal Growth and Intuitive Arts“ in Broomfield, Colorado. Da kann man Astrologie- und Tantrakurse belegen, an Workshops mit dem Titel „Erwecke die Göttin in Dir“ teilnehmen oder jeden zweiten Dienstag im Monat zur Selbsthilfegruppe für polyamore Menschen kommen.

          Großfamilie: Der Mormone Tom Green mit seinen fünf Frauen und 25 Kindern
          Großfamilie: Der Mormone Tom Green mit seinen fünf Frauen und 25 Kindern : Bild: AP

          Die Teilnehmer seien „ganz normale Menschen im Alter von 18 bis achtzig“, versichert die Astrologie- und Tantralehrerin: „Es kommen Richter, Ärzte und Computerfachleute.“ Zuweilen nehmen auch Polygamisten aus Mormonen-Gemeinden an den Treffen teil. Der Kontakt zu ihnen sei allerdings begrenzt, sagt die Amerikanerin. „Mormonen scheuen gewöhnlich offene Aussprachen über Sexualität, wie sie bei unseren Zusammenkünften üblich sind.“

          Mehrere Eheparnter findet Robyn Trask ok

          Robyn Trask findet es in Ordnung, wenn ein Mann mehrere Ehefrauen hat, „solange es sich dabei um einverständliche Beziehungen zwischen Erwachsenen handelt“. Die traditionelle Ehe sollte ohnehin abgeschafft und durch ein „partnerschaftliches Vertragsmodell“ für beliebig viele Personen beliebigen Geschlechts ersetzt werden, findet sie. In dem Vertrag könnten finanzielle Angelegenheiten oder Fragen zur Kinderbetreuung geregelt werden.

          „Ich weiß von einer Gruppe homosexueller Männer, die ihr Zusammenleben durch einen derartigen Vertrag geregelt haben“, sagt sie. Doch Robyn Trask will keine Lobbyarbeit zur Abschaffung der Ehe betreiben. „Ich bin keine politische Aktivistin, sondern soziale Aktivistin: Ich informiere interessierte Menschen über partnerschaftliche Optionen. Wenn sie sich dieser Optionen bewusst sind, wird sich langfristig auch die politische Landschaft ändern.“

          Keine unbedeutende Subkultur

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