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Perfekte Eltern als Vorbild? : Genug gerackert, Super-Mutti

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Die Söhne Romeo und Cruz sind überall dabei: Victoria Beckham Bild: AP

Sie kochen gesund, reiben sich auf fürs Kind und sehen dabei noch toll aus: Frauen, deren Perfektionismus anderen Schuldgefühle einjagt. Aber sind sie wirklich ein Vorbild? Geht es nicht vielmehr um das beste Modell für jeden Einzelnen?

          „Ähhöhöhi . . .“ Das Kichern aus dem Kindersitz im Fond des Autos klingt geziert und etwas schrill - untypisch für eine Vierjährige. Es sind die letzten Meter auf der Fahrt zum Kindergarten. Die Mutter dreht sich um: Was war das denn? „So lachen Mütter“, erklärt das Mädchen - abgelauscht hat sie es offenbar jener Runde von Frauen, die sich täglich beim Abholen vor dem Eingang des Kindergartens trifft. Da nämlich - das hat das Kind mitbekommen - wird kurz mal abgerechnet: Welche Mutter eine gute ist und welche eine weniger gute. Und über Letztere wird spitz gelacht.

          Öko-Mama Friederike zum Beispiel steht immer auf der richtigen Seite. Würde man ihre drei Kinder durchleuchten, wäre der Beweis erbracht, dass in diesen kleinen Körpern kein Nanogramm Schadstoff kursiert, weil sie vom ersten Tag ihres Lebens an vorbildlich ernährt wurden. Null Zucker, kein Fertiggericht, nicht einmal Tiefgekühltes wurde jemals diesen süßen Schnäbeln eingeflößt.

          Unsensible Ruck-Zuck-Muttis

          Oder Stephanie, die Überflieger-Mutter. Ihre beiden sind echte Glückspilze: Kein Nachmittag vergeht, an dem ihre Mama sich nicht dem gemeinsamen Erledigen von Hausaufgaben annimmt. Englischvokabeln, Aufsatz üben, der Mathe-Trainer - den Lehrplan von Klasse zwei bis neun nebst Lernzielen und Unterrichtswerken kennt diese Mutter besser als ein Schulrat der Besoldungsstufe A 14. Lehrer fürchten Stephanies Kontrollanrufe, weil sie längst herausgefunden hat, dass die Parallelklasse drei Lektionen weiter ist.

          Madonna mit ihrer Tochter und dem Adoptivsohn

          Anja hingegen, eine Art Amateur-Hausärztin, hat sämtliche Medizin-Ratgeber mit Leuchtstift durchgearbeitet und lässt keine Gelegenheit aus, unsensible Ruck-Zuck-Muttis vor Antibiotika zu warnen. Stattdessen empfiehlt sie Schüssler-Salze, Zwiebelsäckchen oder Homöopathie - außer wenn ein Dreijähriger kurz vor der komatösen Austrocknung steht.

          Ein gesellschaftlich hochangesehenes Ideal

          Manch eine Supermutter bekennt sich zu einem radikalen Umkehrprozess: „Früher dachte ich auch mal, dass man als Mutter weiterhin erwerbstätig sein sollte. Aber unser Sohn Carl-Maurice brauchte meine Anwesenheit mehr, als ich vorher gedacht hatte. Heute ist mir das Glück meiner Familie einfach wichtiger als ein Job“, erzählte Christa Müller, die Frau des Fraktionsvorsitzenden der Linken, Oskar Lafontaine, in einem Gespräch. Schon klar: Jemand, der dafür bezahlt wird, kann sich niemals so gut um ein Kind kümmern wie die leibliche Mutter.

          Bestimmt ist es ein Riesenglück, an der Seite einer solchen Mama ins Leben zu wachsen. So unterschiedlich diese Frauen die Lebensaufgabe Kind bewältigen, eines ist ihnen gemein: Die Angewohnheit, die eigene Vortrefflichkeit allen anderen Müttern vorzuhalten, unterfüttert durch die angenehme Gewissheit, einem gesellschaftlich hochangesehenen Ideal zu genügen.

          Unterstützung erfahren sie durch Stars und Halbprominente, die der Öffentlichkeit ihren gelungenen Nachwuchs vorführen - in der Absicht, damit weit über den beruflichen Erfolg hinaus emotionale Reife unter Beweis zu stellen. Als Erste hat Madonna den Imagemehrwert einer Kinderschar erkannt und konsequent genutzt. Fotos aus jüngerer Zeit zeigen auch Angelina Jolie selten mit weniger als einem Kind auf jedem Arm. Und Victoria Beckham teilt ihr Hobby Shoppen gern mit ihren Söhnen Brooklyn und Cruz.

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