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Paartag statt Muttertag? : „Väter legen zu Hause ja nicht die Füße hoch“

  • Aktualisiert am

Wenn Paare frühzeitig Verantwortlichkeiten aufteilen, dann kann man sich auch den Muttertag sparen. Oder nicht? Bild: Dieter Rüchel

Mütter brauchen zum Muttertag mehr als Blumen. Sie brauchen Männer, die ihnen zur Hand gehen. Was daran so schwer ist, erklärt Volker Baisch, Unternehmensberater und Vater-Experte.

          4 Min.

          Herr Baisch, wollen Sie den Muttertag abschaffen?

          Nein. Ich würde mir aber eher einen Paartag wünschen, weil es immer wichtiger wird, dass Mütter und Väter etwas füreinander tun. Glückliche Paare sind die beste Grundlage, damit Kinder glücklich heranwachsen.

          Sie sagen bewusst „Paar-“ und nicht „Elterntag“?

          Sonst wird so schnell ein Familientag draus. Mir geht es aber darum, dass Eltern sich von Anfang an auf ihre Partnerschaft besinnen. Wir wissen alle, wie hoch die Scheidungsraten sind.

          Sonst klagen Sie immer, in der Debatte um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kämen die Väter zu kurz.

          Das ist auch so. Familienfreundlichkeit ist nicht gleich Väterfreundlichkeit. Viele Männer fühlen sich mit ihren Wünschen überhaupt nicht wahrgenommen. Dabei würden davon gerade die Frauen extrem profitieren.

          Inwiefern?

          Sobald der Mann seine Stundenzahl reduziert und sich mehr um die Kinder kümmert, kann seine Partnerin den nächsten Karriereschritt gehen oder sogar eine Führungsrolle einnehmen.

          Ein guter Vater, finden heute vier von fünf Vätern laut Umfragen, verbringt möglichst viel Zeit mit seinen Kindern. Haben sich die Männer verändert? Oder haben wir Frauen lange genug Druck gemacht?

          Natürlich profitieren wir neuen Väter von der Frauenbewegung, die dazu geführt hat, dass Mütter wieder schneller in den Beruf einsteigen und ihre Wünsche durchkämpfen. Aber es gibt auch ein starkes eigenes Bedürfnis der Männer, vielleicht aus einer Sehnsucht heraus. Viele wollen sich so engagieren, weil sie selbst Väter hatten, die sich nicht kümmern konnten.

          Sobald verhandelt wird, wer beruflich kürzertritt, kneifen die Kerle aber.

          Das würde ich nicht unterschreiben, auch da sind wir gerade in einem Wandel.

          Ich kenne viele Väter, die bei der Teilzeitfrage eisern beharren: „In meinem Job geht das nicht.“

          Wir veröffentlichen demnächst eine neue Umfrage zu diesem Thema. Was ich jetzt schon sagen kann: Die Bereitschaft von Vätern ist da. Die Bereitschaft, sowohl die Frauen zu unterstützen als auch auszusteigen, um mehr Zeit zu haben, ist extrem groß. Aber um das einzufordern, braucht es nach wie vor Mut. Und Vorbilder. Zwei Drittel aller Väter in Deutschland haben überhaupt kein persönliches Vorbild für ihre Vaterschaft. Da haben Frauen einen Vorsprung. Wir brauchen mehr Väter in den Unternehmen, die ihrem Vorgesetzten sagen: „So. Ich gehe heute um 14 Uhr, weil ich meine Tochter zu dem Arzttermin begleiten möchte oder mit ihr schwimmen gehe.“ Das ist immer noch die Ausnahme.

          Hat Facebookmanagerin Sheryl Sandberg also recht: Die wichtigste Karriereentscheidung einer Frau ist die Partnerwahl?

          Es liegt nicht unbedingt an den Männern, sondern an konservativen Strukturen in den Unternehmen. Für männliche Führungskräfte und Personalverantwortliche bedeutet Karriere nach wie vor Vollzeit. Davon müssen wir weg: Warum ist Karriere nicht auch in Teilzeit möglich? Mit zwei HomeOffice-Tagen? Wenn wir mal aussteigen? Diese Punkte sind extrem wichtig - und zwar nicht nur für Väter, sondern auch für Mütter.

          Sie meinen, Druck an dieser Stelle von den Vätern bringt den Frauen mehr als jeder Blumenstrauß zum Muttertag?

          Ich sage immer, Väterpolitik ist eigentlich die beste Familienpolitik.

          Volker Baisch
          Volker Baisch : Bild: privat

          Bisher haben Paare vor der Geburt ihres ersten Kindes meist sehr gleichberechtigte Vorstellungen. Kaum ist das Baby da, geht die Schere auseinander.

          Der Rückfall in klassische Rollenmuster ist eine große Gefahr: Der Mann darf zwei Monate aussteigen, arbeitet dann aber bitte wieder Vollzeit. Und die Mutter, na ja, Gott, die macht halt zwanzig Stunden. Vor dieser Herausforderung stehen wir, das muss bei den Paaren ankommen, möglichst vor der Geburt. Da nämlich wird am Küchentisch ausgehandelt, wie die Elternzeit aufgeteilt wird. Deshalb ist dieses „Elterngeld Plus“ so interessant, weil es dazu führen könnte, dass Väter länger aussteigen und eine größere Flexibilität entsteht, wie man die ersten Monate und Jahre miteinander gestaltet.

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