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Madonna lässt sich scheiden : Ich Rocco, du Turnhalle

Die Scheidung Madonnas von Guy Ritchie könnte die teuerste Trennung in der britischen Rechtsgeschichte werden. Bild: dpa

Wer von beiden will sich eigentlich trennen? Boulevardzeitungen überschlagen sich mit Spekulationen, wer das Ende zu verantworten hat. Die „Sun“ schreibt, Ritchie habe sich von Madonna durchfüttern lassen.

          Alles hat ein Ende – nun auch die Ehe von Madonna und Guy Ritchie. Das große Schachern beginnt. Schon heißt es, die Scheidung könnte mit bis zu 75 Millionen Pfund (96 Millionen Euro) für den Star die teuerste Trennung der britischen Rechtsgeschichte werden. Denn es gibt einiges zu verteilen zwischen der Diva und dem Filmregisseur: Häuser, Wohnungen, Ländereien, außerdem ein stattliches Vermögen von angeblich rund 300 Millionen Pfund, von dem Madonna das meiste gehört. Sie verdient schon seit mehr als 25 Jahren Millionen im Musikbusiness – während Ritchie mit seinen Filmen eher mittelmäßig berühmt geworden ist.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Madonna ist so gut im Geschäft – nicht einmal ihre Tournee „Sticky and Sweet“ unterbricht sie nun. Eigentlich kommt die Scheidung ungelegen. Doch die schlechten Nachrichten ließen sich nicht mehr zurückhalten, nachdem die britische Boulevardzeitung „Sun“ am Mittwoch in einer „Welt-Exklusiv-Story“ über das Aus der Ehe berichtete. Wenigstens scheinen noch die Pressesprecher der beiden Parteien miteinander zu kommunizieren: Eine außergerichtliche Einigung habe das Paar noch nicht erreicht, verkündete Madonnas Sprecherin gemeinsam mit Ritchies Vertreterin zum drohenden Fiasko.

          „Er liebt mich nicht und kam immer zu spät nach Hause“

          Die Abwicklung der fast acht turbulenten Ehejahre wird wohl noch etwas dauern. Der Londoner Scheidungsanwalt Jeremy Abraham hob hervor, eine solche Trennung sei nicht auf die Schnelle zu haben. Scheidungen seien zwar nach britischem Recht einfach, sagte er dem Nachrichtensender CNN. Allerdings nur dann, wenn einer der beiden einen Seitensprung zugebe oder zumindest „unvernünftiges Verhalten“, so nach dem Motto: „Er liebt mich nicht und kam immer zu spät nach Hause“. Das hätte den unschlagbaren Vorteil, dass die Sache ohne gerichtliche Anhörung über die Bühne gehen könnte. Aber so oder so erwartet Abraham, dass das Verfahren frühestens im Februar abgeschlossen sein wird.

          Gehen bald getrennte Wege: Madonna und ihr Noch-Ehemann Guy Ritchie

          Dabei könnte der 50 Jahre alten Madonna zum Verhängnis werden, dass sie sich einst im Überschwang dafür entschied, zu ihrem zehn Jahre jüngeren britischen Ehemann nach England zu ziehen. Denn die Scheidungsangelegenheit „Madonna gegen Ritchie“ wird aller Voraussicht nach vor englischen Gerichten ausgetragen, und die haben sich in letzter Zeit sehr großzügig mit Ehemännern gezeigt, die Geld von ihren reicheren Ehefrauen verlangten. Madonna könnte deshalb versuchen, ein Scheidungsverfahren vor den heimischen Gerichten in den Vereinigten Staaten durchzusetzen. Doch das wird nicht einfach, dem Popstar wird es wohl wie vielen binationalen Ehepaaren ergehen, die sich nicht nur um die Unterhaltspflichten, sondern auch um den günstigeren Gerichtsstand streiten: Nach internationalem Privatrecht gilt in solchen Fällen meist das Recht des Landes, in dem das Paar seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Trotz mehrerer Häuser in den Vereinigten Staaten ist das wohl Großbritannien.

          Was soll Ritchie mit der Turnhalle anfangen?

          Der Scheidungsanwalt Alan Kaufman von der Londoner Kanzlei Finers Stephens Innocent macht der Musikerin dagegen Mut: Seiner Ansicht nach muss Madonna nicht auf einen substantiellen Teil ihres Vermögens verzichten. „Sie könnte argumentieren, dass sie einen großen Teil ihres Reichtums schon angehäuft hatte, bevor sie sich getroffen haben.“ Und dieser Reichtum ist in der Tat beachtlich: In London lebt die Familie in einem Haus in der Nähe der Oxford Street. Wert: sieben Millionen Pfund. Erst im vergangenen Jahr hat die Yoga-Fanatikerin Madonna für sechs Millionen Pfund das Haus nebenan gekauft und angeblich zu einer Turnhalle umfunktioniert. Außerdem gibt es noch Besitz in Los Angeles und Manhattan. Am einfachsten wäre es gewiss, die Immobilien nach Ländergrenzen aufzuteilen – immerhin soll Madonna schon seit einiger Zeit gequengelt haben, sie wolle wieder mehr Zeit in den Vereinigten Staaten verbringen. Für Guy Ritchie brächte das nicht nur Vorteile mit sich: Er kann wahrscheinlich herzlich wenig mit der Turnhalle anfangen.

          Kinder machen Scheidungen noch komplizierter – besonders dann, wenn es sich, wie bei den Ritchies, um eine „Patch-work“-Familie handelt: Die älteste Tochter Lourdes Maria Ciccone Leon (zwölf Jahre) hat Madonna mit in die Ehe gebracht, ihr Vater ist Madonnas ehemaliger Fitnesstrainer Carlos Leon. Ritchie selbst ist der Vater des acht Jahre alten Rocco. Den dreijährigen David hat das Paar vor zwei Jahren aus Malawi adoptiert.

          Wer wollte sich trennen?

          Die Boulevardzeitungen überschlagen sich mit Spekulationen, wer von den beiden das Ende zu verantworten hat. Die „Sun“ schreibt, die Trennung sei von Madonna ausgegangen. Ritchie habe sich von ihr durchfüttern lassen, wolle nicht mehr Zeit in New York verbringen, habe sie nicht bei ihren Plänen für eine weitere Adoption unterstützt und sich über Madonnas Kabbala-Anhänglichkeit mokiert, soll Madonna gemeckert haben. Dagegen vermutet der „Daily Mirror“ Ritchie als treibende Kraft hinter der Trennung.

          Nur in einem Punkt scheinen alle Quellen übereinzustimmen: Madonna wird offenbar alles daransetzen, sich mit ihrem künftigen ehemaligen Mann außergerichtlich zu einigen. So wird sogar gemunkelt, dass die Perfektionistin bereits einen ausformulierten Vorschlag in der Schublade vorrätig hält. Schließlich will wohl keiner der Beteiligten eine Neuauflage der elend langen Schlammschlacht zwischen Sir Paul McCartney und dem ehemaligen Model Heather Mills, die nach vier Jahren Ehe immerhin 24 Millionen Pfund kassierte. Gemessen daran müsste Ritchie in der Tat mindestens das Doppelte bekommen. Immerhin hat er es auch doppelt so lange in der Ehe mit Madonna ausgehalten.

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