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Kuckuckskinder : „Gefühlt ist er mein Sohn“

  • Aktualisiert am

Bild: Patricia Oettel

Erst war da die Freude, dann kam das Misstrauen. Denn er fand nur wenige Gemeinsamkeiten zwischen sich und seinem Sohn. Es dauerte Jahre, bis er Gewissheit hatte: Sein Kind ist ein Kuckuckskind. Ein Vater berichtet.

          Es war Liebe auf den ersten Blick, zumindest von meiner Seite aus. Kennengelernt haben wir uns vor acht Jahren, ich war damals 28, sie 25. Sechs Wochen später habe ich ihr einen Heiratsantrag gemacht, nach vier weiteren Monaten war sie schwanger, und sieben Monate nach dem Antrag haben wir geheiratet. Heute weiß ich, dass ihre Aufenthaltserlaubnis kurz nach der Hochzeit ausgelaufen wäre. Sie ist Russin und studierte damals in Deutschland. Ich war es, der voller Freude bemerkte, dass sie schwanger war. Sie wollte bis zu diesem Zeitpunkt nichts davon gewusst haben. Kurz darauf erklärte sie mir, sie habe Gebärmutterhalskrebs und müsse operiert werden. Das Kind werde dabei sterben. Diese Diagnose erwies sich als falsch, so konnte das Kind weiterleben. Vier Wochen später kam die nächste Hiobsbotschaft: Das Kind habe ein Down-Syndrom, sie müsse abtreiben. Ich sorgte dafür, dass sie einen zweiten Arzt konsultierte, der die Wahrscheinlichkeit eines Down-Syndroms als nur leicht erhöht ansah. So stimmte sie zu, das Kind zu behalten, das im Mai 2004 zur Welt kam.

          Als Johannes (Name geändert) ein gutes Jahr alt war, brach sie eines Abends, nachdem wir miteinander geschlafen hatten, in Tränen aus und erklärte mir, für mich völlig unerwartet, sie liebe mich nicht mehr und wolle sich von mir trennen, was sie dann auch tat. Um den Stress für Johannes so gering wie möglich zu halten und auch, weil ich sie liebte, richtete ich ihr eine schöne eigene Wohnung ein und zahlte auch die Miete. Ihre Bankkarten konnte sie behalten und frei über mein Geld verfügen. Ich war damals selbständig und verdiente gut.

          Doch dann kam ich dahinter, dass sie mit meinem Trauzeugen liiert war. Nachdem ich durch Zufall mitbekommen hatte, dass sie diesem Mann Geld schenkte, sperrte ich mein Konto für sie. Stattdessen überwies ich ihr monatlich Geld. Daraufhin ließ sie mich Johannes vier Wochen lang nicht mehr sehen. So lange, bis wir mit Hilfe des Jugendamtes eine Umgangsregelung getroffen hatten. Dieser Betrug war für mich beruflich der Anfang vom Ende, denn ich hatte keine Energie mehr, neue Kunden zu gewinnen. Und zum ersten Mal stellte ich mir die Frage, ob ich wirklich Johannes' Vater sei.

          Die ersten Zeichen

          Wir kamen dann drei Monate später noch mal zusammen, aber die Beziehung hielt nicht lange, weil sie mich abermals betrog. Immer häufiger musste ich nun darüber nachdenken, ob sie mich nicht schon bei Johannes' Zeugung hintergangen hatte. Ich fühlte mich schuldig wegen dieser Gedanken, fand sie Johannes gegenüber unfair. Dennoch hielten sie sich hartnäckig. Denn ich fand nur wenige Gemeinsamkeiten zwischen mir und meinem Sohn, aber viele Unterschiede. Am befremdlichsten fand ich seine Segelohren, die er weder von seiner Mutter noch von mir haben konnte.

          Vor vier Jahren zog sie dann zu ihrem neuen Freund - 360 Kilometer weit weg. Obwohl wir das gemeinsame Sorgerecht haben. Mit meiner Firma ging es danach immer weiter bergab, und so musste ich Ende 2009 die Unterhaltszahlungen reduzieren. Im Gegenzug reduzierte meine Ex meinen Umgang mit Johannes. Er konnte nur noch selten ans Telefon kommen, ihr Skype war angeblich kaputt, und eines Tages wollte sie ihn nicht herausgeben, als ich ihn abholen wollte. Da es für mich sehr teuer war, ihn regelmäßig abzuholen und zurückzubringen, überlegte ich, meine Firma aufzugeben und in Johannes' Nähe zu ziehen. Es schien mir die einzige Möglichkeit, ihn weiterhin regelmäßig sehen zu können. Bevor ich diesen Schritt tun würde, wollte ich allerdings noch eines tun: mir Gewissheit verschaffen, dass er wirklich mein Sohn ist.

          Johannes fand es lustig

          Am Telefon erzählte ich ihr von meinem Plan, sie reagierte recht gefasst: „Ich verstehe dich zwar nicht, aber wenn du meinst.“ Also brachte ich bei meinem nächsten Besuch das Formular mit, mit dem sie ihre Zustimmung zu dem Test geben musste. Als sie dessen gewahr wurde, schrie sie mich an: „Wie kannst du mir das antun!“ Dann prügelte sie auf mich ein, immer auf die Brust. Ich sagte: „Hör auf, sonst gibt es ein Echo!“ Da hat sie unterschrieben.

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