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Kinder im Netz : Die Wendung mit der Maus

  • -Aktualisiert am

Gebannt oder überfordert? Kinder am Computer Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

In den Kinderzimmern wächst eine Generation „digitaler Eingeborener“ heran – Eltern stehen dem wachsenden Drang ihrer Kinder ins Internet meist jedoch unsicher gegenüber. Wie viel Surfen ist gesund? Oder schadet der Computer meinem Sprössling? Eine Handreichung.

          Ihr Schlüsselerlebnis liegt schon ein paar Jahre zurück, aber Nina hat es nicht vergessen. Moritz, ihr Ältester, besuchte die fünfte Klasse. Das Thema der Hausaufgabe lautete: Asien. Wie üblich saß die Mutter neben dem damals elf Jahre alten Jungen, und gemeinsam sammelten sie Fakten im Internet ein. Das Titelbild des Referats sollte typisch asiatisch gestaltet werden - wie wäre es mit einer Lotusblume?, schlug sie vor. Sekunden später öffneten sich unter dem Schlagwort Websites pornographischen Inhalts. „Da ist mir zum ersten Mal die Dimension der Gefahren deutlich geworden, denen Kinder im Netz ausgesetzt sind“, erinnert sich Nina. „Und dabei habe ich ja noch danebengesessen . . .“

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Keiner hat gesagt, dass es einfach wäre. Da wächst in den Kinderzimmern eine Generation von Jungen und Mädchen heran, die als „digitale Eingeborene“ bezeichnet werden, weil der Computer in ihrer Welt so selbstverständlich ist. Da gibt es Vierjährige, die selbständig Papas Rechner anschalten und sich ins W-Lan einwählen, um sich durch den Internetauftritt der Sendung mit der Maus zu navigieren. Gleichzeitig existieren wenige Erziehungsfelder, auf denen selbstbewusste, souveräne Mütter so regelmäßig ratlos sind. „Ich fühle mich zwiespältig“, sagt eine Politikwissenschaftlerin aus Potsdam, deren Söhne - neun und zwölf Jahre alt - so viel öfter und lieber an den Bildschirm wollen, als ihr geheuer ist. „Ich bin nicht mit Computern aufgewachsen. Und das mit dem Internet finde ich total gefährlich. Aber manchmal frage ich mich auch: Halte ich meinen Kindern einen Entwicklungsschritt vor?“

          Für die Eltern die „Kammer des Schreckens“

          Sex, drugs and Rock 'n' Roll war gestern, keine Herausforderung mehr für aufgeklärte Eltern von heute. Aber ein Chat? Ballerspiele? Die unüberschaubaren Weiten des Netzes? Entzündet sich am Computer der Generationenkonflikt der Gegenwart? Die Unsicherheit ist größer, als Fachleute für nötig halten. „Viele Schüler können gar nicht so gut mit dem Internet umgehen, wie wir immer dachten, während Erwachsene kompetenter sind, als in der Öffentlichkeit diskutiert wird“, sagt der Medienpädagoge Stefan Aufenanger, was letztlich heißen soll: nur Mut. Mit ein bisschen Zeit, Augenmaß und einer Handvoll Grundsatztipps zum Einstieg ist der Umgang mit den neuen Medien auch nicht schwieriger als Erziehung sonst auch - ein Balanceakt, bei dem jede Familie zwischen Verbot und Laissez-faire ihren persönlichen Stil finden muss.

          „Kammer des Schreckens“ nennen die Eltern das drei Quadratmeter große Kabuff unter dem Dach. Dort wartet der Kinder-Computer, der alte, vom Vater ausrangierte Rechner. Ikea-Sessel davor, Regal mit CDs hinter der Tür. Es ist der Ort, den die Geschwister automatisch aufsuchen, kaum sind mittags die Schulrucksäcke in die Ecke geflogen. Um den Platz auf dem Sessel tobt tagtäglich ein subtiler Verdrängungskampf. Die Regel für den 13 Jahre alten Moritz, die elf Jahre alte Josephine und den neun Jahre alten Kaspar lautet einheitlich: Eine Stunde Medienkonsum am Tag ist gestattet, Fernsehen inklusive. Jedem der drei hat der technikaffine Vater ein eigenes Benutzerprofil eingerichtet, mit E-Mail-Adresse und MSN-Messenger. Der Jüngste nutzt altersgemäße Suchmaschinen wie „Hamsterkiste“, die Schwester tauscht sich im Netz mit Freundinnen aus („Morgen Klassenarbeit - würg“), der Große lenkt sich ab beim Spiel oder guckt schräge Clips auf Youtube an.

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