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Jugendämter : Inobhutnahmen erreichen 2012 neuen Höchststand

Immer häufiger werden Kinder in die Obhut von Jugendämtern gegeben. Oft sind die Eltern überfordert, in anderen Fällen sind Beziehungsprobleme die Ursache.

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          Die Zahl der sogenannten Inobhutnahmen ist 2012 in Deutschland auf einen neuen Höchststand gestiegen. Im vergangenen Jahr nahmen die Jugendämter erstmals mehr als 40000 Kinder und Jugendliche in Obhut, da sich die Minderjährigen in einer sie akut gefährdenden Situation befanden. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte, stieg die Zahl innerhalb eines Jahrs um fünf Prozent (1746) von 38481 auf 40227. Noch vor wenigen Jahren lag die Zahl unter 30000. Gegenüber 2007 (28192) ist sie damit um 43 Prozent gestiegen. Während 2007 aber noch wesentlich mehr Mädchen (15442) als Jungen (12750) in Obhut genommen wurden, waren es im vergangenen Jahr nahezu gleich viele Mädchen (20062) und Jungen (20165). Jedes vierte Kind hatte keine deutsche Staatsangehörigkeit.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Gut zwei Drittel (27761) der in Obhut Genommenen lebte zuvor bei den Eltern oder bei einem Elternteil. Knapp 40 Prozent kehrten nach der Inobhutnahme wieder zu den Sorgeberechtigten zurück. Für jeden dritten Minderjährigen schloss sich an die Inobhutnahme eine Hilfe zur Erziehung an, in drei von vier Fällen bedeutete das eine Erziehung außerhalb des eigenen Elternhauses, zum Beispiel in einer Pflegefamilie oder in einem Heim. In 5295 Fällen waren sonstige stationäre Hilfen notwendig, etwa in einem Krankenhaus oder einer psychiatrischen Klinik.

          Häufigster Grund für die Maßnahme (17289) war die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils, vor Beziehungsproblemen (6717) und Vernachlässigung (4774). Stark zugenommen hat die Zahl der Minderjährigen, die ohne Begleitung über die Grenze nach Deutschland gekommen sind: Mit 4767 reisten 2012 fünf Mal mehr Kinder und Jugendliche unbegleitet in Deutschland ein als 2007. An fünfter Stelle der Gründe für eine Inobhutnahme standen Anzeichen für Misshandlung (3769). Fast 10000 Kinder und Jugendliche wurden auf eigenen Wunsch in Obhut genommen, in gut 6000 Fällen wurde sie von Polizei oder Ordnungsbehörde angeregt.

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