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Homeschooler : Amerika gewährt deutscher Familie Asyl

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Hannelore Romeike mit ihrer Tochter Damaris Bild: dpa

In den Vereinigten Staaten hat ein deutsches Paar, das mit seinen Kindern wegen der allgemeinen Schulpflicht in Deutschland dorthin geflohen ist, politisches Asyl erhalten. Der Richter argumentierte, die Familie habe „eine gut begründete Furcht vor Verfolgung“.

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          In den Vereinigten Staaten hat ein deutsches Paar, das mit seinen Kindern wegen der allgemeinen Schulpflicht in Deutschland dorthin geflohen ist, politisches Asyl erhalten. Die Entscheidung eines Einwanderungsrichters wurde am Dienstag in Memphis bekanntgegeben. Damit können Uwe und Hannelore Romeike und ihre fünf Kinder in Morristown (Tennessee) bleiben, wo sie seit 2008 leben. Sie unterrichten ihre Kinder zu Hause. Die Romeikes, die sich als evangelikale Christen verstehen, vertreten die Ansicht, dass das deutsche Curriculum gegen christliche Werte verstößt. Ihren Asylantrag begründeten sie damit, dass sie wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt würden.

          Die amerikanische „Home School Legal Defense Association“ (HSLDA) zitiert auf ihrer Homepage die Entscheidung, die der Richter Lawrence Burman nach einer Anhörung gefällt habe: „Menschen, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen, sind eine besondere soziale Gruppe, die die deutsche Regierung zu unterdrücken versucht. Diese Familie hat eine gut begründete Furcht vor Verfolgung. (...) Deswegen steht ihr Asyl zu, und das Gericht wird ihr Asyl gewähren.“ Weiter sagte der Richter: „Hier wird ein grundlegendes Menschenrecht verletzt, kein Land der Welt hat dazu das Recht. (...) Die deutsche Regierung bezeichnet Homeschooler als Mitglieder einer Parallelgesellschaft und versucht sie auszumerzen. Das ist verrückt und dumm und widerspicht all dem, was wir Amerikaner glauben. (...) Dieses Urteil ist beschämend für Deutschland. Wir hoffen, es wird Deutschland davon abhalten, Heimschüler weiter zu verfolgen.“

          Homeschooler sind überdurchschnittlich erfolgreich

          Ein Vertreter der HSLDA, Mike Donnelly, widersprach der Einschätzung Deutschlands, bei Homeschoolern handele es sich um Mitglieder einer Parallelgesellschaft. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge seien Homeschooler in allen akademischen und sozialen Bereichen überdurchschnittlich erfolgreich. Er warf deutschen Gerichten vor, sie ignorierten schlichtweg, dass es Homeschooler überall auf der Welt gebe.

          In Amerika bekamen sie nun Asyl

          In Deutschland ist es Familien, die aus beruflichen Gründen ständig unterwegs sein müssen (etwa Schaustellern, Musikern und Zirkuskünstlern) erlaubt, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Familien, die dies aus Gewissensgründen tun möchten, ist es indessen verboten. Ihnen kann im schlimmsten Fall sogar das Sorgerecht entzogen werden. Donnelly nannte diese Regelung „lächerlich“. Er sagte: „Der deutsche Staat versucht, ideologische Uniformität herzustellen in einer Weise, die beängstigend ist, wenn man an die Vergangenheit denkt.“

          „Unchristliches Treiben“ an deutschen Schulen

          Uwe Romeike, selbst Musiklehrer, hatte die drei ältesten seiner fünf Kinder im September 2006 aus der Grundschule genommen und damit gegen die deutsche Schulpflicht verstoßen. In früheren Berichten hatte der Familienvater gesagt, er wolle seinen Kindern das „unchristliche Treiben“ an deutschen Schulen nicht mehr zumuten. Die Familie stammt aus Bissingen an der Teck in der Nähe von Stuttgart. Romeike sagte amerikanischen Medien nun, er sei sehr glücklich über dieses Urteil. Seine Familie schätze die Freiheit in den Vereinigten Staaten und wolle sich in Tennessee ein neues Leben aufbauen. „Viele Menschen, vor allem andere deutsche Heimschüler, haben für uns gebetet. Diese Gebete wurden nun erhört.“

          Ein anderer Familienvater aus Deutschland, Jürgen Dudek, war Ende letzten Jahres zu 90 Tagen Gefängnis verurteilt worden, weil er und seine Frau ihre Kinder zu Hause unterrichten. Die Strafe war anschließend in eine moderate Geldstrafe umgewandelt worden.

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