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Glücksstudie : Hamburger vorn, Thüringer hinten

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Die Deutschen sind so glücklich wie lange nicht Bild: dpa

Liebe, Geld, Gesundheit oder ein schönes Zuhause: Eine neue Studie zeigt, was die Deutschen glücklich macht und wo die zufriedensten Bundesbürger leben.

          4 Min.

          Die Deutschen sind nach einer Studie mit ihrer Lebenssituation so glücklich wie lange nicht mehr. Experten haben die Untersuchung am Dienstag in Berlin vorgestellt. Die glücklichsten Deutschen leben demnach in Hamburg - am wenigsten zufrieden sind die Menschen in Thüringen. Insgesamt hole der Osten aber in Sachen Glücksgefühl immer weiter auf, hieß es. Der Abstand zu Westdeutschland betrage derzeit nur noch 0,3 Punkte - nach der Wende waren es noch 1,3. „Die Deutschen sind heute so zufrieden wie in den letzten zehn Jahren nicht mehr“, sagte Studienleiter Bernd Raffelhüschen. Die Untersuchung basiert unter anderem auf einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach.

          Das Glücksranking der Regionen variiert allerdings stark. Obwohl der Süden in punkto Einkommen und Wirtschaftskraft dem Norden überlegen ist, liegt der Norden bei der Lebenszufriedenheit an der Spitze. Hamburg ist mit 7,38 Punkten die glücklichste Region Deutschlands, gefolgt von Niedersachsen/Nordsee (7,14), Bayern-Süd (7,10), Franken (7,09), Schleswig-Holstein (7,04), Baden (7,01), Niedersachsen/Hannover (6,99), Württemberg (6,94), Nordrhein/Köln (6,94), Rheinland/Pfalz-Saarland (6,91), Nordrhein/Düsseldorf (6,90), Westfalen (6,87), Sachsen (6,79), Hessen (6,77), Berlin (6,68), Sachsen-Anhalt (6,57), Mecklenburg-Vorpommern (6,56), Brandenburg (6,56) und Thüringen (6,45).

          Der Spitzenplatz Hamburgs erklärt sich der Studie zufolge zwar auch durch das mit Abstand höchste Pro-Kopf-Einkommen, aber die Hanseaten sind darüber hinaus überdurchschnittlich gesund, haben eine gute Altersstruktur und leiden weniger unter Stress als etwa die Württemberger. Dagegen schlagen sich in Thüringen die hohe Arbeitslosigkeit und die schlechte Einkommenslage deutlich in der Lebenszufriedenheit nieder. Unter dem Bundesdurchschnitt liegen die Thüringer auch bei sozialen Kontakten und bei kulturellen und sportlichen Aktivitäten. Der Osten holt jedoch auf. Die Zuwächse bei den Zufriedenheitswerten sind dort seit 2005 deutlich größer als im Westen: Insbesondere Sachsen hat den Anschluss an den Westen gefunden und Hessen knapp überholt.

          Die Studie beantwortet auch die Frage, was uns glücklich macht. Dies ist abhängig von Persönlichkeitsmerkmalen, Alter und Geschlecht. So sind Männer und Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr am glücklichsten. Am unzufriedensten sind die Deutschen im mittleren Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Ab 60 wird das Niveau von 30-Jährigen wieder erreicht. Die unzufriedensten Ruheständler leben in Thüringen. Allerdings ist der Ost-West Unterschied in der Lebenszufriedenheit bei den Jungen unter 30 Jahren bereits weitgehend verschwunden.

          Kinder machen nicht besonders glücklich

          Frauen sind etwas glücklicher als Männer, der Abstand beträgt bis zum Alter von 65 Jahren 0,16 Punkte. Ab einem Alter von 60 Jahren sind die Männer zufriedener. Frauen sind vor allem in den neuen Bundesländern glücklicher als Männer. Ferner erhöht eine intakte Partnerschaft die Zufriedenheit der Frauen um 0,4 Punkte, die der Männer um 0,5 Punkte. Heirat, Scheidung und Tod des Partners bringen gravierende Einschnitte für das Zufriedenheitsniveau. Besonders glücklich sind Verwitwete, wenn sie einen neuen Partner gefunden haben. Am unzufriedensten sind geschiedene Personen, die keinen neuen Partner haben. Kinder haben keine messbaren Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit der Eltern. Die Sorgen und Aufwendungen für Kinder scheinen die Glückserlebnisse durch Kinder zu neutralisieren. Freunde und soziale Kontakte spielen eine große Rolle für die Zufriedenheit. Wer sich wöchentlich mit Freunden trifft, ist um mehr als 0,2 Prozentpunkte zufriedener als jemand mit schwachen sozialen Bindungen.

          Gesundheit und Glück hängen eng zusammen: Wer seine Gesundheit als gut bezeichnet, ist um 0,4 Punkte zufriedener als eine Person mit nur „zufriedenstellender“ Gesundheit. Personen mit sehr guter Gesundheit liegen sogar um 0,7 Punkte darüber. Sport ist ein Glücksfaktor, auch unabhängig von den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit. Er schlägt, wöchentlich betrieben, mit 0,11 Punkten zu Buche.

          Geld ist hilfreich beim Wohlfühlen

          Zunächst bestätigt der Glücksatlas 2011 Erkenntnisse der internationalen Glücksforschung, dass ein höheres Einkommen auch eine höhere Lebenszufriedenheit bewirkt. Wer sein monatliches Einkommen um 250 Euro steigert, wird ausgehend von einem Nettoeinkommen von 1500 Euro um 0,05 Punkte glücklicher. Ein Gewöhnungseffekt tritt erst bei Nettoeinkommen von über 5000 Euro auf. Entscheidend ist auch der Statusvergleich mit dem Einkommen der Arbeitskollegen oder Nachbarn. Große Ungleichheit senkt die allgemeine Lebenszufriedenheit.

          Der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts hat nur einen indirekten Einfluss auf die Lebenszufriedenheit der Deutschen. Das konjunkturelle Auf und Ab wirkt sich aus: Eine Rezession senkt das Glücksniveau, ein Aufschwung hebt es, vor allem, wenn sich dabei die Beschäftigungslage verbessert. Ein höheres Konsumniveau hebt die Zufriedenheit jedoch nur kurzfristig, weil sich die Menschen daran gewöhnen und auf das frühere Glücksniveau zurückfallen.

          Die meisten sind mit ihrer Arbeitsbelastung zufrieden

          Ein besonderer persönlicher Glückshemmer ist Arbeitslosigkeit. Auch für die allgemeine Lebenszufriedenheit ist die Erwerbstätigkeit wichtig: Die gegenwärtig gute Lage am Arbeitsmarkt trägt erheblich dazu bei, dass die Lebenszufriedenheit von 6,8 in 2009 auf 7,0 in 2011 gestiegen ist. Arbeit hat für die Deutschen einen sehr hohen Stellenwert: 90 Prozent der Berufstätigen ist ihr Beruf sehr oder ziemlich wichtig. 57 Prozent der berufstätigen Männer wie Frauen bemühen sich bei ihrer Arbeit, immer ihr Bestes zu geben, lediglich zwölf Prozent arbeiten nur, um Geld zu verdienen. Wer mit seiner Arbeit ausgesprochen zufrieden ist, weist auch eine überdurchschnittliche Lebenszufriedenheit auf. Die Lebenszufriedenheit von Arbeitslosen liegt hingegen mit 4,7 Punkten (auf einer Skala 0 bis 10) aktuell weit unter der von Erwerbstätigen mit 7,1. Besonders schwer wiegt für Arbeitslose die Unsicherheit über die eigene Zukunft und die Verschlechterung ihrer materiellen Situation.

          Die Umfrage zeigt, dass 49 Prozent der Berufstätigen ihre Arbeitsbelastung als „genau richtig“ einschätzen. Nur 3 Prozent halten sich für stark überfordert, 25 Prozent für „zum Teil überfordert“. Ausschlaggebend für eine hohe Arbeitszufriedenheit sind in hohem Maße immaterielle Faktoren wie die Anerkennung der eigenen Leistung, dass die Arbeit Spaß macht und den eigenen Fähigkeiten entspricht, große Entscheidungsfreiheit, nette Kollegen und Mitarbeiter und ein sicherer Arbeitsplatz.

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