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Geschlechterklischees : Eine Kindheit ganz in Pink

Auch stereotyp: das Überraschungsei „nur für Mädchen“

“Die Herausforderung ist, diese Bedürfnisse so zu kanalisieren, dass der Weg für die Mädels nicht ins rosa Getto führt und für die Jungs nicht in die Machofalle“, sagt Dammler. Deshalb lobt er die Frisbeescheibe im Mädchen-Ei. Und die hibiskusfarbenen Klötzchen von „Lego Friends“, die seit März auch Mädchen von sechs bis zwölf Jahren zum Bauen animieren sollen: Frei nach dem Schema einer Daily Soap leben fünf Freundinnen, deren Charaktere auf der Homepage des Unternehmens beschrieben sind, in „Heartlake City“. Wobei „Olivia“, die an ihrer Werkbank ferngesteuerte Roboter baut, eher Alibifigur ist: Letztlich haben alle Legomädchen wallende Haare, vier tragen Minirock. Die „Abenteuer“ spielen überwiegend im Schönheitssalon, beim Backen, auf Partys und dem Ponyhof.

“Das ist ein Markt“, sagt Maya Götz. „Und der Markt greift nicht auf, was pädagogisch wertvoll ist, sondern das, womit sich am meisten Geld verdienen lässt.“ Götz leitet das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen. Als Medienforscherin hat sie sich intensiv mit den Fernsehhelden der Kinder beschäftigt und auch den atemberaubenden Erfolg von rosa Prinzessinnen analysiert. Sie sagt: Vor dreißig, vierzig Jahren sei es eine Einschränkung gewesen, Mädchen mädchenhaft zu erziehen, weil diese nicht stark sein durften. In den Kindergärten und Schulen von heute hingegen seien Mädchen das starke Geschlecht: Töchter emanzipierter Mütter, von Pädagoginnen betreut. Wer also seine Tochter mädchenhaft erziehe, unterstütze sie zunächst sogar. Da wird Rosa als Mädchenfarbe Ausdruck selbstbewusster Geschlechtsidentität und die Prinzessin zum Symbol bedingungslosen Angenommenseins.

„Rosa steht für niedlich, modebewusst und sexy“, sagt die Aktivistin und Mutter Stevie Schmiedel. „Das ist eine limitierte Version von Mädchensein“

“Aber das hört relativ schnell auf“, sagt Götz und warnt - zum Beispiel vor den neuen Überraschungseiern. Weil diese auch Plastikfigürchen aus der Zeichentrickserie „WinX-Club“ enthalten, wird sie ihren Töchtern keine kaufen. Die Feenpüppchen, die im Kampf gegen das Böse die Welt retten, seien nur oberflächlich stark, sagt Götz: „Diese Figuren sind hochgradig sexualisiert. In unserem Kulturkreis würde eine Frau so nicht auf die Straße gehen.“ Hotpants und Bustiers, dazu Beinlängen und Taillenmaße, die keine lebende Frau erreichen könne - Götz hat nachgemessen: Zwei Drittel der aktuellen Trickfilmheldinnen haben Körper, die dünner sind als jede Barbie. „Das sind Körperbilder und Arten, sich zu kleiden, die sind für Fünf-, Sechsjährige völlig unangemessen.“

Schon Neunjährige finden sich zu dick

Trendforscher Dammler gibt selbst zu, dass eines von vier Mädchen mit rosa Klischees nichts anzufangen weiß. Doch auch wenn man die Ansicht teilt, dass die Industrie nur die vorhandenen Bedürfnisse aufgreift: Das Ergebnis ist eine Fixierung auf Äußerlichkeiten. Immerzu geht es um Schmuck und Schminke, Deko, Mode - und den eigenen Körper. Die Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ ist nur der Endpunkt einer Zurichtung, die in ihren Anfängen auch mit Blümchenringen aus Schokoeiern und den Streichholzarmen einer Prinzessin Lillifee zu tun hat.

Mit bekannter Bilanz. Schon Neunjährige finden sich zu dick, Umfragen zufolge sind immer weniger Teenager mit ihrem Gewicht zufrieden. Da wird es zur Aufgabe von Eltern und Pädagogen, Selbstverständliches in Erinnerung zu rufen. Medienforscherin Götz sagt: „Aussehen hat nichts mit Leistung zu tun. Und Aussehen ist keine Bedingung, um ein glückliches Leben zu führen.“ Mal abgesehen davon, wie viel Energie darauf verschwendet werde, unerreichbaren Idealen nachzustreben - Aktivistin/Mutter Schmiedel nennt die Klumsche Show gefährlich. Sie schädige das Körpergefühl. „Pinkstinks“ will dafür kämpfen, dass die nächste Staffel in Hamburg nicht öffentlich beworben wird.

Nun macht ein Überraschungsei keine Magersucht, und Mütter von Grundschulkindern wissen auch: Die Lillifee-Phase geht vorbei. Die Frage ist nur, was danach passiert. Oder, wie Schmiedel es formuliert: „Wie lebt es sich als Frau mit einer pink Kindheit?“

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