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Generation 30 : „Das Ende der klassischen Karriere ist eingeläutet“

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Von der Apo in den Vorstand: Heute ist Thomas Sattelberger Personalvorstand der Deutschen Telekom Bild: Kai Nedden

Früher kämpfte er mit Joschka Fischer auf der Straße. Heute ist er Personalvorstand der Deutschen Telekom: Thomas Sattelberger im Gespräch mit der F.A.Z. über BWLer, Philosophen und weshalb er 30-Jährige einstellt.

          Herr Sattelberger, wären Sie gerne noch einmal 30?

          Nein, das kann ich mir für mich nicht vorstellen, aber ich kann mich reinfühlen in die 30-Jährigen.

          Als Personalvorstand der Deutschen Telekom sind Sie eine Art Verhaltensforscher der Generation 30. Haben es die jungen Leute heute schwerer als früher?

          So mögen viele es empfinden. Die Generation 30 ist reingeraten in eine neue Phase der Ungewissheiten und Unsicherheiten. Früher stand das ungebrochene Wachstum der Wirtschaft außer Frage und damit auch die Karriere der Einzelnen. Heute zeigen die Krisen, wie zerbrechlich die wirtschaftliche Ordnung ist und wie instabil die gesellschaftliche Ordnung. Und wie persönliche Entwicklungen davon betroffen sind.

          Der Aufstieg ist auch für Akademiker nicht mehr sicher.

          Das liegt aber auch daran, dass wir es geschafft haben, die Zahl der Hochschulabsolventen massiv zu erhöhen: Bald 40 Prozent eines Jahrgangs sind Akademiker, die sich alle die Frage stellen: Was mache ich mit all dem Wissen in meinem Kopf? Wo setze ich dieses Kapital perspektivisch nützlich ein? Wir sind in der breitakademisierten Wissensgesellschaft angekommen.

          Vorstandschef kann auch nicht jeder werden: Je mehr Akademiker, umso härter deren Wettbewerb untereinander um die Spitzenjobs.

          Richtig, deshalb müssen wir klären: Was sind neue Karrierewege? Passt das alte Modell des linearen Aufstiegs noch in die Welt - die allein seligmachende klassische Managerkarriere?

          Viele streben danach.

          Da bin ich nicht so sicher. Viele sagen, ich will nicht in die Mühle, die wollen ein ausbalanciertes Leben, anders als die Eltern.

          Das Elternhaus dient nicht als Vorbild und Maßstab?

          Die Vorgängergeneration dient immer als Rollenmodell - positiv wie negativ. Entweder man sagt, so weit möchte ich es auch bringen. Oder man sagt: Nein, auf keinen Fall will ich in so eine Falle. Eines aber ist klar: Das Ende der klassischen Karriere, wie die Älteren sie noch kennen, ist eingeläutet. Sie ist nur noch nicht ganz tot.

          Was tritt an ihre Stelle?

          Mehrere Wege bieten sich an. Bin ich ein exzellenter Experte, heißt es: Wie mache ich eine Wissenskarriere? Festgefügte Strukturen lösen sich in Unternehmen immer mehr auf, aus Arbeitsplätzen werden Projekte. Wir sprechen von Projektkarrieren. Es geht hin bis zu Laufbahnpfaden, die unternehmerische Start-ups oder soziales Engagement zum Thema haben.

          Weniger euphemistisch ausgedrückt: Die Jungen müssen sich auf befristete Jobs einstellen?

          Zum Teil. Wir werden in der Gesellschaft eine stark wachsende Zahl von Freelancern sehen, sei es aus wirtschaftlichen Zwängen heraus oder sei es aus freien Stücken. Auch viele Menschen, die sagen: Ich will nicht in eine Konzernlogik, ich behalte meine Freiheit. Da es für Unternehmen häufig auch kreativitätsfördernder oder effizienter ist, auf Ressourcen von außen zurückzugreifen, werden sich große Marktnischen bilden für „Wissenskapitalisten“: Freelancer, die mit einem Expertise-Portfolio unterschiedliche Kundschaften bedienen, die man früher Arbeitgeber genannt hätte.

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