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Geburtsvorbereitung für Männer : Mach was, Schatz!

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Die Männer in Bad Vilbel sollen unter sich sein, anders als in Paarkursen wie auf diesem Bild, in denen es vorrangig um die Frauen und ihre Bäuche geht. Bild: dpa

Viele Männer fühlen sich bei der Geburt hilflos – da hilft ein Crash-Kurs für werdende Väter - ohne werdende Mütter, versteht sich, allein mit der Hebamme.

          Susanne hat wieder einen Wehenanfall. Sie atmet flach, verdreht die Augen in Richtung Zimmerdecke, die Lider flattern, sie stöhnt und jault und wimmert. In den Augen der sechs Männer um sie herum blitzt Fremdscham auf, ein Hauch von Belustigung, blanker Horror. Vielleicht ist es auch der Schauder der Erinnerung.

          Susanne macht das aber auch richtig gut. Jetzt verzieht sie das Gesicht zu einer Fratze, dass man Angst bekommt. Wer seit mehr als 20 Jahren als Hebamme arbeitet, der weiß wohl, wie es aussieht und wie es sich anhören muss, wenn eine Schwangere im Wehenwahn vegetiert. Susanne, die nicht schwanger ist, sondern eine Hebammen-Praxis in Bad Vilbel betreibt, heißt Otte-Seybold mit Nachnamen, will aber von allen geduzt werden.

          „Vor den Presswehen, da steigen eure Frauen aus, da wollen sie ihren Bauch abschrauben und nach Hause gehen“, sagt sie zu den Männern und unterbricht ihre Performance kurz. Da sei der Zeitpunkt, zu dem Frauen Sätze sagen wie: „Das nächste Kind kriegst Du!“ Dann schrieen sie auch mal durch das halbe Krankenhaus: „Maaach waaas, Schatz!“ Und Susanne rauft sich theatralisch das Haar.

          Vor den Presswehen wissen viele werdende Väter nicht, was sie mit ihren Frauen anstellen sollen. Männer wie Holger, Timo, Ralph, Matthias und die zwei Michaels. Sie sind zwischen Mitte 30 und Mitte 40, alle haben mindestens eine Geburt miterlebt und waren sogar schon einmal hier, bei Susanne, im Crashkurs für werdende Väter.

          Bunte Bälle, dicke Kissen

          Susannes Geschäft sind eigentlich werdende Mütter: Sie bereitet die schwangeren Frauen der sechs seit Wochen auf die Geburt vor, übt mit ihnen, korrekt zu atmen, den Körper zu entspannen, die Muskulatur zu lockern. Bunte Bälle, dicke Kissen und wattierte Stillwürste liegen auf dem Boden herum, und man kann sich ungefähr vorstellen, wie die wöchentlichen Treffen hier ablaufen: mit viel Kommunikation und Körperkontakt.

          An diesem Freitagabend im Oktober sitzen die Männer im Halbrund jeweils gut einen Meter voneinander entfernt und reden nur, wenn Susanne sie dazu auffordert. So richtig freiwillig will niemand hier sein. „Meine Frau meinte, das sei eine gute Idee“, sagt einer der Michaels, als Susanne zur Vorstellungsrunde bittet. Was ist eure Motivation, eure Erwartung, das Übliche. Zur selben Zeit wird ein Länderspiel übertragen, wie einer erwähnt. Alle lachen. Timo ist emphatischer: „Ich erwarte mir von dem Kurs, dass ich mir kein Kissen unter den Pullover stecken muss, um zu wissen, wie es meiner Frau geht.“

          „Beim ersten Kind dauert es einfach länger“

          Susanne will wissen, wie es den Männern bei den Geburten des ersten Kindes ging. Richtig gut gefühlt hat sich da niemand. Einem ging es zu schnell, den meisten viel zu langsam. „Beim ersten Kind dauert es einfach länger, bis sich der Muttermund öffnet“, kommentiert es Susanne, die ohnehin gern und viel vom Muttermund redet an diesem Abend. Oder es war wie bei Holger: Seine Frau hat sich erst verkrampft, dann hat sie ihn nur noch angeschrien, berichtet er und verzieht das Gesicht. Holger hat vor der Geburt schon einmal im Halbkreis vor Susanne gesessen. „Und, hast Du damals etwas umsetzen können?“ – „Gaaar nichts.“

          Das Großhirn wird größtenteils gehemmt, wenn die Wehen einsetzen, also auch zivilisatorische Errungenschaften wie Manieren und respektvoller Umgang. „Das ist der Zeitpunkt, über den Männer später sagen werden: So habe ich meine Frau noch nie erlebt“, sagt Susanne, und Holger nickt.

          Männer mit Geburtstrauma

          Ob die Männer ein Geburtstrauma im psychotherapeutischen Sinne haben, ist fraglich. Wenn von so etwas die Rede ist, waren bislang Mütter gemeint. Doch mittlerweile sprechen Therapeuten auch von traumatisierten Vätern. Männer, die damit konfrontiert werden, ihre Geschlechtsrolle als Beschützer und als Macher nicht mehr ausfüllen zu können. Die zur Passivität gezwungen werden, wenn sie im Kreißsaal hilflos mit ansehen müssen, wie ihre Frauen Höllenqualen leiden. Wie viele Männer ein Geburtstrauma haben, ist unklar. Schließt man von den Angeboten – Crashkursen, Vätersprechstunden, Vätertherapien – auf die Nachfrage, dann haben fast alle Väter Beratungsbedarf.

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