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Füllfederhalter : Wie Neandertaler mit dem Faustkeil

  • -Aktualisiert am

Das ist keine Parteinahme, Geha-Füller sehen ebenfalls gut aus: Pelikan-Geräte, um 1989. Bild: Archiv

Als heutige Eltern noch Schüler waren, lautete die Schicksalsfrage: Soll’s der Füller von Pelikan sein oder der von Geha? Jetzt ist die Frage: Ist die Technik des Schreibens mit der Hand überholt?

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          Sie war überschaubar, die bundesdeutsche Welt der siebziger und achtziger Jahre: Ost oder West, Helmut Schmidt oder Helmut Kohl, ARD oder ZDF, Punker oder Popper, „Capri“ oder „Brauner Bär“. Und am Freitagabend lief „Derrick“ oder „Der Alte“.

          Den Eintritt in diesen heilen, geordneten Kosmos vollzog der kleine Bundesbürger im zweiten Schuljahr mit einer existentiellen Grundsatzentscheidung: Geha oder Pelikan? Pelikan, das stand für das Solide, das Bewährte. Mit Pelikan-Füllern hatten schon die Eltern und Großeltern geschrieben. Und den Schulfüller von Pelikan, den „Pelikano“, den gab es auch schon seit 1960. Geha, das hatte hingegen etwas Subversives und passte daher ganz gut in die Siebziger.

          Von Anfang an waren die Gebrüder-Hartmann-Werke der Underdog, der Herausforderer. Frech setzten die Gründer ihr Werk neben dasjenige ihrer etablierten Konkurrenz in Hannover. Das war 1918. 1950 produzierte Geha den ersten Füller mit Tintenpatrone. Pelikan antwortete 1960 mit seinem Pelikano. Für dessen Design hatte man extra Grundschullehrer nach ihren Erfahrungen befragt. Kaum hatte sich der Pelikano etabliert, legte Geha mit seinen Sichtfenstern für die Resttinte nach. Das war keine schlechte Idee. Wieder musste Pelikan nachziehen.

          Dann kam der Clou: Gehas Reservetank, insbesondere bei Diktaten überaus nützlich. Pelikan verlagerte seine Innovationen daraufhin auf die Schreibmotorik. Ab 1973 hatte der Pelikano nicht nur die geheimnisvolle „Schönschreibfeder“, sondern vor allem ein Griffprofil. In der Werbung hieß das: „Der Finger rutscht nicht auf die Feder.“

          Aufgekauft, zerschlagen, verkauft, zusammengeführt

          Echten Geha-Kindern war das Griffprofil mindestens so egal wie die Schönschreibfeder. Wichtiger war, dass der Pelikano nur in spießigem Blau zu haben war und ab 1970 in Rot - extra für Mädchen. Den Geha hingegen gab es in aristokratischem Grün. Und vor allem: Beim Geha musste man die Tintenpatrone anders herum einsetzen. Das hatte etwas Exklusives und war richtig lässig.

          Klar, das konnte Pelikan nicht auf sich sitzen lassen. Hinzu kam, dass die Geha-Leute der Größenwahn überkam und man in alle möglichen Segmente des Bürozubehör- und EDV-Marktes expandieren wollte. Die Höchststrafe kam postwendend: 1990 wurde Geha von Pelikan übernommen und die Produktserie, auch der Geha-Schulfüller, in den Folgejahren eingestellt.

          Pelikan erging es allerdings auch nicht sehr viel besser. Schon in den Achtzigern war das Unternehmen insolvent geworden, wurde jedoch vom Metro-Konzern aufgekauft und schließlich zerschlagen. Und so ging gleichzeitig mit der alten Bundesrepublik auch die Welt von Geha und Pelikan unter. Wer glaubt da noch an einen Zufall?

          Doch Wunder geschehen: 1996 erwarb der malaysische Multimillionär und Pelikan-Fan Hooi Keat Loo die Mehrheit an der Pelikan-Holding und kaufte die zerschlagenen Unternehmensteile nach und nach zurück. Basis des neuen Erfolges war unter anderem das Segment der Edelfüller. Das funktioniert, wie etwa auch der Markt für teure Uhren, nach dem Manufactum-Prinzip: Je mehr der Handel von einfachen Billigprodukten überschwemmt wird, Kugelschreibern etwa oder Quarzuhren, desto größer wird das Bedürfnis, sich kulturell abzusetzen und mit Insignien der guten alten Zeit zu umgeben, mit mechanischen Uhren oder Kolbenfüllern. Zudem haben diese Produkte im Zeitalter von Internet und Smartphones etwas enorm Beruhigendes.

          Wichtig: die Koordination von Hand und Auge

          Um die Zukunft des Kulturgutes Füller zu retten, darf man bei aller Nostalgie jedoch nicht die Jüngsten vergessen. Und das ist keine geringe Herausforderung. Denn wie um alles in der Welt bringt man im digitalen Zeitalter, in dem nur noch getippt, gescrollt und auf Touchscreens herumgeswipt wird, Kinder dazu, mit der Hand zu schreiben? Empfinden sie diese scheinbar überholte Technik nicht als vollkommen uncool?

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