https://www.faz.net/-gum-xw12

Fortpflanzung : Die Japaner verlieren die Freude am Sex

Japanische Frauen finden, dass Sex Probleme verursacht. Auch Männer vermeiden ihn. Bild: AP

In Japan gibt es immer mehr junge Männer, die kein Interesse an Frauen zeigen. Es gibt für sie schon ein eigenes Wort: „pflanzenfressende Männer“. Bei jungen Ehepaaren sieht es nicht besser aus: Mehr als vierzig Prozent leben ohne Sex.

          1 Min.

          Die Japaner haben immer weniger Spaß am Sex. Wie eine Studie des Gesundheits- und Sozialministeriums zutage brachte, sind 35,1 Prozent der jungen Männer zwischen 16 und 19 Jahren nicht an Sex interessiert oder lehnen ihn sogar ausdrücklich ab. Das sind fast doppelt so viele wie bei der letzten Befragung 2008, als 17,5 Prozent ihr Desinteresse bekundeten. Noch dramatischer sehen die Zahlen bei Japanerinnen aus. Die Zahl der jungen Frauen, die keine Lust auf Sex haben, stieg von 46,9 Prozent im Jahr 2008 auf 58,5 Prozent. Kunio Kitamura von der Vereinigung für Familienplanung wertet vor allem die wachsende Zahl junger Männer, die kein Interesse an Frauen zeigen, als bedrohlich. Im Japanischen gibt es für sie schon ein eigenes Wort: „pflanzenfressende Männer“.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Bei Ehepaaren sieht das Bild nicht besser aus. Die japanischen Paare, die ihre Ehe als „sexlos“ bezeichneten und angaben, im vergangenen Monat keinen Sex gehabt zu haben, stieg auf 40,8 Prozent. 2004, als das Ministerium die Liebes- und Sexgewohnheiten der Japaner zum ersten Mal abfragte, lag der Wert noch bei 31,9 Prozent. Bei Ehepaaren, die älter als 40 sind, liegt die Rate der Sexlosen sogar bei fast 50 Prozent. Männer antworten auf die Frage, warum sie im Bett passiv bleiben, schlicht, sie seien nach der Arbeit zu müde. In der Tat arbeiten viele von ihnen bis weit in den Abend. Allerdings sieht man japanische Angestellte abends häufig in Kollegenrunde in der Kneipe beim Bier sitzen, was ihnen offenkundig mehr Freude zu bereiten scheint. Bei den Frauen war die am meisten gehörte Antwort, dass ihnen der Sex zu viele Probleme bereite.

          Unternehmen sollen die Arbeitszeiten überdenken

          Kitamura, der an der Studie beteiligt war, sagt, das Phänomen des Desinteresses der Japaner am Sex sei eng mit der geringen Geburtenrate verknüpft, die in Japan geringer ist als in allen anderen Ländern. Doch was kann man tun, um bei Japanerinnen und ihren Männern oder Freunden die Freude am Sex wieder zu wecken? Zuerst einmal müsse die Kommunikation zwischen Männern und Frauen verbessert werden, sagt Kitamura. Außerdem sollten die Unternehmen die Arbeitszeiten in Japan überdenken.

          Weitere Themen

          „Wir sind gut vorbereitet“ Video-Seite öffnen

          Coronavirus in Deutschland : „Wir sind gut vorbereitet“

          Das neuartige Coronavirus hat Deutschland erreicht: In Bayern wurde der erste Fall diagnostiziert. AFPTV hat sich auf Berlins Straßen umgehört, ob die Menschen nun Sorge vor einer raschen Ausbreitung haben.

          Topmeldungen

          Untersuchungen zum Coronavirus an der Charité Berlin Mitte

          Coronavirus : Drei weitere Infizierte in Bayern

          Bei drei weiteren Menschen in Bayern wird das Coronavirus nachgewiesen. Wie der erste deutsche Patient sind sie Mitarbeiter der Firma Webasto aus Starnberg, teilt das bayerische Gesundheitsministerium mit. Das Unternehmen schließt vorübergehend seine Zentrale.
          Trump und Netanjahu im Weißen Haus

          Israelische Siedler : Die extreme Rechte ist empört

          Einerseits bekommt Netanjahu jetzt Ärger mit innenpolitischen Verbündeten. Andererseits sonnt er sich im Glanze seines Auftritts mit Trump: Noch nie kam Washington Israel so weit entgegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.