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Familie : Genug gejammert, Mama!

  • -Aktualisiert am

„Kinder zu haben ist kein rationales Unterfangen” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Am Muttertag sind Tausende von Frauen beglückt - die Familienwelt ist in Ordnung. An den zurückliegenden 364 Tagen aber hatten es die deutschen Mütter wieder sehr schwer - glaubt man ihren Klagen. Ist das unabänderlich?

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          Wenn an diesem heiteren Sonntagmorgen Tausende von Frauen beglückt auf Blumen, Parfüms und selbstgemalte Bilder blicken, ist die Familienwelt in Ordnung. An den zurückliegenden 364 Tagen aber hatten wir deutschen Mütter es wieder sehr schwer.

          Ein Auszug aus dem Katalog der Klagen und Beschwerden der vergangenen zwei Wochen, gesammelt im Supermarkt, beim Kaffee, im Chatroom, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Wickeltisch in der Tankstelle fehlt. Warnhinweis am giftigen Strauch auf dem Spielplatz vermißt. Sommerzeit - inkompatibel mit Kinder-Schlafrhythmus. Nirgendwo abgeflachte Bordsteine an Kreuzungen. Aufzüge in U-Bahn-Stationen Mangelware. Chef gibt teilzeitarbeitender Mutter nicht frei, obwohl für Vertretung gesorgt. Faule Lehrer/zu anspruchsvolle Lehrer/zu wenig Lehrer. Die Sommerferien beginnen zu früh/zu spät. Krankenkassen weigern sich, Kosten für Hustensaft/Verbandszeug/Zahnspangenbehandlung zu übernehmen. Und so weiter.

          „Zufrieden seid ihr wohl nie, was?“

          Dabei sind die besonders schwerwiegenden Klagen nicht einmal erfaßt, wie fehlende Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren, die unterdurchschnittliche Qualifikation vieler Erzieher sowie der Mangel an Hortplätzen für Schulkinder.

          „Wiegen des Babys ein erotisches Erlebnis”

          Manchmal öffnet der Blick von außen die Augen. Anruf einer Freundin aus Edinburgh. „Was ist bei euch eigentlich los?“ fragt Sheila, Anlageberaterin und Mutter von drei Kindern, das Jüngste gerade mal ein Jahr. „Jetzt habt ihr nicht nur eine Kanzlerin, sondern obendrein noch eine siebenfache Mutter im Kabinett, die gleich mit Mona-Lisa-Lächeln Elterngeld durchsetzt, sogar die Väter rankriegen will - aber zufrieden seid ihr wohl nie, was?“

          Es ist nicht das erste Mal, daß Sheila staunt, wenn wir uns darüber unterhalten, wie wir klarkommen als berufstätige Mutter in Großbritannien (“Super-Mom“) und in Deutschland (“Rabenmutter“). Und dabei stellt sich heraus, daß die Lage hierzulande als gar nicht mal so übel eingeschätzt wird. Umfassender Kündigungsschutz während der gesamten Elternzeit, Mutterschutz sechs Wochen vor, acht Wochen nach der Geburt, Kindergeld von 154 Euro pro Monat, sogar über das 18. Lebensjahr hinaus, wenn die Ausbildung nicht abgeschlossen ist, Kinderzuschlag für Geringverdiener . . . „Ist das nichts?“

          Sheila berichtet, daß sich britische Arbeitgeber ihren weiblichen Angestellten gegenüber bedeutend ruppiger verhalten. Bezahlten Mutterschaftsurlaub gab es für die Schottin genau sechs Wochen lang, für weitere 20 Wochen zahlt Tony Blair seinen Landsmüttern 108 Pfund, und zwei Wochen lang dürfen auch Väter kurz mal aus dem Job aussteigen und wickeln. Anspruch auf Teilzeitarbeit? Unbekannt. Von einer hochemotional geführten Debatte über die Misere der Familien in Großbritannien war freilich noch nichts zu vernehmen.

          Passabel im internationalen Vergleich

          Seit etwa dreißig Jahren diskutieren hierzulande Frauen, Männer, Politiker und Experten über Familienpolitik, Arbeitsteilung im privaten Bereich, Steuervorzüge für Erziehende. Daß das alles nicht das geringste gebracht habe, ist eine Behauptung, die durch Wiederholung nicht richtiger wird. Im internationalen Vergleich steht Deutschland mittlerweile recht passabel da. Und anderswo ist auch nicht alles Gold, was Familien hingehalten wird.

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