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Busen, Beine, Po : Girlies außer Rand und Band

  • -Aktualisiert am

Schuld an den Entgleisungen sollen wieder einmal die Mütter sein Bild: AP

Amerikas Teenager sind frühreif, dumm und verdorben, behauptet die Politologin Carol Liebau. Stimmt das? Und wie sieht es bei den deutschen Mädels aus? Ist sexy sein für sie das höchste Ziel, wichtiger als Intelligenz, Charakter und alles, was eine Frau sonst noch erreichen kann?

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          Den Alltag eines Nymphchens hat man sich ungefähr so vorzustellen: Während sich die vierzehnjährige Jennifer - bauchfreies Top, Minirock - morgens für die Schule fertigmacht, verfolgt sie die Unterhaltung zweier Moderatoren eines privaten Rundfunksenders. Thema: Was macht Männer mehr an, Busen, Beine oder ein knackiger Po? Im Schulbus wird das neueste Gerücht herumgereicht - Mike soll sich nach der Party am Samstagabend von Amy einen Blowjob geholt haben. Der Lehrer in der ersten Stunde ist sauer, weil auf dem Flur ein gebrauchtes Kondom gefunden wurde.

          So kann es nicht weitergehen. Das jedenfalls ist die Botschaft von Carol Platt Liebau, der Autorin des kürzlich erschienenen Sachbuchs „Prude: How the Sex-Obsessed Culture Damages Girls“ (“Prüde - Wie die sexbesessene Kultur Mädchen beschädigt“, Center Street, 22,99 Dollar). Jennifer, die kleine Amerikanerin, sei nämlich kein frivoler Einzelfall, sondern eine von Hunderttausenden junger Früchtchen. Von der ersten Zeile an lässt dieses in grellem Pink-Schwarz-Kontrast eingeschlagene Buch keinen Zweifel daran, dass angesichts dieser Mädchen alle Alarmglocken schrillen müssen.

          Dreizehnjährige lassen sich stolz als „Schlampe“ titulieren

          „Die überwältigende Lektion, die Teenagern heute ringsum vermittelt wird, lautet: Sexy sein ist das höchste Ziel, wichtiger als Intelligenz, Charakter und was eine Frau sonst noch erreichen kann“, schreibt Liebau, Politologin und ehemalige Herausgeberin der „Harvard Law Review“. Bewunderung und Anerkennung könne ein Mädchen heute nur durch sexuell aggressives Verhalten erlangen. Als Beispiel führt sie Filme an wie „Mean Girls“ (“Girls Club - Vorsicht bissig!“), Musiktitel sowie - schon leicht angestaubte - Videoclips von Britney Spears. Verwiesen wird ferner auf Pop-Heldinnen wie Christina Aguilera und Lil' Kim, denen tatsächlich wohl kaum jemand eine akademische Karriere zuordnen würde. „In einer Kultur, die Paris Hilton feiert ebenso wie Stringtangas oder Songs wie 'My Humps,', in dem Busen und Hintern als Sex-Magnet gepriesen werden, gibt es für weibliche Zurückhaltung oder Werte, die nichts mit Sex-Appeal zu tun haben, nur spärliche Anerkennung“, klagt Liebau. Was für Zeiten, in denen Dreizehnjährige sich stolz als „slut“ (Schlampe) titulieren lassen.

          Was macht Männer mehr an, Busen, Beine oder ein knackiger Po?
          Was macht Männer mehr an, Busen, Beine oder ein knackiger Po? : Bild: AFP

          Schade: Der Mühe, sich selbst mit jungen Mädchen zu unterhalten, um herauszufinden, was sie tatsächlich um- und antreibt, hat sich die Autorin nicht unterzogen. Dabei wäre aufschlussreich, wie repräsentativ die von ihr mit deutlicher Abscheu beschriebenen Lolitas für ihre Altersgruppe sind. Welche Rolle spielen die Alpha-Tierchen ihrer Peer Group? Ist ihre schulische Leistung wirklich allen Mädchen gleichgültig? Macht es einen Unterschied, ob sie in der Bronx oder auf einer Farm in Kansas leben? Wir erfahren es nicht. Stattdessen werden Beispiele angeführt, die aufzeigen sollen, wie tief Amerikas Jugend gesunken ist. Immer noch eine Statistik, die belegt, wie unbekümmert Vierzehnjährige ihren Mitschülern Blowjobs anbieten, wie wenig sie über Verhütung wissen, wie leichtfertig sie mit dem Aids-Risiko umgehen.

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