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Fall Strauss-Kahn vor schnellem Ende : Ankläger beschreibt Zimmermädchen als Lügnerin

  • -Aktualisiert am

Bald zurück in Frankreich? Dominique Strauss-Kahn Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft in Manhattan hat die Einstellung des Missbrauchsprozesses gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen sexueller Aggression beantragt. Klärung wird eine gerichtliche Anhörung an diesem Dienstag bringen.

          Zehn Wochen nach der Anklageerhebung gegen Dominique Strauss-Kahn hat die Staatsanwaltschaft in Manhattan die Einstellung des Missbrauchsprozesses gegen den früheren Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragt. Wie die „New York Times“ berichtete, sei die entsprechende „Empfehlung“ am Montag um 15.20 Uhr New Yorker Zeit beim Obersten Gerichtshof von Manhattan eingereicht worden.

          In seiner Begründung beschreibt der Chefankläger Cyrus Vance Jr. das angebliche Opfer als mehrfache Lügnerin. Das 25-seitige Dokument wurde auf der Internetseite der New Yorker Justiz veröffentlicht. Darin erläutert der Ankläger, dass er sich nicht in der Lage sehe, das Verfahren fortzusetzen. Das Zimmermädchen, das Strauss-Kahn der sexuellen Gewalt bezichtigt, habe bei wiederholten Vernehmungen zu großen und zu kleinen Fragen hartnäckig und manchmal unverständlich die Unwahrheit gesagt. Im Text heißt es: „Im Ergebnis hat die Klägerin beharrlich, und manchmal unerklärlicherweise, die Unwahrheit gesagt, als sie sowohl wichtige, als auch weniger wichtige Angelegenheiten beschrieb.“ Da aber der Fall gegen den einst mächtigsten Banker der Welt mit der Aussage der einzigen Zeugin „steht und fällt“, sehe er keinen anderen Weg, als die Anklage aufzugeben, schreibt Vance.

          Anhörung am Dienstag

          Schon zuvor hatten verschiedene amerikanische Medien aus Ermittlerkreisen erfahren, dass Vance eine Verurteilung des Franzosen wegen versuchter Vergewaltigung, erzwungenen Oralsexes und Freiheitsberaubung eines New Yorker Zimmermädchens für unwahrscheinlich hält, da das mutmaßliche Opfer Nafissatou Diallo wiederholt die Unwahrheit gesagt habe. „Wir können den Geschworenen nicht sagen, dass sie uns immer wieder angelogen hat, und dann von ihnen erwarten, dass sie ihr Glauben schenken“, sagte ein Ermittler der „New York Times“.

          Nafissatou Diallo mit ihrem Verteidiger Kenneth Thompson am MOntag in New York

          Schon an diesem Dienstag, für den die nächste Anhörung in dem Fall anberaumt ist, könnte das Gericht in Manhattan nun entscheiden, die Anklage gegen Strauss-Kahn fallenzulassen. Diallos Anwalt Kenneth Thompson sagte nach einer Unterredung mit dem Chefankläger, „Cyrus Vance hat einer Frau das Recht auf Gerechtigkeit in einem Vergewaltigungsfall verweigert“. Die Ankläger hätten die „forensischen, medizinischen und sonstigen Beweise“ ignoriert. Strauss-Kahns Anwälte äußerten, ihr Mandant und seine Familie seien der Anklagebehörde für ihre Entscheidung „dankbar“, man freue sich auf die Anhörung an diesem Dienstag.

          Am 14. Mai war Strauss-Kahn festgenommen worden. Strauss-Kahn hatte den sexuellen Kontakt mit dem Zimmermädchen in der Suite des Sofitel-Hotels an jenem Tag schon bei der Verhaftung zugegeben, aber von einer einvernehmlichen Begegnung berichtet. Da die Staatsanwaltschaft dem 62 Jahre alten Ökonomen damals nicht glaubte, musste Strauss-Kahn auf dem Weg zum Haftrichter ein mediales Spießrutenlaufen, den „Perp Walk“, erdulden, der besonders in Frankreich Empörung hervorrief. Bei der Anklageerhebung hatte die Staatsanwaltschaft dann in deutlichen Worten geschildert, was nach der Auswertung der DNA-Proben und Diallos Aussage am 14. Mai angeblich geschah: „Er griff dem Opfer ohne Einverständnis an die Brust, versuchte, ihm die Strumpfhose herunterzureißen und griff ihm in den Schritt. Sein Penis hatte zweimal gewaltsam Kontakt mit dem Mund des Opfers“, verlasen die Ankläger Anfang Juni.

          Spekulationen über ein schnelles Ende

          Doch sechs Wochen nach der Festnahme des ehemaligen IWF-Chefs waren erste Zweifel an Diallos Glaubwürdigkeit laut geworden, als Justizbeamte von Unstimmigkeiten bei der Steuererklärung und auch bei dem Asylantrag der 33 Jahre alten Einwanderin aus Guinea berichteten. Besonders die unwahre Behauptung der Hotelangestellten, in ihrer westafrikanischen Heimat Opfer einer Massenvergewaltigung geworden zu sein, warf damals Fragen zu Diallos „credibility“ auf. Auch der heimliche Mitschnitt eines Telefonats, das die Mutter einer 15 Jahre alten Tochter am Tag nach dem angeblichen sexuellen Übergriff mit einem inhaftierten Bekannten führte, spielt angeblich bei dem voraussichtlich raschen Ende des Prozesses eine Rolle. Obwohl Diallo schon während des Telefongesprächs Überlegungen zu Strauss-Kahns Vermögen anstellte, soll sie gegenüber den Ermittlern wochenlang geleugnet haben, überhaupt finanzielle Vorteile erwogen zu haben.

          So gelangte die Staatsanwaltschaft zu der Ansicht, dass Diallo grundsätzlich nicht die Wahrheit sage. „Wir mussten ihr die Einzelheiten zu ihren Lügen über Wochen aus der Nase ziehen. Wenn sie die ganze heiße Luft in ein oder zwei Tagen herausgelassen hätte, wäre es vielleicht anders ausgegangen“, sagte ein Ermittler. Nach dem Bekanntwerden der von Diallo verbreiteten Unwahrheiten hatte der Oberste Gerichtshofs von Manhattan den angeklagten Strauss-Kahn Anfang Juli wieder aus dem Hausarrest entlassen.

          Weil der Oberste Gerichtshof von Manhattan die Fortsetzung des Prozesses gegen den früheren IWF-Chef bereits zweimal verschoben hat, hatten Beobachter seit Wochen über ein schnelles Ende des Verfahrens spekuliert. Falls der Supreme Court dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgt, könnte der Ökonom schon in den kommenden Tagen nach Frankreich zurückkehren.

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