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Fall Stephanie : Chronik einer Leidensgeschichte

  • Aktualisiert am

Stephanie mußte 36 Tage in der Wohnung ihres Peinigers verbringen Bild: ddp

Die heute 14 Jahre alte Stephanie wurde Anfang des Jahres auf dem Weg zur Schule entführt und war fünfeinhalb Wochen in der Gewalt des Sexualtäters Mario M. Eine Chronik der Ereignisse.

          2 Min.

          Der Fall der heute 14 Jahre alten entführten und mißhandelten Stephanie hat bundesweit für Entsetzen und Fassungslosigkeit gesorgt. Die Schülerin war Anfang des Jahres fünfeinhalb Wochen in der Gewalt eines vorbestraften Sexualtäters. Im folgenden eine Chronik der Ereignissen:

          11. Januar: Die 13 Jahre alte Stephanie wird auf dem Weg zur Schule in ein Auto gezerrt und verschleppt. Die Eltern alarmieren die Polizei.

          12. Januar: Die Ermittler veröffentlichen einen Fahndungsaufruf. Die Polizei sucht vergebens nach dem Teenager.

          9. Februar: Die Eltern setzen 5000 Euro Belohnung für Hinweise aus.

          15. Februar: Stephanie wird aus der Wohnung von Mario M. in Dresden, wenige hundert Meter von ihrem Elternhaus entfernt, befreit. Ein Passant hatte einen der „Hilfe!“-Zettel gefunden, auf denen sie ihren Aufenthaltsort nannte. Diese hatte sie unbemerkt bei nächtlichen Ausgängen mit ihrem Entführer fallen gelassen. Die Polizei nimmt den arbeitslosen Anlagenbauer fest.

          16. Februar: Gegen den vorbestraften Verdächtigen wird Haftbefehl wegen sexuellen Mißbrauchs von Kindern, Freiheitsberaubung und Körperverletzung erlassen. Er war 1999 wegen Vergewaltigung einer 14 jährigen verurteilt und 2002 vorzeitig auf Bewährung entlassen worden. Vorwürfe über Ermittlungspannen werden laut.

          28. Februar: Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) räumt Fehler bei der Polizeirecherche ein.

          11. September: Stephanie schildert im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ihr Martyrium. Der Staatsanwalt will auf die weitere Befragung des Opfers verzichten, da er genügend Beweise gegen den Täter habe.

          14. September: Stephanie gibt in der ZDF-Sendung „Johannes B. Kerner“ ein Interview. Die Eltern und ihr Anwalt begründen den Gang in die Öffentlichkeit und ihre Forderung nach der Aussage von Stephanie vor Gericht damit, daß Mario M. nur so für immer hinter Gitter komme.

          16. September: Stephanies Familie fordert im Nachrichtenmagazin „Focus“ vom Freistaat Sachsen Schadenersatz und Schmerzensgeld wegen polizeilicher Fahndungspannen.

          28. September: Die Staatsanwaltschaft Dresden erhebt Anklage gegen den 36 Jahre alten Mario M..

          19. Oktober: Sachsen lehnt die Zahlung von Schadenersatz ab.

          06. November: Unter großem öffentlichen Interesse beginnt vor dem Dresdner Landgericht der Prozeß gegen Mario M.. Bei Verlesung der Anklage springt er plötzlich auf und kann von sechs Beamten nur mit Mühe gebändigt werden.

          08. November: Der Angeklagte nutzt einen morgendlichen Hofgang, um auf das Dach der JVA zu klettern. 20 Stunden lang hält er Justiz und Öffentlichkeit in Atem. Stephanies Vater wirft den Behörden vor, die Gefährlichkeit des Mannes unterschätzt zu haben.

          09. November: Der Prozeß wird wegen Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten unterbrochen. Mario M. muß künftig Hand- und Fußfesseln im Gerichtssaal tragen.

          15. November: Im Landtag bedauert Justizminister Geert Mackenroth (CDU) das Geschehen im Gefängnis. Stephanies Vater fordert enttäuscht einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß.

          21. November: Die Große Strafkammer erklärt den Verzicht auf eine Aussage der 14 Jahre alten Schülerin vor Gericht. Ihr Vater verfolgt erstmals den Prozeß.

          06. Dezember: Der Sachverständige Hans-Ludwig Kröber hält Mario M. trotz seelischer Abartigkeit und Persönlichkeitsstörung für voll schuldfähig. Kröber attestiert ihm anhaltende Gefährlichkeit und sieht die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung gegeben.

          12. Dezember: Staatsanwaltschaft und Nebenklage fordern annähernd die Höchststrafe von 15 Jahren für Mario M. und Sicherungsverwahrung. Die Verteidigung verzichtet auf einen Strafantrag.

          14. Dezember: Das Landgericht Dresden hat Mario M. zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt. Die Große Strafkammer ordnete zudem die anschließende Sicherungsverwahrung für M. an. Er habe sich der Geiselnahme, Vergewaltigung, des sexuellen Kindesmissbrauchs und der Körperverletzung schuldig gemacht.

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