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„Wir sind angewidert“ : Polizisten nach Würgegriff-Bild gefeuert

  • Aktualisiert am

Das Foto, das von der Polizei in Aurora veröffentlicht wurde, zeigt die drei Polizisten, die lachend den Würgegriff nachstellen, der zum Tod von Elijah McClain beigetragen haben soll. Bild: AP

Vor fast einem Jahr starb der Schwarze Elijah McClain nach einer brutalen Festnahme in Aurora. Polizeikräfte machten sich auf Fotos über den Würgegriff an ihm lustig – und verlieren jetzt ihre Jobs.

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          Im amerikanischen Bundesstaat Colorado sind drei Polizeikräfte im Fall des nach Polizeigewalt umgekommenen Schwarzen Elijah McClain entlassen worden. Die kommissarische Polizeichefin von Aurora, Vanessa Wilson, feuerte sie am Freitag und veröffentlichte zugleich Fotos, die die Polizisten teils beim Nachstellen des Würgegriffs zeigten, nach dem McClain im Sommer 2019 gestorben war. Die Beamten hätten vielleicht kein Verbrechen begangen, aber die Fotos seien „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Anstand“, sagte Wilson. „Wir schämen uns, wir sind angewidert und wir sind wütend.“

          McClains Name ist bei den landesweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt immer wieder skandiert worden. Auslöser war der Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einer brutalen Festnahme Ende Mai in Minneapolis. Unter dem steigenden Druck, auch in Form einer Petition, ließ der Gouverneur von Colorado, Jared Polis, den Fall McClain wieder aufrollen.

          Im August 2019 hatten drei weiße Polizisten McClain nach einem Notruf, dass sich ein Mann in der Gegend verdächtig verhalte, konfrontiert. Als sich der unbewaffnete 23-Jährige, der keine Vorstrafen hatte, seiner Festnahme widersetzte, wurde er von den Polizisten in den Würgegriff genommen, später bekam er von Sanitätern ein Beruhigungsmittel. Während der Festnahme rief McClain, dass er nicht atmen könnte, wie Audioaufnahmen der Polizei belegen. Er erlitt einen Herzinfarkt und schwere Gehirnverletzungen – lebenserhaltende Maschinen wurden Tage später abgeschaltet.

          „Durch und durch verkommen“

          Nach dem Wiederaufrollen des Falls wurden Berichte über Fotos laut, auf denen drei Polizeibeamte den Würgegriff an McClain im Herbst nahe dem Ort des Geschehens nachstellten und dabei lachten. Der Polizist, der auf den Bildern den Würgegriff imitierte, gab seinen Posten bereits in dieser Woche ab. Die zwei anderen Polizisten auf dem Bild, darunter eine Frau, wurden nun ebenfalls entlassen – genauso wie ein Polizist, dem das Foto geschickt wurde und der dieses mit „haha“ kommentierte. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters war er einer der Polizisten, die an der tödlichen Verhaftung McClains beteiligt war.

          Die Anwältin der McClain-Familie zeigte sich entsetzt. „Dass drei Polizeibeamte im Dienst und in Uniform dachten, es sei angemessen, den Mord als Witz nachzustellen, zeigt, dass die Dienststelle durch und durch verkommen ist“, kritisierte Mari Newman. Für Elijahs Mutter, Sheneen McClain, sei es fürchterlich gewesen, „zu sehen, dass sich Leute über den Mord an ihrem Sohn lustig machen“.

          Colorados Gouverneur Polis hat eine Sonderermittlung eingesetzt und auch das FBI ermittelt laut Reuters inzwischen, ob Elijah McClains Bürgerrechte verletzt wurden. Bei einer ersten Untersuchung des Falles hatte sich ein Ermittler geweigert, gegen die an der Festnahme beteiligten Polizisten und Sanitäter vorzugehen.

          Seit dem Tod des Schwarzen Amerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz halten die Proteste gegen strukturellen Rassismus und Polizeigewalt an. So fordern die Demonstranten immer wieder Aufarbeitungen in alten Fällen wie die von Elijah McClain oder Breonna Taylor.

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