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Fahrradfreundlichste Städte : Heimlicher Sieger Reken

In einigen Städten gehört Mut zum Fahrradfahren – diese Hannoveraner stellt ihn unter Beweis. Bild: dpa

Münster ist wie schon 2012 Deutschlands fahrradfreundlichste Stadt – wenn man dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und seinem Fahrradklimatest glaubt. Überraschendes in diesem Ranking findet sich eher auf den hinteren Plätzen.

          Wer hätte das gedacht? Dass wieder im Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) die Spitzenposition der fahrradfreundlichsten großen Stadt unseres Landes an Münster fällt. Eine  große Überraschung ist das wahrhaftig nicht. Bereits zum sechsten Mal in Folge erhielt die Stadt, in der es angeblich immer regnet und Sonntag ist, wenn es regnet und die Glocken läuten, bei den  Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern die Auszeichnung für das beste Fahrradklima. Oberbürgermeister Markus Lewe sagte dazu ganz richtig: „Klasse, dass die Münsteranerinnen und Münsteraner ihrer Stadt wieder den Spitzenplatz beim Fahrradklima-Test beschert haben.“

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die größte Umfrage der Welt zum Thema Radverkehr, gefördert vom Bundesverkehrsministerium, hängt nämlich von der freiwilligen Teilnahme der Radfahrer ab. Diesmal machten über 100.000, 25 Prozent mehr als 2012, mit und bewerteten 27 Statements in fünf Kategorien (Fahrrad- und Verkehrsklima, Stellenwert des Radverkehrs, Sicherheit beim Radfahren, Komfort beim Radfahren, Infrastruktur und Radverkehrsnetz), wie zum Beispiel: „Bei uns macht Radfahren Spaß“ oder „Bei uns ist Radfahren Stress“. Oder:  „Bei uns ist das Stadtzentrum gut mit dem Fahrrad zu erreichen.“ Oder: „Bei uns wurde in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan.“

          In kleineren Städten fährt es sich besser

          Diese Einschätzungen – überwiegend online und mit Mobilgeräten abgegeben, aber auch  auf einem gedruckten Fragebogen abgefragt – werden in Schulnoten umgerechnet. Eine 2,5 bescherte Münster den ersten von 39 Plätzen unter den Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern. Wesentlich kleiner ist Bocholt,  das mit einer 2,04 eine noch bessere Gesamtbewertung erhielt. Auf den Plätzen 2 und 3 der Städte bis 100.000 Einwohner folgen Nordhorn (2,59) und Wesel (2,84). Und alle drei haben eine deutlich bessere Gesamtnote erhalten als Karlsruhe, die mit 3,21 zweitplazierte   Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern. Karlsruhe löste auf dem zweiten Platz Freiburg ab, das, nunmehr auf Platz drei, die einzige der großen Städte ist, die sich gegenüber 2012 um zwischen 0,15 und 0,3 Notenstufen verschlechtert hat. Selbst bei Rostock, abgestiegen vom 8 (von 38) auf den zehnten von 39 notierten Städten reichte es noch zu einem „relative Konstanz“.

          Betrachten wir die ersten zehn der großen Städte, dann folgen dem Trio Münster, Karlsruhe und Freiburg in dieser Reihenfolge Hannover, Bremen, Kiel, Oberhausen, Frankfurt am Main, Leipzig und Rostock. Kiel und Oberhausen fielen zurück, Frankfurt und Leipzig verbesserten sich um je einen Rang, Hannover und Bremen jeweils um zwei Positionen. Die größten Verbesserungen erzielten Wuppertal, das Schlusslicht von 2012, Augsburg und Stuttgart. Die Schwabenmetropole rutschte  von Position 30 (von 38) auf 28 von 39, die Stadt der Schwebebahn verbesserte sich um sechs Ränge und Augsburg gar um zehn. Alle drei gehören in die Kategorie „Aufholer“  zusammen mit Göttingen, Heilbronn, Trier  (Städte mit zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern), Schwerin, Iserlohn und Norderstedt (50.000 bis 100.000 Einwohner) sowie Heiligenhaus, Eschborn und Ilmenau (weniger als 50.000 Einwohner).

          Kleinstädte schlagen Münster

          In den kleinen Städten dieser letzten Kategorie gibt es die absoluten Bestnoten des Fahrradklimatests. Reken, schon mal gehört? Im westlichen Münsterland im Kreis Borken liegt das nicht einmal 15.000 Einwohner große Städtchen, und genau da das Glück dieser Erde tatsächlich auf dem Fahrradsattel. Eine 1,94 hat dem Ort, der 2012 gar nicht in die Wertung kam, Platz 1 unter 292 kleinen Städten beschert. Noch interessanter: Noch drei weitere Kleinstädte, Ketzin an der Havel, Rhede und Wettringen schlagen Münster in der Gesamtnote. Und Karlsruhe auf Platz 2 wird noch von Groß-Gerau auf Platz 46 dieser Kategorie geschlagen und findet sich gleichauf mit Ettlingen und Waldbröl.

          Zu guter Letzt die diesjährigen Schlusslichter: Vaihingen an der Enz mit Note 5,2 muss nachsitzen, Lüdenscheid mit 4,57 wohl auch. Hagen hat gar die Note 4,72 erhalten in der Kategorie der Städte zwischen 100.000 und 200.000 Einwohner, wo die Spitzenreiter Erlangen, Oldenburg in Oldenburg und Ingolstadt mit 3,28 bis 3,33 waren. Eine für  sicher viele überraschend schlecht weggekommene Stadt ist die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden, die mit Note 4,55 auf dem 39. und letzten Platz der großen Städte landete. Und das, obwohl jeder Wiesbadener natürlich Stein und Bein schwören würde, dass es sich bei ihm zuhause um Längen angenehmer Fahrrad fahren lasse als im schrecklichen Frankfurt.

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