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Fachmann ist sich sicher : „Das Hitler-Telefon ist ganz eindeutig eine Fälschung“

Adolf Hitler 1935 am Telefon: Später soll er laut einem Auktionshaus einen Apparat genutzt haben, den er überall mit hin nahm. Bild: Picture-Alliance

Fast 250.000 Dollar hat ein Unbekannter für das Telefon Adolf Hitlers gezahlt. Experten sind aber überzeugt, dass die Geschichte zu dem Apparat so nicht stimmen kann. Schon mit dem Hörer fängt es an.

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          Wenn sich in Deutschland jemand auskennt mit historischen Telefonen, dann Frank Gnegel. Der Abteilungsleiter Sammlungen im Frankfurter Museum für Kommunikation ist verantwortlich für eine der größten und bedeutendsten Telefonsammlungen in Europa. 2000 Standardapparate der Reichspost, der württembergischen Post und der bayerischen Post, die in den öffentlichen Telefonnetzen ab 1881 genutzt wurden, werden laut dem Museum ergänzt durch Haustelefone und Geräte aus privaten Nebenstellenanlagen. Dazu kommt der erste Tischapparat von 1887 und das erste Telefon der Welt mit Wählscheibe.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ein Telefon, das nicht in der Sammlung ist, hat in den vergangenen Tagen den Besitzer gewechselt und damit Schlagzeilen gemacht: „In den Vereinigten Staaten wurde Adolf Hitlers altes Telefon für 243.000 Dollar verkauft“, hieß es auch auf FAZ.NET. Gnegel sagt jetzt: „Es handelt sich ganz eindeutig um eine Fälschung.“ Wie er darauf kommt? „Der eigentliche Telefonapparat wurde von Siemens & Halske hergestellt, der Telefonhörer stammt aber von einem englischen Telefonapparat. Das wurde so nie produziert.“ Seine Vermutung: „Das muss später in England zusammengefügt worden sein.“

          Dort war der Apparat lange Zeit: Nach Hitlers Suizid und dem Untergang des „Dritten Reiches“ wurde das Telefon angeblich im Berliner Führerbunker gefunden. Laut dem Auktionshaus boten russische Soldaten einem Engländer zuerst das Telefon von Eva Braun an. Weil der aber lieber ein rotes wollte, habe er sich für Hitlers Telefon entschieden, es später an seinen Sohn vererbt, der es jetzt versteigern ließ.

          „Diese Behauptung ist ziemlich bescheuert“

          Im Internet meldeten Sammler sehr früh Zweifel an der Echtheit des Telefons an. Auf der Homepage eines niederländischen Restaurators historischer Telefone erschien  am 2. Februar ein entsprechender Text. In einem Nachtrag vom 16. Februar berichtet der Autor, dass sein Freund, der in einem Telefonmuseum arbeite, einen Brief an das Auktionshaus geschrieben habe. Ob den Experten die Erwiderung überzeugt hat? „Nein“, schreibt er. „Ich bin im Gegenteil noch mehr davon überzeugt, dass das nicht Hitlers Telefon war.“

          Das „Reisetelefon“ vor der Versteigerung.

          Was das Auktionshaus genau gesagt hat, ist mittlerweile unter dem Punkt „Addenda“ („Nachzutragendes“) in der Verkaufsanzeige nachzulesen: Der Händler gibt zu, dass der Hörer nicht zum Rest des Telefons passe. Das liege daran, dass es sich um eine Spezialkonstruktion handle, der Hörer könne während des Transports nicht vom Telefon fallen. Der niederländische Experte schreibt dazu: „Diese Behauptung ist ziemlich bescheuert.“ Es gebe Modelle, die extra so konstruiert seien, dass der Hörer besonders sicher sitze. Und man sehe im Gegenteil deutlich, dass der britische Hörer gerade nicht besonders gut auf das deutsche Telefon passe.

          Das Auktionshaus schreibt weiter, dass eine eigenständige Tochterfirma von Siemens in Großbritannien, die bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs mit der Mutterfirma in Deutschland eng zusammengearbeitet habe, den Hörer konstruiert habe. Gnegel sagt: „Warum sollte eine Firma in Großbritannien vor dem Krieg einen Hörer für Hitler konstruieren? Siemens hätte Hitler mit Sicherheit gerne ein neues Telefon gebaut.“

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