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Facebook-Partys : Die Welt zu Gast bei „Freunden“

  • -Aktualisiert am

Immer häufiger geraten sogenannte „Facebook-Partys” außer Kontrolle und die Polizei muss eingreifen Bild: dpa

Bei Facebook entscheidet ein Häkchen, ob man die ganze Welt einlädt, auch wenn eine Feier nur für Freunde gedacht war. Nun warnt Facebook zumindest minderjährige Nutzer, um ungewollte Massenpartys zu verhindern. Vielen genügt das nicht.

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          „Jeder kann die Veranstaltung sehen und für sie zu-/absagen“ - diese Option ist bei dem sozialen Netzwerk Facebook automatisch aktiviert, wenn man zu einer Veranstaltung einlädt. Wer vergisst, das Häkchen zu entfernen, lädt über das Internet die ganze Welt ein und bekommt mitunter tatsächlich ungebetenen Besuch in großer Zahl, auch wenn die Feier nur für Freunde gedacht war. Welche verheerenden Folgen eine Geburtstagsfeier mit Tausenden Besuchern haben kann, zeigte sich bereits mehrfach, als Facebook-Partys aus dem Ruder liefen und die Polizei einschreiten musste.

          Nun hat Facebook auf die anhaltende Kritik an seinen Standardeinstellungen reagiert. Seit vergangenem Freitag wird versuchsweise für Minderjährige, die auf Facebook zu einer Veranstaltung öffentlich einladen, eine kleine zusätzliche Meldung angezeigt. Mit dem „auffälligen Hinweis“ solle „auf mögliche Konsequenzen aufmerksam“ gemacht werden, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Der Hinweis bietet indes inhaltlich wenig Neues und wird auch nur bei den ersten beiden Veranstaltungen angezeigt, zu denen ein minderjähriger Nutzer öffentlich einlädt.

          War diese Auskunft hilfreich?

          Wer auf den weiterführenden Link klickt, wird ferner belehrt: „Es kann jeder zu- oder absagen oder sich selbst auf die Gästeliste setzen, ohne eine Einladung erhalten zu haben oder vom Administrator zugelassen zu werden. Alle Informationen zu der Veranstaltung und die damit verbundenen Inhalte (z.B. Fotos, Pinnwandeinträge und Videos) sind für alle sichtbar.“ Einen Hinweis auf die damit verbundene Gefahr einer Massenparty und eventueller Haftung für Schäden, die randalierende „Gäste“ in Haus und Nachbarschaft anrichten, sucht man vergeblich. Immerhin wird der Nutzer noch gefragt, ob diese Auskunft für ihn hilfreich gewesen sei. Das Ergebnis der Umfrage behält der Betreiber allerdings für sich.

          Gefährlich: Jeder kann die Veranstaltung sehen und sich selbst einladen

          Verbraucherschützer halten den neuen Warnhinweis für nicht mehr als einen „kleiner Finger“, den Facebook der Öffentlichkeit reicht. Carola Elbrecht vom Bundesverband der Verbraucherzentralen verlangt, dass generell die Veranstaltungseinstellungen bei Facebook restriktiver werden, so dass man standardmäßig nur die Personen einladen kann, mit denen man auch befreundet ist. „Doch das wird mit Facebook nicht zu machen sein.“ Auch die Beschränkung der Warnung auf Minderjährige kann Elbrecht nicht verstehen: "Warum tut sich Facebook so schwer, den Hinweis für jeden Nutzer zu schalten?"

          Facebook muss die Privatsphäre schützen

          Ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums sagte der F.A.Z.: „Das ist zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir werden die Entwicklung beobachten und mögliche weitere Maßnahmen mit Facebook diskutieren. Die aktuelle Ankündigung entlässt Facebook nicht aus der Pflicht, den Schutz der Privatsphäre grundsätzlich zu verbessern, zum Beispiel durch restriktive Grundeinstellungen bei der Anmeldung von Neumitgliedern.“ Und der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) ergänzt: „Gerade minderjährige Nutzer müssen vor den Folgen einer solchen öffentlichen Einladung geschützt werden. Ich appelliere allerdings auch weiter an die Anbieter sozialer Netzwerke, den Schutz persönlicher Daten auch für alle Anwender noch transparenter zu gestalten.“ Der saarländische Innenminister Stephan Toscani (CDU) verlangt, einen adäquaten Schutz für alle Nutzer zu bieten und die Voreinstellung „Öffentliche Veranstaltung“ ganz zu entfernen.

          Öffentlichkeit ist die Grundidee von Facebook

          Bei Facebook zeigt man sich indes zuversichtlich, mit der Neuerung sinnvoll die Aktivitäten zu ergänzen, die man „bezüglich der besonderen Situation in Deutschland“ bereits unternommen habe. Man habe nicht darauf verzichten wollen, dass Veranstaltungen in den Voreinstellungen immer öffentlich sind. Gerade das sei Teil der Idee von Facebook, standardmäßig alle Informationen allen Nutzern zur Verfügung zu stellen, sagte ein Sprecher und verwies zur Begründung auf die Erfolge des Systems bei den politischen Umstürzen im arabischen Raum in jüngster Zeit.

          Selbstverantwortung wird bei Facebook offenbar großgeschrieben. Das Unternehmen ist zuversichtlich, dass dies auf seine Nutzer auch zutrifft. Nun will man herausfinden, wie sich die neue Warnmeldung auswirkt.

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