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F.A.Z.-Leser helfen : Tag für Tag im Kampf gegen den Krebs

  • -Aktualisiert am

Kleiner Patient: Auch der sechs Jahre alte Abiyu wird in der Kinderkrebsstation des Black Lion Hospitals behandelt. Bild: Jung, Hannes

Aus ganz Äthiopien kommen Krebskranke nach Addis Abeba. Das Black Lion Hospital ist die einzige Klinik in dem riesigen Land mit Tumorärzten.

          Kilometer für Kilometer wächst die Hoffnung. Die Hoffnung auf Heilung, wenigstens auf Linderung. Kilometer für Kilometer gerät aber auch die vertraute Heimat in die Ferne, die riesige, laute, fremde Hauptstadt wartet. Und doch nehmen die vom Krebs gezeichneten Männer, Frauen und Kinder die mühsame Reise in Kauf, kommen von überall her nach Addis Abeba. Nur in der Hauptstadt kann ihnen überhaupt noch geholfen werden, denn nur in der dortigen Universitätsklinik, dem Black Lion Hospital, gibt es Tumorspezialisten. Geld, sich im Ausland therapieren zu lassen, haben die allerwenigsten in Äthiopien.

          Die Arbeit der Ärzte ist nicht leicht. „70Prozent der Patienten kommen mit Krebs in fortgeschrittenem Stadium“, sagt Bogale Solomon, der Chef-Onkologe der Klinik. Nicht mehr alle haben Aussicht auf eine Heilung, aber sie können noch palliativ behandelt werden, damit sie wenigstens keine Schmerzen mehr leiden und der Krebs in Schach gehalten wird.

          40 Betten

          Solomon hat 1997 die Krebsstation für Erwachsene aufgebaut. 18 Betten hat sie, mehr nicht. Drei weitere Onkologen sind inzwischen hinzugekommen, doch der 56 Jahre alte Solomon ist der wichtigste Krebsspezialist Äthiopiens und gefragter Gesprächspartner auf Fachkonferenzen ebenso wie für die Regierung.

          In einem anderen Stockwerk befindet sich die Kinderkrebsstation, die von Hailejesus Adam geleitet wird. Sie hat etwa 40 Betten. Auch er sieht sich immer wieder Patienten gegenüber, die schon lange krank sind oder zuvor falsch behandelt wurden. Gerade sind zum Beispiel zwei Kinder da, denen wegen des Verdachts auf ein Geschwür in der Netzhaut ein Auge entnommen wurde - eine Fehldiagnose mit fatalen Folgen. Viele Patienten haben ähnliche Schicksale, jedes ist auf seine Weise schlimm.

          Viele Einschränkungen bei der Arbeit

          Die Umstände der Therapien in der Klinik sind nicht selten widrig. Mal fehlt den Familien, die einen Teil der Behandlung selbst zahlen müssen, das nötige Geld, etwa für eine Chemotherapie, mal fallen die beiden Geräte für die Strahlentherapie aus und müssen repariert werden, so dass die Patienten an einem Tag keine oder eine nur lückenhafte Behandlung bekommen können. Die Zahl der Betten ist zu gering, so dass die Ärzte genau abwägen müssen, wen sie stationär aufnehmen. Die anderen Patienten müssen sehen, wo sie eine Bleibe finden. Manche Krebskranke, die von außerhalb nach Addis Abeba kommen, schlafen sogar auf der Straße.

          Männer wie Solomon und Adam wissen um die vielen Einschränkungen ihrer Arbeit - und doch engagieren sie sich Tag für Tag für ihre Patienten. Deren Chancen würden sich verbessern, wenn Solomons Station ein spezielles Therapiegerät zur Behandlung von Frauen mit Gebärmutterhalskrebs bekäme und die Kinderkrebsstation renoviert werden könnte. Dafür und für die Erweiterung eines Patientenwohnheims bittet diese Zeitung ihre Leser in diesem Jahr um Spenden.

          Gebrauchtes Gerät aus Deutschland soll gekauft werden

          In Äthiopien gibt es vor allem viele Frauen mit Krebserkrankungen. Wie aus den Zahlen des Black Lion Hospitals hervorgeht, litten mehr als ein Drittel der Patienten in den vergangenen Jahren unter gynäkologischen Tumoren; auch von Brustkrebs, der zweiten Kategorie, sind am ehesten Frauen betroffen. Unter den frauentypischen Tumoren wiederum ist Gebärmutterhalskrebs die mit weitem Abstand am häufigsten auftretende Erkrankung (fast 94 Prozent). An ihr leiden auch viele junge Mütter. Um sie besser behandeln zu können, braucht Solomon ein spezielles Bestrahlungsgerät, mit dem man den Tumor im Körperinneren bekämpfen kann und nicht, wie bisher, durch Bestrahlung von außen. Einen Raum für das sogenannte Brachytherapiegerät gibt es bereits.

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