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F.A.Z.-Leser helfen : Drei kleine Wunder dank eines Ausbildungsplatzes

Bei der Arbeit: Diese jungen Frauen lernen Nähen im Ausbildungszentrum in Guwahati, das mit Spenden der F.A.Z-Leser aufgebessert wurde Bild: Eilmes, Wolfgang

Von den Spenden von „F.A.Z.-Leser helfen“ profitieren schon viele Kinder und Jugendliche in indischen Armenvierteln. Mittlerweile gibt es 35 Slumschulen in Guwahati.

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          Dass Raju Singh einmal sein eigenes Geld verdienen würde, mit regelmäßiger Arbeit, das schien in den ersten 20 Jahren seines Lebens aussichtslos. Er stammt aus den armen ländlichen Gebieten im Nordosten Indiens, ist als Kind mit seinen Eltern in die Millionenstadt Guwahati geflohen und dort im Dreck und Chaos des Bahnhofs aufgewachsen. Als er 14 war, starben Vater und Mutter an Tuberkulose. Von da an musste er alleine mit Betteln und Gelegenheitsjobs sich und seine beiden Geschwister durchbringen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Geschichte von Raju Singh stand schon einmal in dieser Zeitung, vor knapp einem Jahr. Und es ist zu einem Gutteil den Lesern dieser Zeitung zu verdanken, dass der junge Mann, inzwischen 22 Jahre alt, eine Ausbildung zum Automechaniker abgeschlossen hat und in einer Honda-Werkstatt sein eigenes Geld verdient. 3000 Rupien im Monat sind zwar nicht viel, aber auch nicht viel weniger, als zum Beispiel ein Lehrer in Guwahati verdient. Seine Geschwister gehen in die Schule - drei kleine Wunder.

          Mehr als 360.000 Euro überwiesen

          Es ist eine von vielen Erfolgsgeschichten, die der Salesianer-Pater Lukose Cheruvalel im Gepäck hat. Gerade ist er zu Gast in Königstein, um seiner deutschen Partnerorganisation „Childaid-Network“ von den Fortschritten im fernen Guwahati zu berichten. Diese Zeitung hat die Königsteiner Stiftung im vergangenen Jahr mit ihrem Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ unterstützt. Mehr als 360.000 Euro konnten auf diese Weise an Pater Lukose und seine Mitstreiter überwiesen werden.

          Die Hälfte des Geldes floss in die völlig heruntergekommene Ausbildungswerkstatt. Neues Werkzeug und besseres Equipment wurden gekauft, weitere Lehrgänge ins Programm aufgenommen. Junge Frauen und Männer, die Pater Lukose in den vielen Slums der Stadt findet, können sich dort nun zu Elektrikern, Schneiderinnen, Klimaanlagenbauern und in gut zehn weiteren Berufen ausbilden lassen. Neun von zehn Abgängern hätten nach ihrer Ausbildung eine Stelle gefunden, sagt Martin Kaspar, der Childaid gegründet hat.

          Mit der anderen Hälfte des Spendengeldes haben die Stiftung und Pater Lukose in Guwahati Slumschulen eingerichtet. In den ärmsten Gegenden der Stadt, in denen große Familien in winzigen Hütten und Verschlägen zusammenwohnen, sollen dort die Kinder für ein paar Stunden am Tag Ruhe und Geborgenheit finden. Ihre Eltern und größeren Geschwister schuften den ganzen Tag über an einer staubigen Steinmühle, in einer Kohlenfabrik oder gehen am Bahnhof betteln. Ordensschwestern und Sozialarbeiter sorgen nun dafür, dass die Kinder nicht mehr einfach rund um die gefährlichen Maschinen im Dreck spielen, und bringen ihnen Bengali, Englisch und erste Mathematikkenntnisse bei.

          Fünf Pilotschulen hatte Childaid im vergangenen Jahr aufgebaut, um erste Erfahrungen zu sammeln. Inzwischen sind daraus mit dem Geld von „F.A.Z.-Leser helfen“ 35 Einrichtungen geworden, wie Pater Lukose berichtet. Allein rund um den Bahnhof und die Slums an den Gleisen, sind schon drei solcher Schulen entstanden. 1500 Kinder profitieren davon. Und nicht nur sie, sondern ihre ganzen Familien.

          Für die Eltern kostenfrei

          Lukose und seine Leute müssen vielen der Eltern, die selbst nie eine Schule besucht haben, erst einmal erklären, warum es ihren Kindern einmal besser gehen würde, wenn sie lesen und rechnen könnten. Dass sie nicht mehr so leicht ausgebeutet würden und bessere Jobs finden könnten. Wenn die Familien das verstanden und erlebt haben, so hofft Lukose, werden sie dafür sorgen, dass auch ihre jüngeren Kinder zur Schule gehen. Denn auch die staatlichen Einrichtungen sind für die Eltern kostenfrei. Es fehlt den Ärmsten aber oft der Mut und der Antrieb, ihre Kinder in diese Schulen zu schicken.

          Die Slumschulen sollen die Schwelle senken. Und das funktioniert. Die Hälfte der Kinder, die in die ersten fünf Pilotschulen gegangen sind, besuchen inzwischen laut Kaspar eine ganz normale Schule. „Die wichtigste Veränderung ist die Veränderung in den Köpfen der Leute“, sagt Pater Lukose.

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