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F.A.Z.-Leser helfen : Keine Angst vor Aktienfonds

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Diskutierten über Geldanlage für Kinder: (von links) Gerald Braunberger (Ressortleiter Finanzmarkt F.A.Z), Juan José Aragon Lopez (Frankfurter Volksbank), Wolfgang Degenkolb (Frankfurter Sparkasse) und Moderator Manfred Köhler Bild: Waldner, Amadeus

Eltern legen gerne Geld für ihre Kinder zurück. Aber wohin damit in Zeiten mickriger Zinsen. Darüber diskutierten Experten mit F.A.Z.-Lesern.

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          Es gibt sie noch, die Achtjährigen, die mit ihrem Sparschwein in der Hand und den Großeltern im Gefolge am Bankschalter auftauchen, gemeinsam mit dem Berater die Münzen zählen und sie dann auf ihr Sparbuch einzahlen. Gerade vor wenigen Tagen zum Weltspartag seien noch viele Kinder gekommen, sagte Wolfgang Degenkolb, Leiter des Vertriebsmanagements der Frankfurter Sparkasse. Es würden seit Jahren aber immer weniger.

          Degenkolb, der Regionaldirektor Frankfurt-City der Frankfurter Volksbank, Juan José Aragón López, und der Ressortleiter des Finanzmarkt-Teils dieser Zeitung, Gerald Braunberger, diskutierten mit F.A.Z.-Lesern, wie Eltern, Großeltern und Paten in Zeiten niedriger Zinsen sinnvoll Geld für den Nachwuchs anlegen könnten.

          Erlebnis des Sparens

          Die Kinder selbst früh an das Sparen heranzuführen, darin waren sich alle einig, sei ein wichtiger erster Schritt. Und Degenkolb beklagte - sicher auch ein wenig pro domo - , dass viele Eltern ihren Kindern das Erlebnis des Sparens vorenthielten, weil sie nur noch Online-Konten hätten. Es sei eben etwas anderes, wenn ein Kind beim Sparbuch eine Urkunde mit dem eigenen Namen erhalte und sehen könne, wie sein Vermögen wachse, bis es sich davon selbst einen kleinen Wunsch erfüllen könne.

          Komplizierter war die Frage, wie Eltern etwas für ihre Kinder zurücklegen können, ohne durch die Niedrigzinsen Geld zu verlieren. Gerade auf dem Sparbuch, aber auch mit Tagesgeld bekommen die Kunden derzeit schließlich weit weniger als ein Prozent - der Lage am Kapitalmarkt angepasst, wie Aragón und Degenkolb betonten. Wer etwas mehr Zinsen bekommen wolle, bei ähnlicher Sicherheit, dem empfahl Aragón Sparpläne, deren Zinssätze über mehrere Jahre nach und nach steigen. Auch mit Bausparverträgen lasse sich über Boni und Treueprämien mehr holen als etwa mit Tagesgeld.

          Braunberger warnte davor, in längerfristige Anlageprodukte zu investieren, deren Zinssätze in diesen Zeiten allgemein niedriger Zinsen festgelegt würden. Hausbauer, die Kredite nähmen, sollten sich dieses Zinsniveau auf möglichst lange Zeit sichern, Anleger aber nicht. Er wies allerdings auch darauf hin, dass Anleger in den vergangenen Jahrzehnten mit reinen Zinsprodukten auch in Zeiten höherer Zinssätze unterm Strich oft Geld verloren hätten, weil zu gleichen Zeit die Preise schneller gestiegen seien. Er rate daher immer dazu, Anlageprodukte, die regelmäßige Zinsen einbrächten, wie Sparbücher und Tagesgeld, zu kombinieren mit Investitionen etwa in Aktien und Fonds. Mit einer Aktie beteilige man sich an einem produktiven Unternehmen und erhalte neben möglichen Kurssteigerungen regelmäßig Dividenden, die teils höher ausfielen als Tagesgeldzinssätze. In einen Fonds zu investieren, der auf Aktien von vielen großen, internationalen ausgerichteten Unternehmen setze, sei nicht unsicherer, als das Geld einer Bank anzuvertrauen.

          Auch Degenkolb wies darauf hin, dass eine Investition etwa in den Deutschen Aktienindex Dax, über die vergangenen 25 Jahre betrachtet, trotz aller Krisen eine durchschnittliche Rendite von sieben Prozent erbracht habe. Als gute Verbindung von beiden Anlageformen bezeichneten alle drei Teilnehmer Mischfonds, die sowohl in Aktien als auch in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Ob ein Fonds von einem Manager betreut werde oder einfach die Kursentwicklung etwa des Dax abbilde, mache von der Rendite her in vielen Fällen keinen Unterschied, wie Braunberger sagte.

          Gesundes Misstrauen

          Ein Vorteil von Eltern, die für ihre Kinder Geld ansparen, liegt darin, dass sie einen relativ langen Anlagezeitraum haben, so dass ein kurzfristiges Absacken der Aktienkurse nicht gleich zu Verlusten führen muss. Die Bankvertreter rieten aber dazu, sich erst einmal genau zu überlegen, für wie lange das Geld angespart werden soll. Soll das Kind mit 14 Jahren zur Konfirmation eine gewisse Summe bekommen, oder erst mit 18 zum Abitur? In so langen Zeiträumen könne man durchaus unterschiedliche Sparprodukte verwenden, sagte Aragón. Eines sei klar: Je früher Eltern anfangen mit dem Sparen, desto mehr kommt zusammen.

          Zum Ende der Veranstaltung, die im Rahmen der Spendenaktion „F.A.Z.-Leser helfen“ stattfand, fragte Moderator Manfred Köhler, Redakteur dieser Zeitung: „Wie findet man einen guten Anlageberater?“ Braunberger kannte auf jeden Fall ein Ausschlusskriterium: „Glauben Sie keinem, der Ihnen sagt, er wisse, wie sich morgen die Märkte entwickeln.“ Ein guter Anlageberater müsse vielmehr eine klare Strategie erarbeiten, die zum Zeitplan der jeweiligen Familie passe und zu ihrer Risikoneigung. Schließlich gilt immer der Grundsatz: je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Wenn man sich einmal eine Strategie überlegt habe, sei das konkrete Produkt, in das man investiere, gar nicht mehr so wichtig.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden, die dem Kinderschutzbund in Frankfurt und Cargo Human Care für ein Jugendhaus in Nairobi zugute kommen.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte auf die Konten: - Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00) IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11 oder

          Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01) IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden. Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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