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F.A.Z.-Leser helfen : Ein Businessplan für Straßenkinder

  • -Aktualisiert am

Arbeit: Schon Kinder müssen in Guwahati Felsbrocken zur Steinmühle schleppen Bild: Wolfgang Eilmes

Martin Kasper hörte als Unternehmensberater auf und gründete eine Stiftung. Sein Wissen kommt nun Kindern in Indien zugute. Im Nordosten des Landes will er in zwei Jahren 30 neue Schulen bauen. Die F.A.Z. bittet um Spenden.

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          Jedes Kind hat einen Traum. Jedes von ihnen weiß, was es einmal werden will: Lehrerin, Grenzschützer, Priester, Polizist. Die Kinder stehen in einer langen Reihe, in Schuluniformen aus gelben Poloshirts und grauen Hosen oder Röcken, die Haare gekämmt. Dem Besuch aus Deutschland haben sie zwei Willkommenslieder gesungen, und nun sagt jedes Kind artig „Namaskor“, die Begrüßung in Nordostindien.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von ganz normalen Kindern unterscheidet sie nur der Hintergrund – ein riesiger Hügel aus Schotter. Darauf sitzen ihre Familien, ihre Mütter in verstaubten Saris mit Neugeborenen auf den Armen, ihre älteren Geschwister, die schmutzig von der Arbeit sind. Stolz sehen sie zu, wie die Kinder auf Englisch mit den Besuchern reden. Doch dann werden sie unruhig. Ein Lastwagen mit Felsbrocken fährt vor. Keine Zeit mehr. Sie müssen zurück an die gigantische Maschine, die Steinmühle, die sie von frühmorgens bis abends mit Felsbrocken füttern müssen, damit sie unten zerschredderte Kiesel ausspuckt.

          „Sehr gute Auswahl“, raunt Martin Kasper seinen Partnern vom Don-Bosco-Orden zu. Solche Kinder möchte er erreichen. Den ärmsten Straßenkindern der indischen Großstadt Guwahati möchte der Königsteiner mit seiner Stiftung Childaid Network einen ersten Schritt in ein besseres Leben ermöglichen, indem er zusammen mit dem Salesianer-Orden Slum-Schulen einrichtet. Die Kinder von der Steinmühle haben die Ordensleute als Pilotschule ausgewählt. In einem nicht genutzten Raum einer nahegelegenen Privatschule sollen sie ein paar Stunden am Tag Ruhe und Geborgenheit finden, singen, spielen und ein wenig lesen und schreiben lernen. Gut 30 solcher Schulen sollen in den nächsten zwei Jahren entstehen, für vorerst 1500 Straßenkinder. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bittet mit der Aktion „F.A.Z-Leser helfen“ nun um Spenden für das Projekt.

          Als rechtlose Billigarbeiter ausgebeutet

          An Orten wie dem Schotterberg, zu dessen Füßen die Familien in winzigen Wellblechhütten leben, ist normalerweise an Schulbesuche nicht zu denken. Die Uniformen, Bücher und Hefte können sich die Familien nicht leisten. Ein Arbeiter verdient kaum einen Euro am Tag. Schon Kinder müssen Steine schleppen.

          Es gibt in Guwahati viele solcher Orte. Die größte Stadt des Bundesstaats Assam wächst rasant. Der äußerste Nordosten Indiens war bis vor wenigen Jahren regelrecht abgeriegelt. Der Aufschwung des Landes kam hier nicht an, internationale Hilfe auch nicht. Im Umland schwelen ethnische Konflikte, die immer wieder in Gewalt ausbrechen. Aus Gebieten wie Bodoland, wo militante Gruppen nach Unabhängigkeit streben, aus dem nahen Bangladesch und den ärmlichen Himalaja-Regionen – von allen Seiten strömen Menschen nach Guwahati, in der Hoffnung auf Arbeit und Essen, ein besseres Leben.

          Schule: Martin Kasper (rechts) leitet kleine Kinder in den Unterricht um
          Schule: Martin Kasper (rechts) leitet kleine Kinder in den Unterricht um : Bild: Wolfgang Eilmes

          Doch die meisten bleiben in den Slums rund um den Bahnhof hängen oder werden wie die Familien an der Steinmühle als rechtlose Billigarbeiter ausgebeutet. Viele Kinder verlieren früh ihre Eltern an Krankheiten oder Unfälle. Tausende von ihnen leben ein erbärmliches Leben in Schmutz und täglicher Lebensgefahr. Martin Kasper reist seit mehr als 30 Jahren regelmäßig nach Indien, hat schon fast alle Ecken des Landes gesehen.

          Im Herzen ein Berater

          Die Armut in den Slums von Guwahati hat ihn dazu bewegt, 2006 sein altes Leben hinter sich zu lassen: Bis dahin war der gelernte Ingenieur Partner in der Unternehmensberatung Accenture. Dann, gerade 48 Jahre alt, verkaufte er seine Anteile und ist seitdem „vermögend unabhängig“, wie er es ausdrückt. Doch statt sich und seinen Kindern ein Leben in Saus und Braus zu gönnen, hat er 2007 gemeinsam mit seiner Frau die Stiftung Childaid Network gegründet.

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