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F.A.Z.-Leser helfen : Ein Businessplan für Straßenkinder

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Auf einer seiner Reisen hatte er Pater Lukose Cheruvalel von Don Bosco kennengelernt, der sich seit Jahren für die Straßenkinder Guwahatis engagiert und fast im Alleingang fünf Waisenhäuser aufgebaut hat. Sein Ziel sei es, so hat er es Kasper gesagt, Guwahati zu einer kinderfreundlichen Stadt zu machen. „Willst du das wirklich erreichen?“, fragte Kasper. „Dann müssen wir das anders angehen.“ In seinem Herzen ist Kasper nach wie vor Berater. Er will Prozesse optimieren, Arbeitsschritte effizienter machen, Erreichtes überprüfen und nachjustieren. Er will mit möglichst wenig Geld möglichst viele Kinder erreichen, vor allem über die Vernetzung bestehender Angebote. Die Ordensleute hat er mit anderen Gruppen zusammengebracht – auch hier gibt es Lions Clubs und Rotarier. Statt Schulen aufzubauen, sollen die Salesianer bestehende Räume unentgeltlich organisieren.

Den Ordensleuten sagt er offen, wenn ihm ein Mitarbeiter nicht tüchtig genug erscheint. Er drängelt, wenn er Schlendrian wittert. Zum Beispiel wenn es um die veraltete Ausbildungswerkstatt geht, die Childaid neben den Slum-Schulen ebenfalls gemeinsam mit Don Bosco auf Vordermann bringen will. Geeignete Maschinen erst im nächsten Jahr suchen, wenn die Spendengelder da sind? Warum nicht gleich jetzt Angebote einholen, sich nach guten gebrauchten Geräten umschauen, damit man im nächsten Jahr gleich zuschlagen kann? Der zuständige Pater solle ihn auf dem Laufenden halten.

Träume von einer schöneren Zukunft

Die Inder sind erstaunt darüber, wie viel Kasper bewegt, wenn er wieder einmal ein oder zwei Wochen in der Stadt ist. Wenn sie sich morgens um sieben zum Frühstück treffen, hat der Deutsche auf seinem Zimmer schon Berichte vorbereitet, auf den Jeep-Fahrten zwischen zwei Terminen diskutiert er konzentriert das weitere Vorgehen. Nach dem Abendessen will er das Erlebte noch einmal durchsprechen. Nicht jeder hält das durch. Pater Lukose nimmt es gelassen. Er behält sein Tempo, indisch gemächlich, und lächelt dabei freundlich. Kasper nennt ihn gerne einen „Heiligen“. Kracht es nicht manchmal, wenn zwei solche Mentalitäten aufeinanderprallen? Nein, sagt Lukose, die Zusammenarbeit sei befruchtend.

Auch in Deutschland hilft Kasper seine Berater-Vergangenheit. Unter Bankern, Unternehmern und Stiftern des Rhein-Main-Gebiets ist er bestens vernetzt. Bekannte Gesichter vom DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch bis Karl Kardinal Lehmann lassen sich lobend in den Broschüren zitieren. Chefs von Dax-Konzernen sammeln auf ihren Geburtstagsfeiern Geld für die Stiftung, bei Accenture konnten die Mitarbeiter ihr Weihnachtsgeld spenden. Solche Aktionen sorgen für steiles Wachstum. 2013 konnte die junge Stiftung schon 900.000 Euro in Projekte stecken, fast dreimal so viel wie noch 2010. Nur fünf Prozent des Gesamtbudgets gingen für die Verwaltung drauf, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Vorsitzende bis vor kurzem fast alles allein oder mit der Hilfe von Freiwilligen gemacht hat.

Die Kinder von der Steinmühle profitieren schon jetzt von dem Einsatz. Der Raum in der Privatschule, in den sie die Ordensschwestern nun morgens bringen, liegt nur einen kurzen Fußmarsch von dem großen Schotterberg entfernt. Hier gibt es keine gebrochenen Beine, keine Angst vor Kobras, keine Staublunge, sondern Gesang, Gelächter – und Träume von einer schöneren Zukunft.

F.A.Z.-Leser helfen

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden, die der Notfallseelsorge in Frankfurt und dem Childaid Network für Hilfe in Guwahati zugutekommen.

Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

  • Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank, BLZ 501 900 00
  • Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01

Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht.

Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten.

Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, wird eine Spendenquittung zugeschickt.

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