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Extremisten in Wuppertal : Zwei lahme Haufen ziehen in die Schlacht

Polizei schirmt Salafisten während einer gleichzeitigen „Pegida“-Demonstration am Samstag in Wuppertal ab. Bild: AP

In Wuppertal demonstrierten Pegida-Anhänger und Salafisten gegeneinander. Doch es kommen auf beiden Seiten viel weniger Leute als gedacht. Nach ein paar Stunden ist der Spuk vorbei.

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          Vielleicht 20 oder 30 junge Männer, manche in weiten Hosen, manche in weißen Gewändern, viele mit Möchtegern-Vollbärten im Gesicht, stehen ratlos um den Bergischen Löwen auf dem Wuppertaler Willy-Brandt-Platz herum. Gleich soll ihr Idol Sven Lau eine Solidaritätsdemonstration für muslimische Gefangene abhalten. Es ist wieder so eine Idee von Lau, dem Salafisten-Prediger aus Mönchengladbach. Seit einigen Wochen wirbt der Konvertit für die Aktion im Internet. Aber jetzt ist er immer noch nicht da. Wahrscheinlich hätte kaum jemand von der Sache Notiz genommen, wenn die zuletzt kläglich dahindümpelnden „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands“ nicht zu einer Gegendemonstration aufgerufen hätten.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Wuppertal soll der Neustart für Pegida werden. Und damit es wirklich klappt, will Lutz Bachmann, das Pegida-Original aus Dresden, an der Wupper zu seinen Anhängern sprechen und danach noch durch die Stadt „spazieren“, so nahe wie möglich heran an die Salafisten.

          Es ist das erste Mal, dass Salafisten und Pegida-Anhänger in derselben Stadt zur selben Zeit auf der Straße sein wollen. Von Angesicht zu Angesicht, von Feindbild zu Feindbild. Von Lau zu Bachmann. Eigentlich merkwürdig, dass die gegnerischen Geschwister im Geiste nicht früher auf die Idee gekommen sind. Und weil sich auch die berüchtigten „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) angekündigt haben, schätzt die Polizei die Lage als brenzlich ein. Ende Oktober hatte sich in Köln eine „Hogesa“-Kundgebung mit 4800 Hooligans und Rechtsextremisten aus ganz Deutschland kurz nach Beginn in einen wüsten Kampf gegen die Polizei entwickelt. In Wuppertal ist schon am Samstagmittag die Innenstadt abgeriegelt. In manchen Straßen stehen mehrere Reihen Absperrgitter. An den Kreuzungen, wo sich die beiden Demonstrationszüge auf Sicht- und Rufweite annähern könnten, haben Wasserwerfer Position bezogen. Die Polizei hat vorgesorgt.

          Polizisten versuchen, Salafisten vor Gegendemonstranten zu schützen.
          Polizisten versuchen, Salafisten vor Gegendemonstranten zu schützen. : Bild: dpa

          Lau und Bachmann, das sind auf jeweils eigene Weise Gescheiterte. Der frühere Berufsfeuerwehrmann Sven Lau aus Mönchengladbach trat vor einigen Jahren zum Islam über. Er ließ sich einen langen Bart wachsen, nannte sich Abu Adam und entwickelte sich neben Pierre Vogel zu einem der bekanntesten Salafistenführer in Deutschland. Seinen Verein „Einladung zum Paradies“ musste er 2011 nach Bürgerprotesten auflösen. Im vergangenen Jahr saß Lau in Untersuchungshaft, weil Ermittler ihn verdächtigten, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe die Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu unterstützen. Doch die Erkenntnisse der Ermittler reichten nicht aus. Der Salafist musste nach ein paar Monaten wieder freigelassen werden.

          Lau ließ sich in Wuppertal nieder; Vogel und er versuchten, Anhänger um sich zu scharen. Im Herbst ließ Lau einige seiner islamistischen Jünger in orangefarbenen Warnwesten mit der Aufschrift „Scharia-Polizei“ patrouillieren – eine gezielte Provokation. In Wuppertal forderten die selbsternannten Sittenwächter junge Leute vor Spielhallen, Sonnenstudios und Diskotheken auf, keinen Alkohol zu trinken, kein Glücksspiel zu betreiben und keine Musik zu hören. Zwei Bundesminister sahen sich genötigt, die Aktion mit scharfen Worten zu verurteilen. Es war der bisher größte Propaganda-Erfolg des Konvertiten. Seither war es ruhig um Lau. Sein „Schulungszentrum“ in Wuppertal gibt es nicht mehr. Der Vermieter kündigte aus baurechtlichen Gründen. Nun konnte Lau nichts Besseres passieren als die Ankündigung von Pegida, gegen seinen Wuppertaler Aufmarsch zu demonstrieren. Aber seine jungen Brüder stehen immer noch ratlos um den bergischen Löwen herum. Warten auf Lau. Bereitschaftspolizisten haben den Willy-Brandt-Platz abgeriegelt, damit sich die verfeindeten Lager fern bleiben.

          Auch auf der anderen Seite der Wupper gibt es für die Teilnehmer der Pegida-Demonstration scharfe Einlasskontrollen. Vorwiegend junge Männer mit sehr kurz geschnittenen Haaren sind es, die sich in zwei Polizeizelten durchsuchen lassen müssen. Manche in der Warteschlange sind ungeduldig. „Hooligans Deutschland“ rufen sie. Zwei Glatzköpfige halten ein Transparent mit der Aufschrift „Berserker Pforzheim“ hoch. Dann bricht ein kleiner, noch nicht kontrollierter Trupp durch die Absperrung. Pegida besteht in Wuppertal nicht aus Wutbürgern, sondern aus Hooligans. Immer wieder brüllen sie ihren Schlachtruf „Ahu, Ahu!“ oder „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen.“

          Es ist eine seltsame Dialektik zwischen Salafisten und Pegida. Auch Pegida braucht dringend eine Frischzellenkur. Bachmann allein reicht selbst in Dresden nicht mehr, um Massen zu mobilisieren. Lutz Bachmann ist der Kopf von Pegida in Dresden. In den besten Zeiten nahmen an den „Abendspaziergängen“ von Pegida bis zu 25000 Leute teil. Dass der frühere Koch eine „Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten“ fordert, aber selbst wegen Diebstahls und Rauschgiftdelikten mehrfach vorbestraft ist, hat seine Anhänger nie gestört. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Bachmann im Internet als Hitler posiert und Asylbewerber unter anderem als „Gelumpe“, „Dreckspack“ und „Viehzeug“ bezeichnet hatte. Wenig später spaltete sich Pegida. Beim Versuch, sich im Westen zu etablieren, waren die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ nicht erfolgreich. Zu verschiedenen Demonstrationen in Düsseldorf, Bonn und Köln fanden nur wenige Unterstützer den Weg. Stets war die Zahl der Gegendemonstranten um ein Vielfaches höher. Noch vor dem Dresdner „Pegida-Schisma“ kam es dann zum Zerwürfnis beim nordrhein-westfälischen Ableger. Seither machen sich „Dügida“ in Düsseldorf und „Pegida NRW“ in Duisburg mit jeweils von Rechtsextremen gesteuerten Klein-Demonstrationen gegenseitig Konkurrenz.

          „Ahu, ahu“

          Nun ist Pegida NRW fest entschlossen, die Chance zum Neustart zu nutzen. „Achtung: Generalmobilmachung! Bundesweiter Aufruf!!“ ist der Facebook-Eintrag überschrieben, mit dem Pegida seit einer Woche wirbt. „Die Freiheit Deutschlands wird am 14.3.2015 in Wuppertal verteidigt werden!“ Die 450, die dann zusammenkommen, sind überwiegend Hooligans. Lutz Bachmann, der aus seinem schönen Dresden wirklich anders gewöhnt ist, freut sich trotzdem: „Schön, dass ihr so zahlreich erschienen seid.“ Er hält dann seine übliche Rede über die angeblich flächendeckende Islamisierung. „Wir sind das Volk!“ rufen seine Anhänger. „Ahu, Ahu“, brüllen die Hooligans. Am Rand pinkeln zwei junge Retter des Abendlands an die Scheibe eines Geschäfts.

          Auf dem Willy-Brandt-Platz stehen die jungen Salafisten immer noch herum. Ein junger Mann telefoniert aufgeregt mit Sven Lau. „Ja, Bruder, beeil dich“, ruft er in sein Handy. Lau steckt noch im Verkehr. Auf der anderen Seite der Wupper werfen ein paar vermummte Hooligans Flaschen und Böller auf Polizisten. Die Polizei stoppt daraufhin die Pegida-Demonstration. Dann erklären deren Veranstalter sie für beendet.

          Um kurz vor 17 Uhr ist Lau endlich am bergischen Löwen angekommen. Er jammert über die scharfen Kontrollen. Eine Diskriminierung von Muslimen sei das. Auch den Namen Salafisten habe man ihm und seinen Leuten nur gegeben, um sie zu stigmatisieren.

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