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Extremflieger Klaus Ohlmann : Um den Mount Everest segeln

  • -Aktualisiert am

Bild: Foto by Klaus Ohlmann

Mit einem Motorsegler ist der Extremflieger Klaus Ohlmann im Himalaja auf gut 8000 Meter gestiegen. Dort fotografierte er den höchsten Berg der Welt für ein neues 3D-Modell. Das Ziel: den Katastrophenschutz zu verbessern.

          3 Min.

          Klaus Ohlmann ist ein Mann der Rekorde. So musste auch sein Ausflug zum Mount Everest einzigartig werden. Während die meisten Gipfelstürmer zu Fuß und am Seil gesichert die 8848 Meter zur Spitze erklimmen, gleitet der 61 Jahre alte Deutsche federleicht mit einem Motorsegler durch das Himalaja-Gebirge, am vergangenen Wochenende auch um den höchsten Berg der Welt. Mit einer Spezialkamera machte der gelernte Zahntechniker dabei hochauflösende Aufnahmen, die Grundlage für ein neues 3D-Modell der Region werden sollen. Das Ziel: besserer Katastrophenschutz, schnellere Notfalleinsätze.

          Auch Tage nach dem Extremflug ist Ohlmann noch nicht recht wieder auf der Erde zurück. „Es war ein überwältigender Blick vom Dach der Welt bis hinein nach Tibet“, berichtet er. „Bei Lukla habe ich den Motor abgestellt. Unterhalb von 6000 Metern gab es kaum Wind, die Thermik war schwierig.“ Zwischen dem 7000 Meter hohen Pumori und dem Eingang zum Khumbu-Gletscher hatte er dann Glück. „Im Hangwind entlang des unteren Everest-Grats zu surfen war unglaublich schön.“

          „Es ist wie Surfen auf einer riesigen Welle“

          Die Windgeschwindigkeiten um den Gipfel des Mount Everest betragen mehr als 100 Kilometer pro Stunde. Für Ohlmann in seinem Motorsegler vom Typ Stemme S10VTX waren die Bedingungen ideal. Eineinhalb Stunden Anflug benötigten er und sein Kopilot Jona Keimer. Für den Aufstieg zum Everest-Gipfel nutzte Ohlmann die sogenannten Mountain Waves – atmosphärische Scherungswellen, die es dem Segelflugzeug ermöglichen, schrittweise an Höhe zu gewinnen. Könner des Segelflugs nutzen diese wellenförmigen Strömungen, um extrem schnell voranzukommen. „Es ist wie Surfen auf einer riesigen Welle“, beschreibt Ohlmann das Phänomen. „Die Kraft der Welle trägt dich immer weiter nach oben.“

          Selfie ganz oben: Klaus Ohlmann auf Extremflug am Mount Everest
          Selfie ganz oben: Klaus Ohlmann auf Extremflug am Mount Everest : Bild: Foto by Klaus Ohlmann

          Die Steiggeschwindigkeiten betragen mitunter bis zu 15 Meter in der Sekunde. Der Pilot und das Flugzeug werden nach oben katapultiert – oder auch nach unten. „Es kommt vor, dass es mit einem Schlag 1000 Meter runtergeht“, sagt Ohlmann. „Da ist schon der eine oder andere Passagier gegen die Decke geknallt. Passagierflugzeuge sind deshalb schon abgestürzt.“ Dass ein Segelflugzeug in solch extremer Umgebung nicht zerbricht, liegt an der großen Stabilität der Maschinen. Sie sind zweieinhalb Mal stabiler als ein Passagierflugzeug.

          Ohlmanns Liaison mit dem Segelflug begann mit einem Zufall. Seine Leistungen in der Schule waren nicht sonderlich gut, er ging nach der Mittleren Reife ab und machte eine Lehre als Zahntechniker. In der Abendschule holte er später das Abitur nach und studierte Zahnmedizin. Bei einem Doppelsitzer-Flug entdeckte er seine Leidenschaft für das Segelfliegen. Vor ein paar Jahren gab Ohlmann schließlich seine Praxis in Stockstadt in der Nähe von Aschaffenburg auf und eröffnete im südfranzösischen Serres eine Segelflugschule. Dort unterrichtet und trainiert er Neulinge und Profis.

          Extrem gefährliche Flüge

          Gibt Ohlmann mal nicht Flugunterricht, dann ist er auf Rekordjagd, auf Flügen an die Grenzen des Menschen und der Technik. Mehr als 40 Rekorde hat er gebrochen, darunter 2003 den längsten Segelflug der Welt. Auf einer Strecke mit drei Wendepunkten landete er seinen Gleiter erst nach 3008 Kilometern. Im Dezember 2006 flog er 500 Kilometer so schnell wie kein anderer zuvor, mit 306,8 Kilometern pro Stunde – im Durchschnitt. Die Spitzengeschwindigkeit lag wesentlich höher. „Es gibt Leute, die halten so etwas für nicht machbar“, sagte Ohlmann dieser Zeitung schon vor Jahren. „Aber es ist machbar, wenn man sich technisch richtig vorbereitet.“

          Solche Flüge in motorlosen Flugzeugen sind aber extrem gefährlich. Von einem bestimmten Tempo an besteht die Gefahr, dass das Fluggerät zerbricht, weil die Schwingungen zu stark werden. Flüge am Mount Everest gehören in diese „Gefahrenklasse“. In Höhen von 8000 Metern und bei Temperaturen von minus 35 Grad geht auch Ohlmann an seine Grenzen. Dieses Mal verlief das Abenteuer am höchsten Berg der Welt jedoch ziemlich ruhig. Die Bedingungen für den Flug des Mountain Wave Project (MWP) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) waren fast optimal. „Ausgeprägte und an diesem Tag nahezu turbulenzfreie Hangaufwinde halfen uns, sehr schnell aufzusteigen.“

          Auch unterhalb der Tragfläche lief alles reibungslos. Dort verrichtete die DLR-Spezialkamera „Macs“ (Modular Aerial Camera System) ihre Arbeit. Wegen des niedrigen Luftdrucks und der extremen Kälte wurde die 3D-Spezialkamera in einem eigens angefertigten druckfreien Behälter montiert. Zuvor war sie in mittleren Höhen über den Alpen in Unterdruckkammern getestet worden. Die extremen Lichtverhältnisse waren aber die größte Herausforderung, wie Projektleiter Jörg Brauchle vom DLR-Institut für Optische Sensorsysteme auf der DLR-Internetseite erklärt. Die Aufnahmetechnik wurde den Besonderheiten des Hochgebirges angepasst: Drei seitlich gegeneinander geneigte Kameraköpfe erfassen ein Sichtfeld von 120 Grad und können steile Hänge hochauflösend aufnehmen – etwa am Fluss Kali Gandaki, der zwischen Dhaulagiri und Annapurna die tiefste Schlucht der Welt bildet: knapp sechs Kilometer vom Gipfel zur Sohle. „6400 Meter über dem Kali-Gandaki-Tal konnten wir erstklassige multispektrale Aufnahmen mit einer Auflösung von bis zu 20 Zentimetern gewinnen.“

          Mit den Aufnahmen soll ein möglichst genaues 3D-Modell der nepalischen Everest-Region angefertigt werden. Die Bildauflösung ermöglicht dabei eine Gebietserfassung mit einer Abweichung von nur wenigen Zentimetern. Gletscherforscher sollen dank der 3D-Aufnahmen Hangrutsche, Lawinenabgänge und Überflutungen aus Gletscherseen in Zukunft besser vorhersagen können.

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