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Extrembergsteigen : Achttausender-Jagd im Himalaja

  • -Aktualisiert am

Ralf Dujmovits ist der erste Deutsche, der alle 14 Achttausender-Gipfel bestiegen hat Bild:

Der 47 Jahre alte Extrembergsteiger Ralf Dujmovits ist der erste Deutsche, der alle 14 Achttausender-Gipfel bestiegen hat. Seine Ehefrau, Gerlinde Kaltenbrunner, bezwang jetzt den Lhotse und damit ihren zwölften Achttausender.

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          Es ist eine merkwürdige Situation. Seit Mittwoch ist der 47 Jahre alte Extrembergsteiger Ralf Dujmovits nun der erste Deutsche, der alle 14 Achttausender-Gipfel bestiegen hat. An diesem Tag erreichte er zusammen mit seiner Ehefrau Gerlinde Kaltenbrunner und seinen bewährten Begleitern David Göttler und Hirotaka Takeuchi den 8516 Meter hohen Gipfel des Lhotse, des vierthöchsten Berges der Welt.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          So richtig nach Feiern aber ist ihm trotz dieser Leistung noch nicht. Denn die Liste seiner Gipfelerfolge hat - zumindest aus seiner eigenen Sicht - einen Makel: Die Besteigung des Mount Everest gelang ihm bislang nur mit Hilfe eines Sauerstoffgeräts. Eine Vorgehensweise, von der er inzwischen abgerückt ist. Doch damals, im Jahr 1992, so sagte er vor dem Start der Lhotse-Expedition, sei eben die Versuchung noch größer gewesen. „Erst wenn er den Everest ohne Sauerstoff geschafft hat, will er die Sektkorken knallen lassen“, sagt Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein.

          Besteigung des Mount Everest und des K2

          Was Dujmovits, der in Bühl im Schwarzwald eine Alpinschule betreibt, mit der Lhotse-Besteigung erreicht hat, ist dennoch bemerkenswert. Neben ihm gelang es bislang erst 15 weiteren Bergsteigern, alle Achttausender zu besteigen, nur acht von ihnen schafften es ohne künstliche Zufuhr von Sauerstoff. Der Erste war 1986 der Italiener Reinhold Messner, knapp gefolgt von dem Polen Jerzy Kukuczka.

          Seine Ehefrau, Gerlinde Kaltenbrunner, bestieg mit ihm den 8516 Meter hohen Gipfel des Lhotse

          Zu einem ähnlichen Wettlauf in der Höhe könnte es nun auch bei den Frauen kommen - auch wenn die Bergsteigerinnen selbst ein solches Konkurrenzverhältnis bestreiten. Zwei Tage nachdem die Spanierin Edurne Pasaban als erste Frau der Welt zwölf Berge über 8000 Meter Höhe bestiegen hatte, bezwang Gerlinde Kaltenbrunner nun den Lhotse und damit ebenfalls ihren zwölften Achttausender. Damit fehlt der Österreicherin noch die Besteigung des Mount Everest und des K2, dann hätte sie alle 14 Achttausender bezwungen.

          Gipfelgang wegen Sturms abgebrochen

          Edurne Pasaban hatte am Montag den Gipfel des Kangchendzönga im Himalaja erreicht. Ebenfalls an diesem 8595 Meter hohen Berg in Nepal unterwegs ist die Italienerin Nives Meroi, die bislang elf Achttausender bestiegen hat. Sie musste den Gipfelsturm jedoch wegen gesundheitlicher Probleme ihres Ehemannes Romano Benet, der sie bei der Bergtour begleitet, abbrechen und wieder in das Basislager absteigen. Im dritten Anlauf gelang der 38 Jahre alten Gerlinde Kaltenbrunner der Aufstieg auf den Lhotse. „Die Bedingungen waren gut, aber sehr kalt“, sagte sie kurz vor dem Abstieg zurück ins Basislager.

          Vor drei Jahren hatte sie zusammen mit Dujmovits und Takeuchi 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren müssen, da bei viel Neuschnee nur zwölf Tage nachdem sie den Kangchendzönga bestiegen hatten, die Kraft zu Ende war. Im Mai vergangenen Jahres dann musste sie den Gipfelgang wegen Sturms und schlechten Wetters auf einer Höhe von rund 8150 Metern abbrechen. Nun will sie als nächstes den K2 besteigen, vielleicht schon im Sommer.

          Zeichen gegen den Klimawandel

          Seit Ende April läuft die Bergsteigersaison im Himalaja, in den Basislagern der Berge rüsten sich Extremsportler aus aller Welt für den Gipfelsturm. „Für rund einen Monat besteht dann ein Zeitfenster für den Aufstieg, weil die Höhenwinde in dieser Zeit nicht so stark sind“, sagt Thomas Bucher. Die Gefahren bleiben allerdings bestehen. Denn auch vor den höchsten Bergen der Welt macht der Klimawandel nicht Halt. Die Bergsteiger am Mount Everest, dem mit 8850 Metern höchsten Berg der Welt, berichten in diesem Jahr von besonders heftigen Lawinenabgängen, die in diesem Jahr schon Menschenleben forderten. Auf der Westseite des Mount Everest wurde der Sherpa Lhakpa Nuru am Khumbu-Gletscher von einer Lawine erfasst und in die Tiefe gerissen.

          Auch Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits mussten am Lhotse lange im Basislager ausharren und auf ein Schönwetterfenster warten. Auf die Aufstiegsroute gingen immer wieder große Eistürme nieder, die einen Sherpa das Leben kosteten. Ein Zeichen gegen den Klimawandel setzte Sherpa Apa. Der Weltrekordhalter, der in der Nacht zu Donnerstag zum 19. Mal den höchsten Berg der Erde erklomm, hielt auf dem Gipfel des Mount Everest ein Transparent in die Höhe, auf dem stand: „Stoppt den Klimawandel, lasst den Himalaja leben!“

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