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Die Nasennebenhöhlen : Höhlenmensch

Ein vielschichtiges und komplexes System. Forscher haben mehrere Hypothesen, warum wir in der Nase acht Hohlräume haben. Bild: Valentine Edelmann

Die Nasennebenhöhlen geben selbst Experten noch immer Rätsel auf. Nur eins weiß man mit Sicherheit: Ihr Einfluss auf die Freude am Leben kann enorm sein.

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          Ein Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, Sie wären Höhlenforscher, genau genommen Körperhöhlenforscher. Dann wäre eine der ambitioniertesten Aufgaben in Ihrem Job, mit der Stirnlampe auf dem Kopf die Nasennebenhöhlen zu erforschen. Die machen ihrem Namen nämlich alle Ehre, wenn man davon ausgeht, dass Höhlen per se als unzugängliche, tiefe, dunkle Räume gelten. Die Nasennebenhöhlen bilden ein verwinkeltes System auf engstem Raum, das im menschlichen Körper seinesgleichen sucht. Sie sind selbst für gute Chirurgen nur schwer zugänglich und einsehbar.

          Lucia Schmidt
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aufbau und Größe der Nasennebenhöhlen können von Mensch zu Mensch variieren; mal hier, mal da halten sie in ihrer Anatomie für die Forscher Überraschungen parat. Um von der einen Höhle zur anderen zu gelangen, müssen enge Gänge überwunden werden. Der Zugang zu ihnen ist eigentlich nur über die Nasenlöcher möglich, und hat man die Nebenhöhlen erreicht, erwartet einen ein düsteres, schleimiges Klima. Der Frischluftaustausch ist überraschend bescheiden, und wenn Sie als Forscher herausfinden würden, aus welchem Grund und mit welchem Zweck die Nebenhöhlen genau dort im Schädel entstanden sind, könnten Sie sich einen Namen im eingeschworenen Kreis der Körperhöhlenforscher machen. Gedankenspiel beendet. Stirnlampe abnehmen und staunen.

          Tatsächlich, trotz moderner Radiologie, präzisen Operationsverfahren und zahlreichen Hals-Nasen-Ohren-Professoren, die an ihren Lehrstühlen kräftig forschen, gibt es bis heute keinen bis ins Letzte wissenschaftlich plausiblen Beweis, warum wir Nasennebenhöhlen besitzen. Weil die Natur den Menschen ansonsten aber klug konstruiert hat und weil Mediziner nicht nur in den Wintermonaten mit Menschen zu tun haben, die unter entzündeten Nasennebenhöhlen leiden, gibt es natürlich einige Hypothesen, warum wir die acht Hohlräume haben.

          Hypothese Nr. 1: Sie dienen zur Stickstoffmonoxid-Produktion und -Speicherung. Das Gas wird der eingeatmeten Luft beigemischt. In der Lunge selbst wirkt es vernichtend auf Krankheitserreger und stellt die Luftwege weit. Der Luftaustausch in den Lungenbläschen kann effektiver stattfinden. Mediziner sprechen von einer „pulmoprotektiven“ Wirkung des Stickstoffmonoxids.

          Hypothese Nr. 2: Die Nasennebenhöhlen dienen zur Stimmbildung, praktisch als Resonanzräume. Man würde anders klingen, wenn man die Nasennebenhöhlen nicht hätte.

          Hypothese Nr. 3: Durch die Hohlräume im Schädel wird der Schädel leichter.

          Hypothese Nr. 4: Durch die Hohlräume wird der Schädel, insbesondere der Teil, der das Gehirn umgibt, bei Stürzen und Schlägen auf den Kopf wie durch einen Airbag vor Verletzungen geschützt.

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