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Sexualverbrechen : Harvey Weinstein zu 23 Jahren Haft verurteilt

  • -Aktualisiert am

Wurde zu 23 Jahren Haft verurteilt: Harvey Weinstein Bild: AP

Der frühere Hollywood-Produzent Harvey Weinstein muss wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung für 23 Jahre ins Gefängnis. Richter James Burke verkündete das Strafmaß am Mittwoch in New York.

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          Die Bitte der Verteidigung, Milde gegenüber Harvey Weinstein walten zu lassen und ihn nur für fünf Jahre ins Gefängnis zu schicken, hat der Oberste Gerichtshof des Bundesstaats New York nicht erhört. Der Vorsitzende Richter James Burke verurteilte den früheren Filmproduzenten am Mittwoch zu 23 Jahren Haft. Zuvor hatten Weinsteins Opfer Jessica Mann und Mimi Haleyi lange Strafen gefordert. „Harvey Weinstein soll so lange hinter Gittern bleiben, bis er erkennt, was er getan hat“, sagte die frühere Produktionsassistentin Haleyi unter Tränen.

          Weinstein, der in Rollstuhl und Handschellen ins Gericht gebracht wurde, gab sich ungewohnt kleinlaut. „Mir tut die ganze Situation leid. Sie tut mir im Herzen weh“, ließ der 67-Jährige wissen, der während des Strafverfahrens auf eine Aussage verzichtet hatte. Nach sechs Prozesswochen hatten die Geschworenen Weinstein am 24. Februar schuldig gesprochen. Sie sahen es als erwiesen an, dass er die frühere Schauspielerin Mann 2013 in einem Hotel in New York vergewaltigt und Haleyi sieben Jahre zuvor in seiner Wohnung in Manhattan oral missbraucht hatte.

          Vor der Strafmaßverkündung hatte das Gericht am Dienstag Weinsteins Korrespondenz aus dem Herbst 2017 offengelegt. Wie die E-Mails an Bekannte, Talentmanager und Journalisten zeigten, bemühte sich der Produzent damals nach ersten Missbrauchsvorwürfen in der „New York Times“ und im „New Yorker“ auf gewohnt offensive Art um Schadensbegrenzung. Nach dem Anruf eines Reporters des Klatschblatts „National Enquirer“, der Weinstein einen Übergriff auf die Schauspielerin Jennifer Aniston unterstellte, soll er per E-Mail geraten haben, die Schauspielerin umzubringen.

          In der fast 1000 Seiten langen Akte fanden sich zudem Bettelbriefe an Persönlichkeiten wie den früheren New Yorker Bürgermeister und Präsidentschaftsbewerber Michael Bloomberg sowie Amazon-Gründer Jeff Bezos. „Der Vorstand will mich feuern“, schrieb der Gründer der Filmgesellschaft The Weinstein Company damals. „Ich bitte nur darum, mich beurlauben zu lassen, um mich in einer Einrichtung einer heftigen Therapie zu unterziehen und mich selbst wiederauferstehen zu lassen.“ Während Bloomberg und Bezos auf Antworten verzichteten, verhehlte Weinsteins Bruder Bob seine Abneigung nicht. In E-Mails unterstellte er Weinstein, jahrzehntelang Frauen sexuell missbraucht zu haben. „Ich bete, dass es eine Hölle gibt. Da gehörst du hin“, schrieb Bob Weinstein.

          Nach der Verurteilung zu 23 Jahren Haft bereitet Weinsteins Verteidigerin Donna Rotunno nun einen Berufungsantrag vor. Die Anwältin und ihren Mandanten erwartet zudem ein weiterer Prozess. Weinstein soll auch in Los Angeles zwei Frauen missbraucht haben. Bei einem zweiten Schuldspruch drohen ihm weitere 28 Jahre Haft.

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