https://www.faz.net/-gum-8leot

Ampel in Dresden : Nie gelb, nie grün

  • -Aktualisiert am

Die immer rote Ampel in Dresden Ecke Ziegelstraße und Güntzstraße Bild: Imago

Nach 29 Jahren schaltet Dresden die ewig rote Ampel ab. In Kombination mit einem grünen Pfeil sollte sie an einer Kreuzung den Straßenverkehr regeln. Herrscht jetzt etwa Anarchie an der Einmündung?

          1 Min.

          Man könnte es sich jetzt leichtmachen und sagen, dass Ampeln im Sozialismus zwangsläufig immer Rot zu zeigen hatten. Doch das erklärt nicht, weshalb diese Lichtsignalanlage auch nach der Friedlichen Revolution von 1989 niemals gelb, geschweige denn grün leuchtete.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Als ewig Rote hatte es die Ampel im Dresdner Zentrum zu einiger Berühmtheit gebracht: Sie fand in Sachbüchern Erwähnung, sie wurde in Zeitungen als „sinnlos“, „unnütz“, „gaga“ und „realer Irrsinn“ bezeichnet und im Fernsehen als „dümmste Ampel“ Deutschlands verunglimpft. Bis heute lachten sich über sie Hunderttausende bei Youtube schlapp.

          Seit dieser Woche ist die Ampel nun Geschichte; ein Metallstumpf und ein Loch im Gehwegpflaster an der Einmündung Ziegelstraße/Güntzstraße sind alles, was geblieben sind. Allerdings ist es nicht so, dass die Dresdner Stadtverwaltung nach 29 Jahren plötzlich ein Einsehen gehabt hätte.

          5800 Euro kostete die Ampel jährlich

          Tapfer hatte Reinhard Koettnitz, der Leiter des örtlichen Straßen- und Tiefbauamts, bisher jedem auch noch so hartnäckigen Nachfrager versichert, dass hier alles seine Ordnung habe, und zwar seit 1987: „Eine unmittelbar an eine mit Lichtsignalanlage geregelte Kreuzung einmündende Straße muss mit einer Lichtsignalanlage geregelt werden“, predigte er, dessen Bibel die Straßenverkehrsordnung ist.

          Weil man an dieser Stelle aber ohnehin nur rechts abbiegen durfte, reichte ein „Grüner Pfeil auf schwarzem Grund“ neben der roten Ampel. „Auf die Grünschaltung konnte deshalb verzichtet werden“, sagt Koettnitz. Auf die Lichtsignalanlage jedoch nicht, lediglich ein Stoppschild, das die gleiche Wirkung gehabt hätte, wäre nicht zulässig gewesen.

          Nicht mal die Haushaltsnotlagen der Stadt brachten die Ampel ins Wanken, deren Betrieb jährlich 800 Euro Strom sowie 5000 Euro Wartung verschlangen. Bei Letzterer wurden selbstverständlich auch stets die Lampen für Gelb und Grün ausgetauscht, Vorschrift ist nun mal Vorschrift. Einen erwähnenswerten Unfall immerhin hat es laut Polizei an dieser Stelle nie gegeben.

          Herrscht jetzt etwa Anarchie an der Einmündung? Ganz und gar nicht, versichert Koettnitz. Die Straße wird mit Pollern dichtgemacht, so dass kein Auto abbiegen kann. Und wo das nicht geht, kann - ausnahmsweise - auf eine Ampel verzichtet werden. Und die Moral von der Geschicht’? In der Straßenverkehrsordnung unterscheiden sich Sozialismus und Kapitalismus nicht.

          Weitere Themen

          Bolsonaro ist an Covid-19 erkrankt

          Brasilianischer Präsident : Bolsonaro ist an Covid-19 erkrankt

          Seine Infektion bestätigte der Präsident am Dienstag – und beteuerte, es gehe ihm gut. Die Maskenpflicht hatte er nicht nur oft missachtet, er hatte sie energisch bekämpft. Nun wird er mit Häme überschüttet.

          Topmeldungen

          Segregierte Schulen : Das weiße Amerika bleibt unter sich

          Heute gibt es in Amerika mehr Schulen mit fast nur weißen oder fast keinen weißen Schülern als vor 30 Jahren. Das liegt auch an den Entscheidungen weißer Eltern – auch solchen, die seit Wochen „Black Lives Matter“ rufen.

          Deutsche Bank : Landen meine Kontodaten jetzt in der Google-Cloud?

          Im Kampf gegen ihre marode IT holt sich die Deutsche Bank Hilfe von Google. Für beide Unternehmen scheint es ein wichtiger Auftrag zu sein. Doch wie sicher sind die Kundendaten bei dieser Kooperation?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.