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Evolution : Forscher belegen: Lebensspuren können auf Meteoriten durchs All reisen

  • -Aktualisiert am

Meteoriteneinschlag: Kam so das Leben auf die Erde? Bild: Nasa

Kam das Leben mit einem Meteoriten auf die Erde? Deutsche Forscher haben Belege gefunden, dass es tatsächlich so gewesen sein kann.

          2 Min.

          Die Erde ist bisher der einzige uns bekannte Ort im Universum, auf dem Leben existiert. Doch wie kam es hierher? Hat es sich dank günstiger Bedingungen auf unserem Planeten entwickelt oder kam es aus den Weiten des Alls - sozusagen Huckepack auf einem Meteoriten oder Kometen, der auf der Erde einschlug? Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben nun bewiesen, dass es tatsächlich so passiert sein kann. Die Erkenntnisse stützten zum Teil die umstrittene Panspermie-Theorie, die der schwedische Chemie-Nobelpreisträger Svante Arrhenius im Jahr 1906 aufstellte.

          Das allerdings war nicht das Hauptanliegen der Forschungsgruppe am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln. "Was wir mit unseren Experimenten geprüft haben ist, ob organisches Material einen Transport von einem Planeten zum anderen überstehen kann", beschreibt die Mikro- und Exobiologin Gerda Horneck, Leiterin der Gruppe, im Gespräch mit FAZ.NET die Zielsetzung. Dieser Nachweis ist den Kölner Forschern gelungen. Lebenskeime können demnach tatsächlich unter bestimmten Bedingungen eine interplanetarische Reise überleben. Somit könnte auf diesem Wege auch das Leben auf die Erde gelangt sein.

          Heubazillus-Sporen im All

          Versuchskaninchen war in diesem Fall das Heubazillus (Bacillus subtilis). An Bord von russischen Foton-Satelliten schickten Horneck und ihre Kollegen zwischen 1994 und 1999 dreimal Millionen von Sporen des Heubazillus für je zwei Wochen in den Weltraum. In einem Abstand von bis zu 400 Kilometern von der Erde wurden die Sporen zum einen der im All ungefilterten UV-Strahlung der Sonne schutzlos ausgesetzt, zum anderen wurden sie mit Meteoritenstaub vermischt beziehungsweise in einem dritten Versuch in einer Meteoritenmasse - darunter Material vom Mars - vermengt in den Weltraum geschickt. Die durch andere Materialien geschützten Sporen überstanden zumeist die interplanetarische Reise. Nur die den UV-Strahlen schutzlos ausgelieferten Partikel hatten keine Chance.

          Meteoriten als Transportmittel

          Arrhenius ging in seiner Panspermie-Theorie davon aus, dass Sporen frei im All herumschweben können. "Das ist mit Sicherheit nicht der Fall", betont Horneck angesichts der Erkenntnisse ihrer Studie. Die Sporen benötigen nachweislich ein Transportmittel, das sie gleichzeitig schützt. Auf Meteoriten oder Kometen - den Vagabunden der Sonnensysteme - können sie sich offenbar jedoch im Weltall ausbreiten, wobei die Reise einige Jahre dauern darf.

          Bis heute kommt es immer wieder zu Kollisionen zwischen Himmelskörpern. Derartige Zusammenstöße waren in der Frühzeit des Sonnensystems sehr häufig und maßgeblich an der Bildung unseres Planetensystems beteiligt. Bis vor 3,8 Milliarden Jahren dauerte das Bombardement an, dem auch die Erde ausgesetzt war. Die ersten gesicherten Spuren einfachen irdischen Lebens stammen aus einer Zeit vor 3,5 Milliarden Jahren.

          Kein Beweis für Existenz außerirdischen Lebens

          Mit den Erkenntnissen der Kölner Wissenschaftler ist weder gesagt, dass außerirdisches Leben auf jeden Fall existiert, noch dass das Leben auf der Erde auf jeden Fall außerirdische Wurzeln hat. Horneck: "Wie das Leben entstanden ist, kann man kaum nachvollziehen. Vor allem, weil das Leben selbst die Spuren verwischt." Dank der Erkenntnis der Kölner Forscher sind nun aber die zahlreichen Brocken vom Mars, die auf der Erde gefunden wurden und die bereits einmal als Träger mikroskopischer Spuren frühen Lebens auf dem roten Planeten ausgemacht wurden, wieder besonders interessant geworden.

          Geplant ist, auch auf dem Mars selbst nach derartigen Lebensspuren zu suchen. Eine Suche, an der auch Gerda Horneck beteiligt ist: "Es wäre wahnsinnig interessant, eine Lebensform außerhalb der Erde zu finden."

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