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Tagebuch aus Wien (6) : Von der Schulbank ins Finale

Klarer Favorit: Die Buchmacher räumen dem Sänger Måns Zelmerlöw aus Schweden beste Siegchancen ein. Bild: dpa

Im zweiten Halbfinale des Eurovision Song Contests haben sich die Favoriten Schweden, Norwegen und Slowenien durchgesetzt. Ralph Siegel scheiterte mal wieder mit San Marino. In der Nacht wurde außerdem die Startreihenfolge bekanntgegeben.

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          Sie hatten sich extra zwei Wochen schulfrei nehmen müssen. Molly Sterling, gerade 17 Jahre alt geworden, Anita Simoncini und Michele Perniola, die zusammen gerade mal 32 Jahre alt sind. Doch nur einer der ganz Jungen kam am Ende weiter: Nadav Guedj, der im November 16 Jahre alt geworden war und damit das vorgeschriebene Mindestalter erreichte, um überhaupt bei einem Eurovision Song Contest (ESC) auf der Bühne stehen zu dürfen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Sein Name war der letzte, der aufgerufen wurde, als es am Donnerstagabend in der Wiener Stadthalle beim zweiten Halbfinale für zehn von 17 Teilnehmern um den Einzug ins Finale ging. Allerdings sagte das nichts über die Zuschauer- und Jurygunst aus, die Plazierungen der Vorrunden werden erst am Sonntagmorgen bekanntgegeben. Mit Nadav Guedj hat sich Israel einen Finalplatz gesichert, während Irland mit Molly Sterling und San Marino mit dem sichtlich überforderten Duo Anita Simoncini & Michele Perniola ausgeschieden sind.

          Unterstützung von Ralph Siegel

          San Marino ist erst seit 2008 beim ESC dabei. Der kleine Staat mitten in Italien stand bisher nur einmal im Finale, um dann auf dem drittletzten Platz zu landen. Das war im vergangenen Jahr. Angeblich kann sich San Marino den Song Contest nur noch leisten, weil Ralph Siegel seit 2012 die Teilnahme des Landes bezahlt und dafür mit Künstlern seiner Wahl und vor allem mit seinen Kompositionen antreten darf.

          In diesem Jahr waren es die beiden Jugendlichen Anita und Michele, deren Stimmen so dünn waren, dass man sie kaum hören konnte. Schlimmer aber war, dass Siegel ihnen in Zusammenarbeit mit John O’Flynn alias Bernd Meinunger ein völlig untaugliches Lied geschrieben hatte. Es war wie eine Rückbesinnung auf das Jahr 1982, als Siegel und Meinunger mit „Ein bisschen Frieden“ und mit Nicole ihren größten Erfolg bei einem Grand Prix feiern konnten.

          Große Sause: die für Samstag qualifizierten Finalisten lassen sich feiern Bilderstrecke

          Auch in ihrem aktuellen Lied „Chain Of Lights“ geht es um Frieden und darum, eine Lichterkette aus Kerzen zu bilden. Selten konnte man so klar hören und auch sehen, dass der fast 70 Jahre alte Siegel, der in Wien ankündigte, noch lange am ESC teilnehmen zu wollen, den Sprung ins 21. Jahrhundert nicht geschafft hat. Die Diskrepanz zwischen Siegels Komposition und fast allen anderen Beiträgen war eklatant.

          Favorit Schweden kommt weiter

          Der junge Israeli Guedj bot zum Beispiel eine peppige Tanznummer. „Golden Boy“ beginnt langsam, wechselt dann mehrfach das Tempo und den Stil, springt von Pop zu Elektro und Hip-Hop und hat zudem einen eingängigen orientalisch anmutenden Refrain. Ein schöner Erfolg für den in Paris geborenen Sänger, gerade weil das zweite Halbfinale deutlich stärker besetzt war als noch das erste am Dienstagabend. Gleich drei der als Favoriten gehandelten Länder zählten zum Teilnehmerfeld – und setzten sich am Ende auch wie erwartet durch: Schweden, Norwegen und Slowenien, dazu noch Litauen, Polen, Montenegro, Zypern, Aserbaidschan und Lettland.

          Geht es nach den Buchmachern, so ist der diesjährige ESC schon entschieden. Schweden liegt vor Russland und Italien. Die Buchmacher führten aber auch Finnland bereits als klaren Finalisten und lagen damit ziemlich daneben. Denn auch wenn Schweden, Russland und Italien beste Chancen auf einen Sieg am Samstagabend haben, das Ranking der Buchmacher gibt nur Trends wieder. Diese basieren auf den Previews der nationalen Fanclubs, die vorab in jedem ESC-Land abstimmen. Dazu kommen Daten aus den Wettbüros, und es wird auch die jeweilige Medienpräsenz der Künstler ausgewertet.

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