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Tagebuch aus Wien (6) : Von der Schulbank ins Finale

Mord im Kindesalter

Gerade die aber kann sich in der ESC-Woche noch gewaltig ändern. Die Russin Polina Gagarina zum Beispiel hat nach ihrem Auftritt am Dienstagabend noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht. Anders der Schwede Måns Zelmerlöw. Er steht seit Monaten mit an der Spitze des Feldes – und das zu Recht. Pop können die Schweden schon seit Abba, sie wissen sich aber auch fast immer gut zu inszenieren. Mit einem Fingerschnips erschafft Zelmerlöw bei seinem Lied „Heroes“ ein computeranimiertes Strichmännchen, das mit ihm tanzt, um ihn herum schwebt, verschwindet und als ganze Armee wieder auftaucht. Das ist so witzig und intelligent gemacht, dass Schweden tatsächlich schon jetzt wie der sichere Sieger aussieht.

Auch Norwegen darf sich Hoffnungen auf eine gute Plazierung machen. Kjetil Mørland und Debrah Scarlett treten mit der ungewöhnlichen Liebesballade „A Monster Like Me“ an, in der es um ein dunkles Geheimnis geht, einen im Kindesalter begangenen Mord. Slowenien wiederum bietet eine der wenigen Uptempo-Nummern dieses Jahrgangs: „Here For You“, gesungen ebenfalls von einem Duo. Marjetka Vovk und ihr Mann Ales, genannt Raay. Gemeinsam bilden sie Maraaya und fallen durch große Kopfhörer auf, die sie auf der Bühne tragen. Das wirkt exaltiert, soll ihnen aber angeblich nur dabei helfen, die gleichen Emotionen hervorzurufen wie in einem Tonstudio. Begleitet werden sie von einer wild gestikulierenden Luftviolinistin.

Ingwertee vor dem Finale

Überglücklich war auch die Polin Monika Kuszyńska. Sie ist nach einem schweren Verkehrsunfall im Jahr 2006 an den Rollstuhl gefesselt. Mit ihrer Finalteilnahme hat sie sich zurück auf die große Bühne gekämpft, wie Bilder aus ihrer Zeit als Sängerin vor dem Unglück zeigen. Sie wollte, dass die Aufnahmen zu sehen sind, während sie ihr selbst geschriebenes und durchaus etwas kitschiges Lied „In The Name Of Love“ singt. Der Applaus gab ihr Recht: Ihre Geschichte rührt ihr Publikum, und sie wird auch von allen Zuschauern ohne viele Worte verstanden. Das könnte ihr zusätzliche Stimmen einbringen, aber warum auch nicht.

Für unsere Nachbarn in der Schweiz (Mélanie René mit „Time To Shine“) und in der Tschechischen Republik hat es mal wieder nicht gereicht. Dabei war das aus Prag stammende Duo Marta Jandová und Václav Noid Bárta mit großen Hoffnungen angetreten, nachdem die Tschechen mehrere Jahre wegen Erfolglosigkeit nicht teilgenommen hatten. „Hope Never Dies“ hieß ihr Stück, das ihnen am Ende kein Glück brachte. Das vom Erfolg verwöhnte Aserbaidschan hingegen zog wieder ins Finale ein – mit einem alten Bekannten. Elnur Hüseynow, der 2008 sein Land beim ersten ESC Aserbaidschans mit Samir Javadzade vertreten hatte, versucht es dieses Mal mit „Hour Of The Wolf“ und alleine.

Im großen Finale treffen insgesamt 27 Länder aufeinander. Auch die 13 jetzt ausgeschiedenen Nationen sind  stimmberechtigt. Die zweimal zehn Kandidaten, die sich in den beiden Vorrunden qualifizieren mussten, müssen sich am Samstagabend den von vornherein sieben gesetzten Finalisten stellen: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, dem Vereinigten Königreich, Österreich und Australien. Auch wenn die deutsche Kandidatin und ihr Song „Black Smoke“ nicht zu den Favoriten gezählt wird, so ist Ann Sophie wenigstens doch wieder bei Stimme: Ihre Erkältung, so war am Donnerstag zu hören, hat sie auskuriert – mit viel Ingwertee und einem Tag Bettruhe.

Ins Finale eingezogen sind:

  • Litauen
  • Polen
  • Slowenien
  • Schweden
  • Norwegen
  • Montenegro
  • Zypern
  • Aserbaidschan
  • Lettland
  • Israel

Startreihenfolge für die Finalshow

  1. Slovenia
  2. France
  3. Israel
  4. Estonia
  5. United Kingdom
  6. Armenia
  7. Lithuania
  8. Serbia
  9. Norway
  10. Sweden
  11. Cyprus
  12. Australia
  13. Belgium
  14. Austria
  15. Greece
  16. Montenegro
  17. Germany
  18. Poland
  19. Latvia
  20. Romania
  21. Spain
  22. Hungary
  23. Georgia
  24. Azerbaijan
  25. Russia
  26. Albania
  27. Italy

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