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Ralph Siegel : „Ich fand das Lied saulustig“

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Ralph Siegel: „Ständig werde ich gefragt, warum ich noch komponiere. Ich verstehe das nicht. Das ist mein Leben!“ Bild: dapd

Ralph Siegel hat mal wieder ein Lied für den Eurovision Song Contest produziert – für San Marino. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Roman Lob, die Chancen San Marinos und einen teuren Spaß.

          Guten Morgen, Herr Siegel, schon wach?

          Klar! Guten Morgen!

          Es ist sechs Uhr morgens bei Ihnen am Palm Beach Garden in Florida...

          Ja, aber ich weiß: Das wird ein guter Tag, ich habe schöne Sachen geträumt.

          Nämlich?

          Dass die bezaubernde Valentina Monetta mit einem strahlenden Lächeln auf der Bühne des Song Contest mein Lied singt.

          Es darf aber nicht mehr „Facebook, uh, oh, oh“ heißen, nach den Richtlinien kommt „Facebook“ zu oft vor. Was nun?

          Ich habe das Lied umgeschrieben. Donnerstagabend wird die neue Version in San Marino vorgestellt. Innerhalb von einer Woche mussten wir alles neu einspielen: Der gesamte Chor kam ins Studio, wir haben ein neues Video gedreht. Das war eine kostspielige Sache.

          Wie viel hat es Sie gekostet?

          Ach, so genau weiß ich das nicht. Was mir so weh tut, ist, dass meine Anwälte das Lied geprüft haben. Sie sagten, dass es gegen keine Regel verstoße, weil das Wort Facebook in den allgemeinen Sprachgebrauch übergangen ist.

          Hat aber nichts genützt.

          Nein, die European Broadcasting Union hat das nicht interessiert. Dabei machen wir gar keine Werbung für Facebook. Ich hätte nichts davon.

          Warum haben Sie überhaupt ein Lied über Facebook geschrieben?

          Ich fand das saulustig und wollte es auf fröhliche Weise satirisch behandeln. Ich habe auf Facebook viele nette Bekanntschaften gemacht, aber auch viel Blödsinn gesehen. Ich bekomme jeden Tag bestimmt 250 Facebook-Nachrichten.

          Was schreiben Ihnen die Leute so?

          Unfassbares, ich bekomme Avancen.

          Was wollen die Leute von Ihnen?

          Ob ich ihnen Geld leihen kann, dass sie mich kennenlernen wollen. Das Lied heißt ja „Facebook, uh, oh, oh“. Ist doch klar, dass es witzig gemeint ist.

          Wird Ihre neue Version denn akzeptiert?

          Ich habe am Montag einen neuen Text in Baku eingereicht. Der ist genehmigt.

          Kommt Facebook noch darin vor?

          Nein, gar nicht. Wir wollen uns die Freude an dem Lied trotzdem nicht verderben lassen. Die neue Lösung ist ganz süß.

          Sie schreiben das Lied für San Marino, haben auch schon Montenegro und Malta mit Liedern beglückt. Warum treten Sie noch beim ESC an?

          Haben Sie schon mal einen Maler gefragt, warum er auch im Alter noch malt? Haben Sie Günter Grass gefragt, warum er noch dichtet? Ständig werde ich gefragt, warum ich noch komponiere. Ich verstehe das nicht. Das ist mein Leben!

          Sie treten zum 20. Mal an, vor 30 Jahren kam Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ auf den ersten Platz. Wie haben sich Ihre Lieder verändert?

          Ich halte die meisten neuen Lieder für besser als das, was ich früher gemacht habe. Sie sind textlich bedachter, und die Melodien sind harmonischer.

          Die Ergebnisse waren bei Ihren jüngsten Teilnahmen nicht ganz so gut: Platz 21, 12, 17, und Montenegro kam nicht ins Finale. Warum mögen die Europäer Ihre Lieder nicht mehr?

          Meine Lieder haben so oft vordere Plätze geholt. Ich kann mich nicht beklagen. Wissen Sie, wie schwierig es schon ist, regelmäßig beim Song Contest teilzunehmen, und zwar für andere Länder?

          Siegel hat mal wieder ein Lied produziert: Für San Marino

          Nein, weiß ich nicht.

          In diesem Jahr haben einige Länder bekanntgegeben, dass sie Lieder ausländischer Komponisten zulassen. Das waren zum Beispiel Belgien, die Ukraine, San Marino und einige andere.

          Und dann haben Sie in jedem dieser Länder ein Lied eingereicht?

          Richtig, in insgesamt acht. In der Ukraine und in Moldawien habe ich den dritten Platz belegt. Respektabel, oder? Und auch in San Marino musste ich mich gegen starke Konkurrenz durchsetzen.

          Wie haben Sie die Sängerin gefunden?

          Ich hatte erst eine Sängerin, die in Deutschland wohnt. Aber die hatte zu viele Wünsche. Deswegen schlug mir San Marino Valentina Monetta vor. Sie ist ein Glücksfall: bezaubernd und herzlich.

          San Marino nimmt zum dritten Mal Teil, kam nie ins Finale. Welchen Platz erhoffen Sie sich?

          Ich wünsche mir, dass wir das Halbfinale überstehen. Vielleicht geben uns die Deutschen ein paar Punkte.

          Ihr Lied hat viel Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht nützt Ihnen das.

          Gefreut hat mich der Ärger nicht. Aber jetzt kennen Hunderttausende das Lied.

          Gibt es ein Land, mit dem Sie gern noch einmal antreten würden?

          Deutschland, aber seit drei Jahren reißt Stefan Raab da alles an sich. Ich habe allein drei Mal meine Frau angeboten, und die ist wirklich eine gute Sängerin.

          Wie finden Sie Roman Lob?

          Mir gefällt das Lied, der Sänger ist gut.

          Was fasziniert Sie am Song Contest nach fast 40 Jahren noch?

          Wenn ich Lieder schreibe, dann habe ich keinen größeren Wunsch, als dass Millionen Menschen es hören.

          Die Fragen stellte Anne Hähnig.

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