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ESC-Niederlage : Warum ging Deutschland leer aus?

Mit aller Kraft: Ann Sophie beim Finale des ESC in Wien Bild: dpa

Null Punkte beim Eurovision Song Contest 2015 – so schlecht hat Deutschland zuletzt vor einem halben Jahrhundert abgeschnitten. Lag es an Ann Sophies Lied „Black Smoke“, oder gab es andere Gründe?

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          Eines mag den deutschen ESC-Fans ein Trost sein bei diesem desaströsen Ergebnis: Wir haben uns bei diesem Wettbewerb schon mal viel, viel mehr blamiert als 2015. Als mahnendes Beispiel mag uns Gracia dienen, die 2005 die hohen Töne in „Run & Hide“ mehr herauswürgte denn sang. Und auch auf Michelles „Wer Liebe lebt“ von 2001 können wir nicht stolz sein: Schließlich hatte das deutsche Auswahlkomitee als weltweit letztes seiner Art nicht mitbekommen, dass es sich beim Eurovision Song Contest nicht um einen Schlager-Wettbewerb handelt.

          Und nun: „Black Smoke“. Ein zurückhaltender, souliger Titel, der aber keinem der stimmberechtigten Länder einen einzigen Punkt wert war. Dabei sang Ann Sophie trotz ihrer gerade erst überstandenen Erkältung stark und souverän. Die Niederlage hat überhaupt nichts mit ihr zu tun, und es ist der jungen Frau sehr zu wünschen, dass sie das bald auch so sehen kann.

          Bilderstrecke

          „Black Smoke“ war als Lied einfach nicht spannend genug, und wieder zeigt sich, dass Deutschland beim Wettbewerb um einige Jahre hinterher hinkt. Wenn etwa zwanzig Mal ein ganz großes Kawumm über die Bühne fegt und dann jemand ein bisschen geheimnisvoll die Hüften schwingt, gerät das bis zum Telefonvoting in Vergessenheit. Aber es gibt durchaus eine Möglichkeit, das aufzufangen – und wie das geht, zeigte der schwedische Beitrag.

          Beschreibung

          Denn rein musikalisch betrachtet ist „Heroes“ von Måns Zelmerlöw wirklich kein spektakuläres Lied. Es mangelt ihm an Höhepunkten, und die Melodie der Strophe ist wenig eingängig. Warum also konnte dieser Beitrag den Wettbewerb für sich gewinnen? Dazu hat die Performance wesentlich beigetragen, die die beeindruckenden technischen Möglichkeiten dieser Bühne so clever nutzte wie kein anderer Beitrag. Zelmerlöw übte monatelang dafür, und man sieht es dem Ergebnis an.

          Mächtig großer Badaboom: Die Georgierin Nina Sublatti bei ihrem Auftritt

          Auch der lettische und der georgische Beitrag nutzten das Drama-Potential der Multimedia-Show, die eine LED-Wand mit Projektionen kombinierte. Ann Sophie dagegen wurde vor einige runde Lampen gestellt, im Hintergrund waberte schwarzer Rauch, und damit hatte sich die Sache. Das war charmant, und es war elegantes Understatement. Aber um auf der Eurovisions-Bühne bestehen zu können, reicht es nicht mehr.

          Unser einziger letzter Platz seit den Sechzigern war „Black Smoke“ übrigens durchaus nicht. Schon 2008 lagen die No Angels mit 14 Punkten auf dem letzten Platz, Gracia halfen 2005 ihre vier Punkte auch nicht aus dem Keller, und 1995 fuhren Stone & Stone mit „Verliebt in Dich“ nur einen einzigen Anstandspunkt ein. Auch die Siebziger hatten mit Cindy & Bert und drei Punkten ihre schmerzhafte Niederlage. Gar nicht erst zu reden von Leon, dessen Lied „Planet of Blue“ es 1996 nicht ins Finale schaffte. Damals musste Deutschland sich nämlich noch qualifizieren.

          Was also ist aus dieser Niederlage zu lernen? Zumindest dies: Der Eurovision Song Contest ist längst kein reiner Lieder- oder auch nur Gesangswettbewerb mehr. Er ist ein Performance-Wettbewerb. Damit darf man es freilich nicht übertreiben, wie die armselige Plazierung für die Spanierin Edurne zeigt, die mit Trickkleid und Hebefiguren punkten wollte. Aber darauf zu verzichten, während alle anderen in die Vollen gehen, ist ein Fehler.

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