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Nicole 30 Jahre nach dem Grand Prix : Ein Kindertraum

„Ich bin nur ein Mädchen, das sagt, was es fühlt“: In deutschen Wohnzimmern verfing die unschuldige Friedensbotschaft der Sängerin aus dem Saarland. Bild: Wolfgang Haut

1982 sang sich Nicole ganz friedlich in den Olymp. Das Volk liebte ihren Beitrag zum Grand Prix. Mittlerweile sind 30 Jahre vergangen.

          Ihr Kleid hat sich Nicole im Münchner Modesalon Gisela „ersessen“: Stunde um Stunde wurden auf den schwarzen Stoff Strasssteine aufgenäht – bis Ralph Siegel endlich zufrieden war. Nicoles Produzent hatte sich das Fernsehstudio 4 des Bayerischen Rundfunks in München genau angesehen. Danach ließ er das Kleid an die schwarzen Kulissen mit ihren kleinen Lichtern anpassen. Die Zuschauer sollten sich beim Grand-Prix-Vorentscheid ganz auf das Gesicht von Nicole, das zusätzlich von einem weißen Kragen eingerahmt war, und auf ihre weiße Gitarre konzentrieren. Nach ihrem Sieg bei der nationalen Ausscheidung fuhr die Siebzehnjährige mit dem schon damals durchaus spießig wirkenden Kleid auch zum Finale des „Eurovision Song Contest“ (ESC) ins englische Harrogate. Ein anderes Kleid, sagt sie heute, hätte nur Unglück gebracht.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Noch 30 Jahre nach ihrem größten Erfolg zehrt die Saarländerin von diesem einen Moment, mit dem sie bis zum Sieg von Lena im Jahr 2010 als einzige deutsche Grand-Prix-Gewinnerin Geschichte schrieb. „Für mich ging ein Kindertraum in Erfüllung.“ Den Sieg für Deutschland wollte Nicole unbedingt, lange bevor sie Ralph Siegel überhaupt kannte. Schon 1981 hatte sie sich mit „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ beworben und war als 13. nicht in die Vorauswahl der vermeintlich besten zwölf gekommen. Dann lernte sie Ralph Siegel kennen, der bereits 1974 das erste Lied für den ESC komponiert hatte.

          Generalstabsmäßig gingen die beiden den Grand Prix 1982 an, das Jahr des Falkland-Krieges, in dem Millionen gegen das Wett- und Nachrüsten in Ost und West auf die Straßen gingen. Mit „Ein bisschen Frieden“ hofften sie, punkten zu können. Siegel sicherte sich ab und zog mit drei Sängerinnen in den Vorentscheid ein, den Nicole („Ich war noch so unbefangen“) klar für sich entschied. Auch in Harrogate gewann sie haushoch. Dass sie die Favoritin war, wurde ihr bereits bei den Proben bewusst: „Wenn ich sang, hörten die Putzfrauen im Saal auf zu putzen, um mir zuzuhören.“

          Das Volk liebte ihr Lied. Die  Friedensbewegung konnte sich mit dem Teenager nicht anfreunden, der glaubte, die Welt mit einem Lied verändern zu können. Die Deutsche aber bekam nicht nur zwölf Punkte aus Israel, sondern auch eine Einladung der israelischen Armee. Und so sang sie kurz nach ihrem Sieg vor Soldaten in Tel Aviv ihre Friedensbotschaft. „Die Frauen und Männer saßen mit ihren Gewehren vor mir und fassten sich drei Minuten lang an den Händen.“ Es sei ein „Grand Prix der Stille“ gewesen – der vielleicht bewegendste Moment ihres Lebens. „A Little Peace“ schaffte es danach sogar in Großbritannien auf Platz eins, noch ein Rekord.

          Von Ralph Siegel hat sie sich 2004 in aller Freundschaft gelöst. Die 47 Jahre alte Nicole, seit August Großmutter, macht bis heute Musik. Ihrer Enkeltochter Mara hat sie das Lied „Wenn Du lachst …“ auf ihrem neuen Album „Jetzt komm ich“ gewidmet. Mit dem Grand Prix aber schloss sie schon 1982 ab. Noch einmal anzutreten, kam ihr nie in den Sinn. Sie hatte alles erreicht – mit einem Jahrhundertlied, wie sie glaubt. „Ein bisschen Frieden“ singt sie bis heute gerne. „Das ist kein Fluch für mich, das ist der reine Segen.“

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