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Russland bei der Eurovision : Das Ansehen der Frau

Keine Angst vor Betonwänden: Die Sängerin Manizha Bild: dpa

„Russian Woman“ heißt der Song, mit dem die in Tadschikistan geborene Sängerin Manizha Russland beim ESC vertreten wird. Manizha tritt für Frauenrechte ein – und wird in Russland heftig angegriffen.

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          Die aus Tadschikistan stammende Popsängerin Manizha wird mit ihrem Lied „Russian Woman“ beim bevorstehenden Songwettbewerb der Eurovision Russland vertreten und erhitzt damit die Gemüter des Landes. Manizha, deren Eltern 1994 vor dem Bürgerkrieg aus Duschanbe nach Moskau flohen, als sie zwei Jahre alt war, hat ein Psychologiestudium abgeschlossen, wurde Popstar und schreibt auch selbst Songs und Texte, außerdem ist sie die erste russische UN-Botschafterin in Flüchtlingsfragen und setzt sich für Opfer häuslicher Gewalt ein.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Ihr Lied, das Elemente von Russenpop, Rap, Soulgesang und russischer Folklore amalgamiert, ist ein Muntermacher für Menschen aus unvollständigen Familien und vor allem Frauen, denen sie auf Russisch und auf Englisch einschärft, sie seien stark genug, jede Mauer zu durchbrechen. „Russian Woman“ wurde von Zuschauern des 1. Kanals des russischen Staatsfernsehens gekürt, mehr als drei Millionen Mal angeschaut und bekam 132.000 Likes – aber auch 77.000 Dislikes.

          Im Netz tobt eine Hasskampagne gegen Manizha. Die 29 Jahre alte Künstlerin, die in London Gospelgesang studierte, verortet sich kulturell als halb slawisch, halb tadschikisch, sie hat berichtet, dass sie als Kind, aber auch unlängst wieder xenophob beleidigt wurde, sich davon aber nicht einschüchtern lässt. Sie solidarisiert sich mit jenem Drittel aller Frauen, darunter viele Usbekinnen, Tadschikinnen, Kirgisinnen, die nach ihrem Befund häusliche Gewalt erfahren haben, sowie mit der russischen LGBTQ-Gemeinde.

          Die feministische Künstlerin Darja Serenko nennt „Russian Woman“ ein großartiges Lied weiblicher Selbstermächtigung. Der imperiale Politclown Wladimir Schirinowski hingegen findet, dass die Verse, die ironisch nachfragen, wo bei einer dreißig Jahre alten Frau die Kinder bleiben, das Ansehen der russischen Frau keineswegs förderten. Und der kremltreue Kriegsreporter Juri Kotenok schmäht Manizha als Migrantin, die mit dem LGBTQ-Thema Karriere mache.

          Viele stören sich an ihrem vermeintlichen Feminismus. Dabei betont Manizha, sie verstehe sich nicht als Feministin, sondern verteidige die Menschlichkeit und vor allem die Rechte anderer. Als Spross einer Generationenfolge starker Frauen in Tadschikistan lobt sie aber auch die „Schönheit“ traditioneller Familienwerte, die ihrer Meinung nach jedoch nicht durch Aggressivität, sondern durch Selbstachtung zu festigen seien. Der Schauspieler Alexej Agranowitsch, der seit kurzem Serebrennikows Gogol-Center leitet, mahnt daher seine Landsleute, die sich Russlands Sieg im Zweiten Weltkrieg über die Faschisten zugutehalten, geradezu verzweifelt, aus ihren Attacken gegen Manizha spreche der ganz banale Faschismus.

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