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Eurovision Song Contest 2017 : Russland will ESC aus der Ukraine nicht übertragen

Russische Panzer rollen auf der Krim, deswegen darf sie nicht zum ESC rollen: Julija Samojlowa Bild: AFP

Ein Kompromissvorschlag im Streit zwischen Russland und der Ukraine ist gescheitert. Zudem scheinen Moskauer Journalisten ein Kalkül bei der Auswahl von Julija Samojlowa zu wittern.

          Im Streit über eine Teilnahme der russischen Sängerin Julija Samojlowa am diesjährigen „Eurovision Song Contest“ in Kiew hatte die Europäische Rundfunkunion (EBU) am Donnerstag einen Kompromissvorschlag unterbreitet: Da die Ukraine der Sängerin wegen einer nicht von Kiew erlaubten Reise zu einem Auftritt auf der vor drei Jahren von Russland besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim die Einreise verwehrt hatte, solle Samojlowa ausnahmsweise per Live-Video zugeschaltet werden.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der stellvertretende Ministerpräsident der Ukraine Wjatscheslaw Kiriljenko teilte dazu aber mit, die Videoübertragung eines Auftritts Samojlowas würde ebenso gegen ukrainische Gesetze verstoßen wie eine Einreise in die Ukraine. „Das hätte die EBU beachten müssen.“ Es wäre besser, Russland zu überzeugen, einen Teilnehmer zu melden, „der nicht ukrainische Gesetze verletzt“, sagte Kiriljenko.

          Nur aus Russland keine Delegation gekommen

          Die russische Staatsmedienholding WGTRK teilte mit, russische Kanäle würden in diesem Jahr den Gesangwettbewerb nicht übertragen. Auch der Sender Perwij Kanal, der Samojlowa nominiert hatte, lehnte eine Zuschaltung nach Kiew per Video ab; das wäre „seltsam“, da der Sinn des Wettbewerbs der Live-Auftritt sei, hieß es in einer Mitteilung. Man könne Samojlowa im kommenden Jahr ins Rennen schicken, hieß es weiter.

          In Moskau war die Entscheidung des ukrainischen Geheimdienstes SBU, Samojlowa wegen des Auftritts auf der Krim für drei Jahre die Einreise zu verwehren, scharf kritisiert worden. Parlamentarier und Außenministerium hoben dabei besonders darauf ab, dass die Sängerin auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Die Entscheidung sei „zynisch und unmenschlich“, hieß es etwa, von einem „nazistischen Taumel“ war die Rede und sogar der Minsker Prozess, der Russlands Krieg im Osten des Landes eindämmen soll, wurde wegen des Einreiseverbots neuerlich in Frage gestellt.

          Allerdings berichtete die Moskauer „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag, Russland habe es allem Anschein nach gar nicht angestrebt, tatsächlich an dem Wettbewerb im Nachbarland teilzunehmen. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf das Umfeld der Organisatoren des Gesangswettbewerbs, alle Teilnehmerstaaten hätten schon vor Monaten Delegationen nach Kiew entsandt, um Unterkünfte auszusuchen, die Organisatoren kennenzulernen und andere Fragen zu klären. Nur aus Russland sei keine Delegation gekommen.

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