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Wegen Krim-Auftritt : Ukraine verbietet russischer ESC-Kandidatin Einreise

Die im Rollstuhl sitzende Sängerin Julia Samoilowa 2014 in Sotschi Bild: dpa

Wenige Wochen vor dem Eurovision Song Contest kommt es zum Eklat zwischen der Ukraine und Russland: Kiew verbietet der russischen Sängerin die Einreise. Moskau nennt die Entscheidung „zynisch und unmenschlich“.

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          Der ukrainische Geheimdienst SBU hat der russischen Kandidatin für den diesjährigen „Eurovision Song Contest“ in Kiew, Julia Samoilowa, die Einreise verboten, weil sie im Jahr 2015 auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim im Schwarzen Meer gesungen hatte, ohne eine ukrainische Einreiseerlaubnis zu besitzen. Russland hatte die Krim, eine Region der Ukraine, 2014 besetzt, nachdem die proeuropäische Revolution des „Euromajdan“ in Kiew den von Moskau gesteuerten Präsidenten Janukowitsch gestürzt hatte. Die Ukraine erkennt diese Annexion wie die allermeisten anderen Staaten der Welt nicht an und betrachtet jede Einreise auf die Krim von Russland aus als illegalen Grenzübertritt. Personen, die diesen Weg gewählt haben, sind deshalb von den ukrainischen Behörden immer wieder mit Einreiseverboten belegt worden.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Da half es der russischen ESC-Kandidatin nicht, dass sie den Konzertauftritt auf besetztem ukrainischem Gebiet für ein „ganz normales Konzert ... wie an vielen anderen Orten auch“ hält, und sich in Interviews öffentlich fragt, „warum das irgend jemanden gekränkt haben kann“.

          Russland will alle zukünftigen Wettbewerbe boykottieren

          Das russische Staatsfernsehen hob bei der Kommentierung des Einreiseverbots besonders hervor, dass Samoilowa behindert ist und seit ihrer Kindheit einen Rollstuhl nutzt. Ein Moderator im Sender Rossija 24 sagte, man zähle nun auf empörte Reaktionen des Auslands. Der stellvertretende russische Außenminister Grigorij Karassin bezeichnete die Entscheidung als „zynisch und unmenschlich“.

          Der Duma-Abgeordnete Pjotr Tolstoj sprach von einem „Test“, den die Ukrainer nicht bestanden hätten. Der Abgeordnete Franz Klinzewitsch aus dem Verteidigungsausschuss der Duma äußerte, Russland werde nicht nur den diesjährigen Eurovision-Wettbewerb in Kiew „natürlich“ boykottieren, „sondern auch alle künftigen“. Die Führung des Wettbewerbs stehe „bei dieser jesuitischen Entscheidung der ukrainischen Machthaber, die in ihrem nazistischen Taumel den Verstand verloren haben“, in der ersten Reihe, äußerte Klinzewitsch in Anlehnung an die russische Propagandadarstellung, in Kiew habe 2014 eine „faschistische Machtergreifung“ stattgefunden.

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