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Eurovision Song Contest : Ein Sieg der Toleranz

Conchita Wurst - eine professionell auftretende Künstlerin, die eigentlich ein Mann ist, der Thomas Neuwirth heißt. Bild: AFP

„Wir sind nicht zu stoppen.“ Was Conchita Wurst über Homosexuelle sagte, beschreibt auch ihre Vorstellung beim Eurovision Song Contest. Die kolumbianische Diva aus Oberösterreich gewinnt in einem spannenden Finale. Für Österreich ist es der größte Erfolg seit 1966.

          Die erste, die ihr um den Hals fiel, war die Spanierin Ruth Lorenzo. Sie herzte Conchita Wurst, küsste sie sogar. Das kam aus tiefstem Herzen. Und nicht nur sie freute sich mit der Österreicherin. Es war offensichtlich, dass auch die anderen Teilnehmer des diesjährigen „Eurovision Song Contest“ (ESC) in den vergangenen Tagen die meist diskutierte, aber bei weitem nicht hoch favorisierte Frau mit dem Vollbart respektierten als das, was sie ist: eine professionell auftretende Künstlerin, die eigentlich ein Mann ist, der Thomas Neuwirth heißt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Conchita Wurst war nicht die sichere Siegerin, aber sie siegte am Ende mit deutlichem Vorsprung. Helene Fischer hatte die Ehre für Deutschland die Punkte zu verlesen. Sie war die 20. von 37 Ansagern aus ganz Europa. Bis zur Nummer 19, Weißrussland, hatte Österreich vier Mal die magischen zwölf Punkte bekommen, die Niederlande aber auch. Und Schweden lag nur ganz knapp hinter den beiden. Nun war also Deutschland an der Reihe: Und es gab sieben Punkte für Österreich und zwölf Punkte für die Niederlande. Das war nicht überraschend, Österreich und Deutschland sind sich auch bei diesem Wettbewerb nicht unbedingt nachbarschaftlich zugetan. Später sollten die deutschen Vertreter, die Band Elaiza, keinen einzigen Punkt aus Österreich bekommen.

          „The Common Linnets“ aus den Niederlanden standen bei den Jurys hoch im Kurs.

          Es ging spannend weiter: Israel und Portugal als nächste gaben zwölf Punkte an Österreich, Norwegen, Estland und Ungarn dann jeweils zwölf Punkte an die Niederlande. Danach aber endete das Kopf-an-Kopf-Rennen. Während Österreich noch sieben Mal die Höchstpunktzahl erhielt, bekamen die Niederlande nur noch einmal zwölf Punkte. Das gab den Ausschlag. Österreich bekam überhaupt nur aus fünf Ländern keine Punkte: Polen, San Marino, Armenien, Weißrussland und Georgien. Ansonsten war die Zustimmung überwältigend – in West wie Ost. Aus Aserbaidschan war es zwar nur ein Punkt, von Russland aber bekam die Drag Queen fünf, aus Georgien sogar zehn Punkte. Insgesamt waren es am Ende dreizehn mal zwölf Punkte. Conchita Wurst konnte die Zuneigung, die ihr Europa zeigte, kaum fassen. Immer wieder schlug sie die Hände vors Gesicht und flüsterte „danke“, während ihr Tränen in den Augen traten.

          Elaiza aus Deutschland musste sich mit 39 Punkten und Platz 18 begnügen.

          Tatsächlich standen die Niederlande bei vielen Jurys hoch im Kurs. So sahen die deutschen Juroren zwar Dänemark auf Platz eins, gefolgt aber dann von dem niederländischen Duo The Common Linnets, das in June-Carter-Johnny-Cash-Manier den Country-Song „Calm After The Storm“ präsentierte. Es war musikalisch das vielleicht beste und interessanteste Stück des Abends. Österreich hingegen sahen die deutschen Künstler Sido, Andreas Bourani, Madeline Juno und Jennifer Weist sowie der Musikmanager Konrad Sommermeyer nur auf Platz elf. Die deutschen Zuschauer wiederum plazierten Österreich auf Rang eins und die Niederlande auf zwei. So gab es am Ende zwölf Punkte für die Niederlande aus Deutschland, zehn für die Busennummer von Donatan & Cleo aus Polen („My Słowianie“), acht für Basim aus Dänemark („Cliché Love Song“) und sieben für Österreich.

          Der Vorsprung von Conchita Wurst auf das Country-Duo aus den Niederlanden betrug am Ende 52 Punkte. Österreich erhielt 290 Punkte, die Niederlande 238, die Schwedin Sanna Nielsen kam mit ihrer schönen Ballade „Undo“  auf 218, der lange favorisierte Armenier Aram MP3 schaffte es mit „Not Alone“ und 174 Punkten auf Rang vier, dahinter liegt der Ungar András Kállay-Saunders mit seinem Lied über Kindesmissbrauch („Running“) und 143 Punkten. Elaiza („Is It Right“) musste sich mit 39 Punkten und Platz 18 begnügen.

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