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ESC-Tagebuch aus Tel Aviv (5) : Schweiz im Finale, Österreich raus

Der 36 Jahre alte Lasarew erscheint nicht einmal, sondern gleich neun Mal auf der Bühne. Das ist dann doch zu viel der Selbstverliebtheit. Die Inszenierung mit all den LED-Lasarews ist perfekt, doch trotz eines Blitzlichtgewitters am Ende will kein Funke überspringen. Es fehlt das Herz, das dürfte den Zuschauern nicht entgangen sein.

Großartige Ballade auf Albanisch

Gefühl und Herz wiederum ließen Albanien und Nordmazedonien triumphieren. Die ebenfalls 36 Jahre alte Albanerin Jonida Maliqi hat die großartige Ballade „Ktheju tokës“ mit zum ESC gebracht, schön dass auch folkloristische Klänge in der Landessprache eine Chance haben. Ebenfalls mit ihrer Stimme konnte Tamara Todevska überzeugen, sie singt „Proud“, ein Lied, das Mädchen auffordert, selbstbewusst zu sein und sich von anderen nichts aufzwingen zu lassen.

Eher dünnstimmig präsentierte sich die Dänin Leonora, die als Leonora Colmar Jepsen bis vor kurzem noch eine erfolgreiche Eiskunstläuferin war. Ihr „Love Is Forever“ ist eine zuckersüße Popballade, die ohne die charmante Inszenierung in einem Phantasialand und rund um einen viel zu großen Stuhl keine Chance auf ein Weiterkommen gehabt hätte. Aber es geht eben nicht nur um das Lied, sondern um das Gesamtpaket auf der Bühne.

Darum dürfte auch Malta die eine entscheidende Runde weiter gekommen sein. Die erst 18 Jahre alte Michela Pace hat zwar schon eine einprägsame Stimme, richtig professionell aber klingen sie und ihre R’n‘B-Pop-Song „Chameloen“ mit orientalischer Note noch nicht. Die wechselnden Farben und Hintergründe indes lenken davon ab und lassen das Ganze flott und modern wirken.

Schneelandschaft mit Rentieren

Dass es auch die beiden ESC-verrückten Nationen Schweden und Norwegen ins Finale schaffen, war erwartbar. John Lundvik ist schon lange erfolgreich im Musikgeschäft, er hat bereits 2010 das Lied „When You Tell The World You’re Mine“ zur Hochzeit von Kronprinzessin Victoria und ihres Mann Daniel Westling geschrieben. In Tel Aviv singt er mit seiner kräftigen Baritonstimme das gospelartige „Too Late For Love”. Norwegens Beitrag „Spirit In The Sky“ stammt vom Trio Keiino und enthält samische Liedzeilen. Dazu passt die Schneelandschaft mit ihren Rentieren.

Insgesamt war auch das zweite Halbfinale eine eher zähe Veranstaltung. Die Moderatoren Bar Refaeli und Erez Tal sowie Assi Azar und Lucy Ayoub sind uninspiriert und so gar nicht lustig. Selbst die große Neuigkeit, die sie zu verkünden hatten, verpuffte regelrecht im Saal. Madonna, seit Dienstag schon in der Stadt, wird am Samstag im Finale auftreten.

Echte ESC-Fans wird das wenig begeistern. Sie freuen sich sicher eher auf einige ihrer größten Stars der vergangenen Jahre, die nicht ihre eigenen Lieder, sondern jeweils die des anderem singen werden: Conchita Wurst wird „Heroes“ von Måns Zelmerlöw interpretieren, der Schwede nimmt sich „Fuego“ von Eleni Foureira vor, die wiederum „Dancing Lasha Tumba“ von Verka Serduchka singt, die sich an „Toy“ von Vorjahressiegerin Netta versuchen wird.

ESC-Übersicht

Diese zehn Kandidaten sind im Finale:

Nordmazedonien: Tamara Todevska („Proud”)

Niederlande: Duncan Laurence („Arcade”)

Albanien: Jonida Maliqi („Ktheju tokës”)

Schweden: John Lundvik („Too Late For Love”)

Russland: Sergey Lazarev („Scream”)

Aserbaidschan: Chingiz („Truth”)

Dänemark: Leonora („Love Is Forever”)

Norwegen: KEiiNO („Spirit In The Sky”)

Schweiz: Luca Hänni („She Got Me”)

Malta: Michela („Chameleon”)


Diese Kandidaten sind ausgeschieden:

Armenien: Srbuk („Walking Out”)

Irland: Sarah McTernan („22”)

Moldau: Anna Odobescu („Stay”)

Lettland: Carousel („That Night”)

Rumänien: Ester Peony („On A Sunday”)

Österreich: Paenda („Limits”)

Kroatien: Roko („The Dream”)

Litauen: Jurij Veklenko („Run With The Lions”)

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