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Eurovision Song Contest : Die Fantastischen Drei

Für Elaiza nur das Lieblingsinstrument

Die 29 Jahre alte Yvonne Grünwald, in Salzwedel in der Altmark geboren, hat 15 Akkordeons zu Hause. Für Elaiza aber steht sie nur mit ihrem Lieblingsinstrument auf der Bühne. Das einstmals pinkfarbene Akkordeon, nun strahlend weiß, hat sie aufwendig dekoriert: „Den Glitter dafür habe ich im Internet gekauft.“ Ihr Traum derzeit ist ein Akkordeon nur für Elaiza - in den typischen blassen Regenbogenfarben, die sich die Band inzwischen gegeben hat.

Natalie Plöger, die Dritte im Bunde, die am 3. September 1985 in Leer geboren wurde, spielt den Kontrabass. Sie stieß als Letzte zu dem Trio dazu, Ela und Yvonne entdeckten sie zufällig bei einer Schnapsverkostung: „Während wir den von einem gemeinsamen Freund erfundenen Luxus-Schnaps ,Pijökel‘ tranken, habe ich ein Foto von Natalie mit ihrem Bass an einer Pinnwand gesehen“, erinnert sich Yvonne. „Sie sah ziemlich sympathisch aus, also habe ich mir ihre Nummer geben lassen und sie zum Vorspielen eingeladen.“

Man war sich sofort einig und beschloss, eine Band zu gründen. Auch ein Name war schnell gefunden: „Ela ist ja die Grundlage der Songs“, sagt Yvonne. „Sie schreibt die Texte und die Melodien. Also haben wir gedacht, wir stellen Elżbieta ein wenig um, und heraus kam Elaiza.“

Wer den Ton bei Elaiza angibt, scheint klar. Die mit Abstand Jüngste und Kleinste: Ela, am 11. Oktober 1992 geboren, würde ohne High Heels nie auf die Bühne gehen. Doch als Chefin spielt sich der quirlige Blondschopf dennoch nicht auf: „Wir sind drei Charakterköpfe“, sagt Natalie. Und Yvonne ergänzt: „Wir sind nicht nur musikalisch auf einer Ebene.“

Einflüsse aus Polen und aus der Ukraine

Auch Ela meint, dass sie zwar „an der Front stehe, aber wenn wir uns nicht verstehen würden, würde man das sehr schnell merken“. Entscheidungen werden zusammen getroffen. Das sei wichtig und richtig: „Wenn man alleine etwas entscheidet, hadert man am Ende nur“, meint Yvonne. „Es ist viel besser, wenn man die anderen auf seiner Seite hat.“

Bereits die Entscheidung, sich um eine Wildcard beim deutschen Vorentscheid zu bewerben, wurde gemeinsam getroffen. „Unser Gedanke war, dass unsere Art Musik theoretisch gut zu einem internationalen Wettbewerb passt, da sie drei Länder verbindet.“ Elas früh verstorbener Vater war Ukrainer, ihre Mutter stammt aus Polen. Die osteuropäischen Einflüsse gerade in ihrem ESC-Lied „Is It Right“ sind unüberhörbar. „Neo-Folklore“ nennen die drei ihren Stil, der durch Akkordeon und Kontrabass noch unterstützt wird.

Nicole, die Bass studiert hat, kommt allerdings ursprünglich eher aus der Jazz-Ecke, Yvonne spielte bisher Musette, Chanson und in einer Klezmer-Band. „Uns verbindet die Popmusik“, sagt Ela. Und genau das ist auch ihr „Is It Right“: gut gemachter Pop mit „slawischem Moll“, wie die Songwriterin meint.

Grund zu feiern gibt es am 10 Mai so oder so

Ob sie damit gerade in Osteuropa punkten können? „Wir wollen, dass unsere Musik den Menschen gefällt“, sagt Natalie. „Und das kann auch in Osteuropa passieren.“ Einen Vorteil jedenfalls versprechen sie sich nicht davon. Im ESC, der ihnen die Chance gibt, sich international zu präsentieren, sehen sie auch nur einen weiteren Schritt, wenn auch „einen Riesenzwischenschritt“, wie Yvonne meint, in ihrem musikalischen Werdegang.

Denn anders als etwa Lena, mit der viele das Elaiza-Phänomen vergleichen, habe die Grand-Prix-Gewinnerin von 2010 vorher ja nicht Musik gemacht. „Sie wollte Schauspielerin werden“, sagt Yvonne. „Wir hingegen sind schon seit Jahren Musikerinnen.“ Für sie steht fest, dass sie auch nach dem ESC-Finale Musik machen werden, eine Tour ist geplant. Und die drei werden am 10. Mai auch in jedem Fall einen Grund zu feiern haben: An dem Samstag wird Yvonne 30.

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