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Eurovision Song Contest : Aserbaidschan soll Stimmen gekauft haben

Russlands Beitrag bekam keine Punkte aus Aserbaidschan. Woran das lag, ist unklar. Bild: AP

Nach dem Eurovision Song Contest in Malmö sieht sich Aserbaidschan Manipulations-Vorwürfen ausgesetzt. In Litauen soll ein aserbaidschanisches Team versucht haben, Journalisten zu kaufen.

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          Kein Land ist zur Zeit erfolgreicher beim „Eurovision Song Contest“ (ESC) als Aserbaidschan. Erst sechs Mal hat das Land an dem Liederwettbewerb teilgenommen. Nach einem achten Platz 2008 folgten fünf Plätze unter den besten fünf. Eine erstaunliche Konstanz, die keine andere Nation seit der Einführung des Televotings Ende der Neunziger erreichte - selbst Russland musste immer mal wieder Plazierungen jenseits der Top Ten hinnehmen. 2011 in Düsseldorf gewannen Ell & Nikki mit „Running Scared“ sogar für Aserbaidschan.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Schon 2012 war die junge Grand-Prix-Nation der Manipulation verdächtigt worden. Nun ist ein Video aufgetaucht, das belegen soll, wie ein aserbaidschanisches „Unterstützer-Team“ versucht, litauische Journalisten zu kaufen. Den Journalisten, die sich als Studenten ausgaben, wird Geld dafür geboten, dass sie sich mit Sim-Karten für ihre Handys ausstatten lassen, um dann 20 Mal (mehr ist nicht erlaubt) für Aserbaidschan abzustimmen. Solche Anwerber sollen in einem Dutzend Ländern aktiv gewesen sein, vor allem in kleineren, in denen weniger Anrufe eingehen und Manipulationen leichter möglich sind. Die Journalisten, die das aufgedeckt haben, sind vom Nachrichtenportal 15min.lt, das Teil des norwegischen Medienkonzerns Schibsted ist, zu dem auch die schwedische Boulevardzeitung „Aftonbladet“ gehört.

          Malta schickt regelmäßig zwölf Punkte nach Baku

          Auffällig ist tatsächlich, das zum Beispiel Malta seit 2010 jedes Mal zwölf Punkte an Aserbaidschan vergeben hat. Allerdings zählt das Zuschauervotum nur zur Hälfte; seit 2009 stimmen Jurys zu 50 Prozent mit. Die maltesischen Juroren müssen also Aserbaidschan auch jeweils einige Punkte gegeben haben. Umgekehrt bekam Malta in diesem und im vergangenen Jahr je acht Punkte aus Aserbaidschan.

          Manipulationsvorwürfe beim Grand Prix sind nicht neu. Es sollen sogar schon Call-Center im Einsatz gewesen sein. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) versichert, allen Vorwürfen nachzugehen und auffällige Stimmenhäufungen nicht zu werten, wenn sie denn rechtzeitig bemerkt werden. Für die ordnungsgemäße Abstimmung beim ESC sind Notare von Pricewaterhouse-Coopers zuständig, fürs Zählen und Zusammenführen der Stimmen das Kölner Unternehmen Digame mobile.

          Keine Punkte für Russland

          Aserbaidschan geht möglichen Manipulationen sogar an höchster Stelle nach: Präsident Ilham Alijew ordnete an, dass die Stimmen in seinem Land neu ausgezählt werden. Nicht etwa, weil zu viele Stimmen zugunsten Aserbaidschans abgegeben wurden, sondern weil Aserbaidschan null Punkte an Russland vergab, während Russland Aserbaidschan mit zwölf Punkten bedachte. Ein Ding der Unmöglichkeit, wie Hamil Gulijew von Ictimai TV glaubt. Er entschuldigte sich bei Moskau. Beim Televoting habe Dina Garipowa („What If“) auf Platz zwei gelegen, auch die Jurys sahen Russland weit vorne. Es sei unerklärlich, warum sie keine Punkte bekam. Den Fehler vermutet Baku in Köln - bei Digame mobil. Das Resultat von Malmö müsse berichtigt werden.

          An der Reihenfolge wird es wohl nichts ändern: Dänemark (Platz eins) liegt mit 47 Punkten vor Aserbaidschan (Platz zwei), das wiederum 60 Punkte Vorsprung auf Russland (Platz fünf) hat.

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